Laufende Projekte
Prof. Dr. Eckart Conze
|
|
|
Prof. Conze ist Mitglied im interdisziplinären Lehr- und Forschungsverbund „Menschenbilder“ an der Philipps-Universität Marburg (www.menschenbild-forschung.de). Dem Verbund und Projekt „Menschenbilder“ geht es um eine Erkenntnis der Mehrdimensionalität von Orientierungserfordernissen in der Gegenwart. Ein derzeit zentraler Punkt der Untersuchung des Forschungsverbundes ist die Bearbeitung von Orientierungsproblemen in perinatalen Konflikten. Der Lehrverbund bietet ein zweisemestriges Modul „Humane Orientierungswissenschaft“ für verschiedene Studiengänge an. |
Wencke Meteling, M.A.
Das Dissertationsprojekt untersucht die Stellung der Armee,
besonders ihrer Offiziere als militärischer Elite und
Gesellschaftsstand in einer preußischen und einer französischen
Garnisonsstadt zwischen deutsch-französischem Krieg und Erstem
Weltkrieg. Es wird über den Tübinger Sonderforschungsbereich 437
"Kriegserfahrungen. Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit" finanziert
und ist eng verzahnt mit der Untersuchung von Ingrid Mayershofer:
"Städtische Eliten und bewaffnete Macht. Eine Untersuchung zum Wandel
von Wehrhaftigkeit am Beispiel Bambergs, 1860-1920".
|
Enrico Böhm, M.A.
Das Dissertationsvorhaben will einen Beitrag zur Geschichte des internationalen Systems leisten, dessen grundlegender Wandel im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts anhand der 1975 entstandenen G7 analysiert werden kann. Den Untersuchungszeitraum bilden die Konstituierungsphase und die erste Runde von Treffen, die mit dem Gipfel von Ottawa (1981) ihren Abschluss fand. Zwei Fragedimensionen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung: Erstens die Bedeutung der gipfeltypischen Charakteristika für die Gestaltung von Außenpolitik und zweitens die Genese eines neuen Sicherheitsbegriffs in der internationalen Politik. In seiner informellen und exklusiven Struktur liegt dem Gipfel dabei ein immanenter Widerspruch zu den sich komplizierenden internationalen Beziehungen zu Grunde. Mit den Spitzen der nationalstaatlichen Regierungen waren es die traditionellen Akteure der internationalen Beziehungen, die mit dem institutionalisierten „Kamingespräch“ versuchten, dieser Entwicklung zu begegnen. Die G7 verkörpert so wie kaum eine andere Institution des internationalen Systems einen gewachsenen Kooperationsdruck nationalstaatlicher Regierungen vor dem Hintergrund intensivierter Globalisierung. Dieses auch für die gegenwärtigen Strukturen internationaler Beziehungen wirkungsmächtige Reaktionsmuster kann als Innovation im internationalen System gelten und verdient deshalb eine eingehende Untersuchung. |
Corinna Felsch, M.A.
Im Dissertationsprojekt soll nach der Bedeutung von „Geschichte“ (im Sinne von Geschichtswissen, Geschichtswahrnehmung, Geschichtsbewusstsein, Vergangenheitsnarrative etc.) bei Reisen von Deutschen nach Polen zwischen 1970 und 1990 und bei dabei stattfindenden Begegnungen gefragt werden. Vor dem Hintergrund der die deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945 belastenden historischen Hypotheken soll untersucht werden, inwieweit die in den gesellschaftlichen Diskursen dominierenden Vergangenheitsnarrative bei deutsch-polnischen Begegnungen "face to face" von Bedeutung waren, inwieweit sie die Wahrnehmung des jeweils Anderen beeinflussten und inwiefern sie dadurch angeregt thematisiert und überdacht wurden. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich Zusammenhänge zwischen Veränderungen in der Geschichtswahrnehmung und -deutung in Folge von konkreten Fahrten und Begegnungen auf der Mikroebene und der Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen auf der Makroebene feststellen lassen. |
Wolfgang Fischer, M.A.
