19.09.2011
Historiker Peter Krüger gestorben
Im Alter von 75 Jahren ist vor wenigen Tagen der Marburger Neuzeithistoriker Professor Dr. Peter Krüger gestorben.
Peter Krüger war einer der weltweit besten Kenner der Außenpolitik der Weimarer Republik. Das Thema „Versailles“ hat ihn nie losgelassen. Wo lagen die Möglichkeiten einer Politik zwischen Revisionismus und Friedenssicherung? Wie veränderte sich deutsche Außenpolitik im Übergang zum Nationalsozialismus? Wie verhielten sich die diplomatischen Eliten des Reiches nach dem 30. Januar 1933? Das systematische Interesse des Marburger Historikers an der Geschichte von Diplomatie und Diplomaten speiste sich auch aus eigenen Erfahrungen im Auswärtigen Amt, wo er zwischen 1966 und 1974 an der Edition der „Akten zur deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945“ (ADAP) mitwirkte. In diesen Jahren entstand auch seine Kölner Habilitationsschrift über die Reparationsfrage nach dem Ersten Weltkrieg, ein bis heute grundlegendes Werk.
Dabei war dem 1935 in Eisenach geborenen Krüger der Weg in die Zeitgeschichte nicht vorgezeichnet. Promoviert wurde er nämlich nach Studienjahren auch in Marburg bei Franz Schnabel in München mit einer Arbeit über Außenpolitik im Zeitalter der Reformation. Schon diese Studie zielte auf die Triebkräfte internationaler Politik, auf die Strukturen und Bestimmungsfaktoren des Staatensystems der Neuzeit. Außenpolitik vom internationalen System her zu analysieren, darum kreiste sein Oeuvre, das einen weiten Bogen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert schlägt. Nachdem er 2006 eine Geschichte der europäischen Integration vorgelegt hatte, arbeitete er bis zuletzt an einer Edition der Schriften und einer Biographie des AA-Staatssekretärs Carl von Schubert, jenes Stresemann-Vertrauten, der 1932 von Außenminister Neurath in den Ruhestand versetzt wurde. Das Werk wird nun posthum veröffentlicht werden müssen.
Wenn die Philipps-Universität heute die Internationale Geschichte zu ihren profilbildenden Schwerpunkten zählt und attraktive Studiengänge auf diesem Feld anbieten kann, dann hat sie das auch Peter Krüger zu verdanken, der für eine moderne Geschichte der internationalen Beziehungen stand und diesen Anspruch in Forschung und Lehre umgesetzt hat. Ein staubiger Diplomatiehistoriker der „Männer und Mächte“ ist er nie gewesen. Das spiegeln auch die Arbeiten seines weiten Schülerkreises wider, dem Krüger wie dem Fach Neuere Geschichte insgesamt bis zuletzt vielfältige Anregungen und immer neue Impulse gegeben hat. Zusammen mit der Philipps-Universität erinnern sich die Marburger Historiker in Dankbarkeit und Verbundenheit eines außergewöhnlichen Hochschullehrers, der nicht nur wegen seines reichen Oeuvres, sondern auch wegen seines stets freundlichen und ausgleichenden Wesens und seines feinen Humors noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Prof. Dr. Eckart Conze
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