30.04.2026 Neue BMJ-Meinung: Angriffe auf Strominfrastruktur sind Angriffe auf die Gesundheit
Ein neuer Meinungsbeitrag von Mohammad Reza Farzanegan (CNMS, Philipps-Universität Marburg) und Reza Majdzadeh (University of Essex) unterstreicht die zentrale Bedeutung von Elektrizität für funktionierende Gesundheitssysteme. Der Beitrag, veröffentlicht im BMJ, argumentiert, dass Angriffe auf Strominfrastruktur in Konfliktkontexten als direkte Bedrohung für die Gesundheit verstanden werden müssen.
Anhand aktueller Entwicklungen in Iran, Gaza und Kuba zeigen die Autoren, wie Stromausfälle die medizinische Versorgung und die öffentliche Gesundheit beeinträchtigen. Sie unterbrechen lebenswichtige Leistungen wie Intensivmedizin, Dialyse und Sauerstoffversorgung und gefährden zugleich die Kühlung und Lagerung essenzieller Medikamente, darunter Impfstoffe und Insulin. Darüber hinaus wirken sich Stromausfälle auf Wasseraufbereitung, Sanitärsysteme, Ernährungssicherheit und Kommunikation aus und erhöhen so die gesundheitlichen Risiken auf Bevölkerungsebene.
Die Auswirkungen sind besonders gravierend in Ländern, deren Gesundheitssysteme bereits unter Druck stehen. Begrenzte Notstromkapazitäten und Unsicherheiten in der Treibstoffversorgung erhöhen die Anfälligkeit von Krankenhäusern gegenüber längeren Stromausfällen.
Die Autoren fordern daher ein Umdenken: Angriffe auf Strominfrastruktur sowie Blockaden von Energie und Treibstoff sollten als direkte Angriffe auf die Gesundheit der Zivilbevölkerung betrachtet werden. Gefordert ist ein rechtebasierter Ansatz mit transparenter Berichterstattung, unabhängiger Überprüfung und klarer Rechenschaftspflicht. Gleichzeitig betonen sie die Bedeutung resilienter Gesundheitssysteme durch verlässliche Notstromlösungen und dezentrale Energiequellen.
🔗 Zum Artikel: https://www.bmj.com/content/393/bmj.s831
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Prof. M.R. Farzanegan