Allen Untergangsprophezeiungen zum
Trotz haben sich die kleinen und mittelgroßen Familienunternehmen in
der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland gegen die Großunternehmen
nicht nur behauptet, mitunter wird ihnen in jüngster Zeit sogar ein
Bedeutungszuwachs konstatiert. Das Forschungsprojekt untersucht die
Unternehmensgeschichte der Firma Pflumm & Kemmler von ihren
Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts in Dußlingen bis hin zur
expandierenden Unternehmensgruppe Kemmler der heutigen Zeit. Diese
besteht aus dem Baustoffgroßhandelsunternehmen Kemmler Baustoffe, dem
größten Baustoffhandelsunternehmen in Baden-Württemberg und
viertgrößten in der Bundesrepublik Deutschland, mit Hauptsitz in
Tübingen und 19 Niederlassungen in Baden-Württemberg und Bayern sowie
den beiden Produktionsstätten Beton Kemmler in Tübingen-Hirschau und
Kemmlit in Dußlingen. Ausgehend von der Grundannahme, dass es sich bei Unternehmen um komplexe soziale und historisch verfasste Gebilde handelt, die nicht allein aus sich selbst heraus erklärt und beschrieben werden können, sondern über Märkte, Kulturen und globale Rahmenbedingungen vielfältig mit ihrer Umwelt verknüpft sind, bezieht die Arbeit bei ihrer Untersuchung der Unternehmensentwicklung verschiedene Aspekte der Wirtschafts-, Technik-, Sozial-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte mit ein. Dies schließt – bei einem Familienunternehmen mit spezifischen Problematiken z. B. der Nachfolgeregelung als Forschungsgegenstand liegt dies auf der Hand – freilich auch die Geschichte der Familie Kemmler ein, die das Unternehmen nun bereits in vierter Generation leitet. Ziel ist es, anhand der Unternehmensgeschichte der Firma Pflumm & Kemmler spezifische Entwicklungsbedingungen und -probleme mittelständischer Familienunternehmen herauszuarbeiten, dies in die Perspektive einer stark zersplitterten und regionalisierten Branche des Baustoffhandels einzuordnen und damit einen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Südwestdeutschlands seit dem 19. Jahrhundert zu liefern. |
|
Lic. Phil. Alex Gertschen
Die wirtschaftliche Internationalisierung während der „Trente Glorieuses“, den (beinahe) 30 Jahren überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums nach dem Zweiten Weltkrieg, war für die Tarifparteien in der Bundesrepublik Deutschland Rahmenbedingung und Objekt politischer Interessenvertretung zugleich. Wie nahmen die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter die realwirtschaftliche und institutionelle Internationalisierung der Wirtschaft wahr? Als Chance, als Risiko, oder gar nicht? Inwiefern beeinflusste die wirtschaftliche Internationalisierung direkt oder indirekt die Verhandlungspositionen in den Tarifbeziehungen? Und inwiefern versuchten die Tarifparteien, mittels der bundesdeutschen Außenwirtschaftspolitik die realwirtschaftliche und institutionelle Internationalisierung der Wirtschaft im eigenen Interesse zu gestalten? Am historischen Gegenstand der Tarifbeziehungen zwischen dem Gesamtverband der deutschen Textilindustrie und der Gewerkschaft Textil-Bekleidung werden in Theorie und Methode Wirtschafts- und Kulturgeschichte einerseits sowie Geschichte und Neue Politische Ökonomie andererseits miteinander verknüpft. Mit den drei Leitbegriffen der „Institution“, „Einstellung“ und „Kultur“ läßt sich sowohl die Handlungs- als auch die Kognitionsebene der Akteure analysieren. |
|
|
|
