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Lehre

Das Marburger Studio-Gruppen-Projekt
Die universitäre Ausbildung "krankt" an der Fülle des zu vermittelnden Stoffs. Das im Folgenden dargestellte und an der Universität Marburg praktizierte Studio-Gruppen-Projekt wurde von Georg Freund im Sommersemester 1995 begonnen. Es fungiert bis heute als wichtige Ergänzung der traditionellen universitären Veranstaltungen.

Die Erfahrungen zeigen, dass Schwächen der Juristenausbildung nicht nur im Bereich der Lehrinhalte liegen. Defizite bestehen auch mit Blick auf die gegenwärtig angebotenen Veranstaltungsformen (Vorlesungen, Übungen, Seminare). Ein dringendes Bedürfnis für eine Ergänzung der traditionellen universitären Veranstaltungsangebote besteht vom 3. Fachsemester an. Im 1. und 2. Fachsemester bieten die seitens der Universität Marburg angebotenen studentischen Arbeitsgemeinschaften mit beschränkter Teilnehmerzahl den Studierenden eine gewisse Betreuung und die Möglichkeit aktiver Mitarbeit. Durch zahlreiche Gespräche mit Studierenden hat sich ergeben, dass etwa vom 3. Semester an eine gesteigerte Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit um sich greift. Eine aktive Mitarbeit ist bei den Vorlesungen und Übungen wegen der hohen Teilnehmerzahlen nur für wenige möglich. Seminare sind nach ihrem gegenwärtigen Zuschnitt regelmäßig erst für Studierende in höheren Fachsemestern geeignet. Zudem zeigt sich, dass die Distanz zwischen Lehrenden und Lernenden in Massenveranstaltungen selbst bei bestem Willen und Bemühen des Dozenten nur begrenzt abbaubar ist. Um den vorhandenen Defiziten abzuhelfen, wurden für die Studierenden des 3. und 4. Fachsemesters mehrere sogenannte "Studio-Gruppen" eingerichtet. In diesen (Klein-)Gruppen soll frühzeitig die Fähigkeit zu einem eigenverantwortlich betriebenen und bei aller Zielstrebigkeit doch in die Tiefe gehenden Studium entwickelt und gefördert werden.

Zur Konzeption im Einzelnen: In einer Studio-Gruppe treffen sich max. zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit der Anmeldung ist die Teilnahme verbindlich. Alle zwei Wochen finden ca. zweistündige Arbeitssitzungen statt, deren Thematik spätestens auf der vorhergehenden Arbeitssitzung festgelegt wird. Die Studierenden erhalten entsprechende Einstiegsliteratur, Fallmaterialien und Vorschläge zum gutachterlichen Klausuraufbau. Jeweils zwei oder drei Studierende arbeiten sich gemeinsam besonders intensiv in die Materie ein und halten ein kurzes Einführungsreferat. Sodann werden die aufgeworfenen Probleme unter fachlicher Anleitung des Studiogruppenleiters diskutiert. Dabei werden sowohl klausurrelevante Falllösungen erarbeitet als auch rechtsdogmatische Grundfragen erörtert. Es besteht überdies Gelegenheit, Probleme des juristischen Studiums, die sich den Teilnehmern stellen, zu besprechen. Bewährt hat sich auch eine Fallbearbeitung in der Form eines gerichtlichen Verfahrens (z.B. Moot Court mit Anklage, Verteidigung etc.). Nicht zuletzt will die Studio-Gruppe eine Anleitung zur eigenen Organisation und sinnvollen Gestaltung der Arbeit in privaten Arbeitsgemeinschaften bieten.

Eine Übersicht der Veranstaltungen von Prof. Dr. Freund mit weiteren Informationen finden Sie über MARVIN.

Materialien zu den Veranstaltungen sind über die Lernplattform ILIAS abrufbar.