Tilmann Ulrich Pietz, M.A.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat fünfzehn Sitze. Die Volksrepublik China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA haben ständige, vetobewehrte Sitze. Die anderen zehn Sitze sind nichtständig und nach einem Weltregionalschlüssel auf Afrika, Asien, Lateinamerika, Osteuropa und Westeuropa verteilt. Dies war nicht immer so. Bei seiner Gründung hatte der Sicherheitsrat nur elf Sitze und statt der Volksrepublik China saß dort die Republik China, statt Russland die Sowjetunion. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts gibt es wiederum eine vielschichtige Debatte ob und vorallem wie der Sicherheitsrat erweitert werden könnte/sollte. Diese tatsächlichen und geforderten Kompostionsveränderungen will das Dissertationsvorhaben in den Blick nehmen und so einen Beitrag zur Historisierung des internationalen Staatensystems seit 1945 leisten. Die Grundüberlegung bzw. Ausgangsthese ist dabei folgende: Immer wenn es zu gravierenden Verschiebungen oder Erschütterungen bzw. massiven Veränderungen im internationalen Staatensystem kam, hat dies – wenn auch teilweise mit erheblicher Verzögerung – Auswirkungen auf die strukturelle Komposition des Sicherheitsrats gehabt. Diesen Konnex in der historischen Analyse herauszuarbeiten, hat sich die Dissertation zum Ziel gesetzt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Tatsache zu legen sein, dass sich alle Kompositionsveränderungen während einer Zeit in der die Aktivität des Sicherheitsrats durch die Konfrontation des Ost-West-Konflikts (stark) eingeschränkt war, ereigneten, wohingegen es zu keiner Kompositionsveränderung nach dem Ende dieser Konfrontation kam, einer Zeit, in der der Sicherheitsrat seine bisher aktivste Phase hatte. Der große Vorteil die tatsächlichen und geforderten Veränderungen der Zusammensetzung des Sicherheitsrats seit 1945 zu untersuchen, liegt darin, dass sie zur Historisierung der internationalen Politik über das Epochenjahr 1991 hinaus beitragen. Zudem erschließt es eine Perspektive auf die Geschichte des internationalen Staatensystems, die nicht von den beiden Supermächten UdSSR und USA dominiert wird ohne allerdings ihre Wirkmächtigkeit während des Ost-West-Konflikts zu ignorieren. Damit vermeidet sie eine Engführung auf die zwischenstaatliche Beziehungsgeschichte des „Nordens“ und trägt dazu bei „die Geschichte der internationalen Beziehungen räumlich und gegenstandsbezogen zu erweitern, ihren historiographischen Eurozentrismus zu überwinden, ohne sie indes zu enteuropäisieren oder die Geschichte des euro-atlantischen Raumes zu marginalisieren“ (Conze, Eckart/Lappenküper, Ulrich/ Müller, Guido: Einführung, in: Dies. (Hrsg.): Geschichte der internationale Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin, Köln u.a. 2004, S. 1-14, hier S. 9). |
Auslandskorrespondenten meinungsführender Medienorgane werden
zuweilen als "inoffizielle Botschafter" ihres Landes bezeichnet. In dem
Dissertationsvorhaben soll für den Zeitraum 1945 bis 1963 exemplarisch
am Beispiel von Großbritannien und Westdeutschland untersucht werden,
welche Rolle die Korrespondenten einflussreicher Zeitungen und
Zeitschriften durch ihre journalistische Tätigkeit in den bilateralen
Beziehungen spielten. |
Michael Seelig, M.A.
Das Dissertationsprojekt behandelt Mentalität und Habitus bzw. Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster des ostelbischen Adels in der Bundesrepublik Deutschland von 1945/49 bis 1974. Es fragt danach, was nach dem Zusammenbruch von 1945 Adel und Adeligkeit für den ostelbischen Adel bedeuteten. Nachdem er durch Flucht, Vertreibung und Enteignung sowohl seine Heimat als auch seine sozioökonomischen und soziokulturellen Lebensgrundlagen verloren hatte, sah er sich gezwungen, seine adelige Existenz neu zu definieren. In zwei Schritten untersucht die sozial- und kulturgeschichtliche Arbeit, inwiefern sich der ostelbische Adel nach wie vor als eigenständige Sozialformation auszeichnete. Zunächst wird nach seinem Selbstverständnis und Weltbild gefragt, um so zentrale Selbstzuschreibungen von Adel nachzeichnen zu können. Anschließend wird seine Selbstwahrnehmung mit seinem sozialen und kulturellen Handeln verglichen. Auf diese Weise soll nach Kongruenzen und Diskrepanzen zwischen Selbstverständnis und Praxis gefragt werden. Dabei wird der Adel aber nicht allein um des Adels willen behandelt. Vielmehr ist es das Ziel des Dissertationsprojekts, mit dem Adel als Sonde Form- und Strukturprinzipien der westdeutschen Gesellschaft von 1945/49 bis 1974 zu untersuchen. Sie fragt danach, wie es die Bundesrepublik einer ehemals traditionalen Sozialformation ermöglichte, bis in die "Postmoderne" zu überdauern. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen kognitive und praktische, d.h. handlungsbezogene Aspekte, die für die adelige "Wirklichkeitskonstruktion", Sinn- und Identitätsstiftung sowie Lebensführung von zentraler Bedeutung waren. Als theoretisches Fundament liegen der Arbeit die Begriffe "Habitus", "Mentalität", "Lebenswelt" und "Adeligkeit" zugrunde. Der erste Teil der Arbeit stützt sich auf einen Zugriff, der von der historischen Diskursanalyse inspiriert wurde. Dieser Ansatz wurde gewählt, um die binnenadeligen Kommunikations- und Selbstdefinitionsprozesse analysieren zu können. Nachdem auf diese Weise Selbstverständnis und Weltbild des ostelbischen Adels beleuchtet wurden, wendet sich der zweite Teil der Arbeit in einer qualitativen und quantitativen Untersuchung dem Aspekt der sozialen und kulturellen Praxis zu. Durch einen Vergleich mehrerer adeliger Geschlechter und ihrer einzelnen Häuser soll eine gruppenbiographische Untersuchung durchgeführt werden, die es ermöglicht, Unterschiede und Gemeinsamkeiten adeliger Lebensformen nach 1945 nachzuzeichnen. Da sich das Dissertationsprojekt zwischen einer historischen Lebensweltanalyse des Adels und einer aufs Allgemeine zielenden Gesellschafts- bzw. Kulturgeschichte verortet, wird die historische Entwicklung der einzelnen Familien und der ihnen angehörigen Individuen stets im Kontext allgemeiner ökonomischer, politischer, sozialer und kultureller Wandlungsprozesse der Bundesrepublik zu behandeln sein. |
Katja Seidel, M.A.
|
Jeanette Seiffert, M.A.
Was die konkreten Folgen der Protestbewegung der 60er Jahre auf die bundesrepublikanische Politik und Gesellschaft der 70er und 80er Jahre angeht, kann man bislang mit einiger Berechtigung von einem "Desiderat der Forschung" sprechen. Oft wurde (und wird) von dem legendären "Marsch durch die Institutionen" gesprochen, den Rudi Dutschke 1968 in revolutionärem Eifer ausgerufen hatte - ohne allerdings zu definieren, was damit eigentlich genau gemeint ist. Es bleibt also bisher noch wenig betretenes, gleichwohl äußerst wichtiges Forschungsfeld, zu erkunden, wie sich dieser "Marsch" gestaltet hat, wer unter welchen Bedingungen wohin marschiert ist und ob von der ursprünglichen Marschrichtung am Ende noch etwas erhalten blieb und ob das "Gepäck", also die Prägung durch die Protestbewegung mit all den Vorstellungen einer radikalen Demokratisierung von Politik und Gesellschaft, auf dem Weg mitgeführt oder unterwegs "abgeworfen" wurde. Dieser Frage will sich diese Forschungsarbeit widmen, und zwar bezüglich einer Institution, die wohl von den Auswirkungen der 68er Bewegung am meisten zu spüren bekam: der SPD. Konkret geht es darum, zu untersuchen, wie diese "68er" Ideen und Ziele, aber auch Methoden der Studentenbewegung in die SPD hineingetragen haben und in ihre eigenen Berufs- und Politikerbiographien integriert haben. Es wird den einstigen "68ern" oft der kollektive Vorwurf gemacht, sie hätten im Laufe ihrer Parteilaufbahn eine "konservative Wende" vollzogen und dabei ihre Ideale verraten. Ob und in wieweit dieser Vorwurf zutrifft, soll im Rahmen dieser Untersuchung anhand der Biographien ausgewählter "68er" geklärt werden, die auf unterschiedlichen Parteiebenen - vom Ortverein bis zum Bundesvorsitz - aktiv waren und sind. |
Andreas Volkmer, M.A.
Zentraler Gegenstand der Untersuchung sind die deutschen Ideen und Pläne zur Gründung einer Internationalen Organisation in dem benannten Zeitraum. Eine „Internationale Organisation", d.i. eine politische Staatenverbindung zum Zweck der Kriegsverhütung und Friedenssicherung, zeichnet sich v.a. dadurch aus, dass man feste und dauerhafte Institutionen einrichtet: etwa einen ständigen Völkerkongress zur Regelung der gemeinsamen Angelegenheiten und/oder einen internationalen Gerichtshof zur Schlichtung zwischenstaatlicher Streitigkeiten. Hinsichtlich der Organisationsform bewegten sich die Vorschläge zwischen einer eher lockeren Verbindung weitgehend souveräner Staaten und einer festen Organisation mit bundesstaatlichem Charakter. Der Terminus "Internationale Organisation" dient mir hierbei als Oberbegriff für zeitgenössische Bezeichnungen wie "Staaten- oder Völkerbund", "allgemeiner Völkerverein", "Heilige Allianz der Völker" oder "Vereinigte Staaten von Europa". Mein Interesse gilt darüber hinaus den Trägern und Trägergruppen: Welche individuellen Personen, welche politischen und sozialen Gruppen standen mit welchen Interessen und Absichten hinter diesen Ideen und Plänen? Wie bedeutend und einflussreich waren diese Personen und Gruppen? Schließlich sollen die Ideen und Pläne im Kontext der politischen Gegebenheiten analysiert werden: Welche Bedeutung hatten die innenpolitischen Verhältnisse? Welche strukturellen und aktuellen internationalen Konflikte bildeten den Hintergrund für deren Entstehung? Das Projekt verbindet auf diese Weise Ideengeschichte mit sozial- und politikgeschichtlichen Ansätzen und Fragestellungen.
|
Jan Ole Wiechmann
Der NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 rief insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland intensive, gesellschaftlich wie politisch tiefgreifende Debatten hervor, die nicht zuletzt in die Entstehung einer großen friedenspolitischen Protestkultur mündeten. Diese neue ‚Friedensbewegung’ kann dabei als ein Ausdruck einer Modernisierungskrise verstanden werden, die in den siebziger und achtziger Jahren besonders exponiert im globalen Umweltschutz, in Fragen der Atomenergie und eben der Atombewaffnung perzipiert wurde. In den Konflikten um den NATO-Doppelbeschluss spielte der Wert der Kategorie Sicherheit eine ganz zentrale Rolle. In den Sicherheitskonzeptionen der neuen Friedensbewegung offenbarten sich aussagekräftige Differenzen zu den traditionellen Positionen der Bundesregierungen und der NATO. Eine Analyse dieser Unterschiede, die im Kern auf den ungleichen Bewertungen des Ost-West-Konflikts und der Atomwaffen basierten, verspricht neue Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen den soziokulturellen Veränderungsprozessen in der Bundesrepublik der siebziger und achtziger Jahre sowie dem friedenspolitisch motiviertem Massenprotest. Um die Sicherheitskonzepte der neuen Friedensbewegung zu analysieren, soll eine Konzentration auf das kirchliche Spektrum erfolgen, das zu den bedeutsamsten Trägern der Gesamtbewegung zu zählen ist. |
Andrea Wiegeshoff, M.A.
Die Geschichte der Bundesrepublik in den ersten 20 Jahren nach ihrer
Gründung ist gekennzeichnet von vielfältigen Veränderungen: Einerseits
wandelten sich die politischen und gesellschaftlichen
Orientierungsmuster innerhalb der Gesellschaft, andererseits konnte auf
internationaler Ebene die BRD vom Objekt der internationalen Politik
zum handelnden Subjekt aufsteigen. Das Dissertationsvorhaben will den
Zusammenhang zwischen beiden Ebenen des Wandels in den Blick nehmen.
Wandel ist Produkt von Aushandlungsprozessen und Erfahrungen. Um ihn zu
erklären, ist eine Untersuchung seiner Trägergruppen unabdingbar. Für
die Analyse der Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher und
internationaler Sphäre wird der Fokus auf deren Schnittstelle gelegt:
Die geplante Dissertation widmet sich den Angehörigen des
diplomatischen Korps der Bundesrepublik Deutschland, die aus der
Gesellschaft heraus auf internationaler Bühne in der Rolle der
Vermittler, Vertreter und Gestalter für die BRD agierten. |
Gisela Ziedek, M.A.
Die Dissertation im Fachbereich Neuere Geschichte widmet sich der
Entwicklung des hessischen Adels in Preußen-Deutschland. Sie untersucht
den Zeitraum von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg. Dabei
stehen zwei Fragestellungen im Mittelpunkt: |

