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Profil

Der Fachbereich Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg bietet ein klassisches rechtswissenschaftliches Studium mit starker internationaler Ausrichtung an einer der ältesten Universitäten Deutschlands. Neben den unverzichtbaren Vorlesungen im Zivilrecht, im Strafrecht und im Öffentlichen Recht bietet der Fachbereich ein breites Schwerpunktprogramm sowie eine umfassende Examensvorbereitung. Hinzu kommen das Monitoring-Projekt am Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse, verschiedene Moot Courts und eine Law Clinic.

Ein besonderes Merkmal des Fachbereichs ist das starke Angebot an praxisrelevanten Zusatzqualifikationen, die schon während des Studiums erworben werden können: Das Programm umfasst das private Baurecht, das Sozialrecht, das Pharmarecht sowie - als interdisziplinäres Studium - den Bereich Wirtschaft und Recht.

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Tradition und Historie

Als eine der vier Gründungsfakultäten wurde die Marburger juristische Fakultät neben der theologischen, der medizinischen und der philosophischen durch den Namensgeber des heutigen Landgrafenhauses, Landgraf Philipp dem Großmütigen, im Jahre 1527 durch die Stiftung mittels der dem Protestantismus verpflichteten „universale studium Marpurgense“ errichtet.

Neben der „practic unsers Hoffgerichts“ waren die „Institutiones imperatorias und nach mittags [der] Codicem Justiniani sampt den büchern Pandectarum oder Digestorum“, welche in der Tradition der Rezeption des Römischen Rechts in Deutschland standen, zentrale Lehrinhalte.

Herausragender Jurist der Gündungszeit war Johann Oldendorp (1488 – 1567), dessen Bedeutung in seiner Lehre von einem weltlichen Naturrecht und seiner Abhandlung über das Verhältnis von Billigkeit und Recht liegt.

1590 veröffentlichte Hermann Vultejus seine „Iurisprudentiae Romanae a Justiniano compositae libri II“, mit denen er versuchte, ein geschlossenes System des Römischen Rechts darzustellen.

Obgleich Christian Wolff als „professor mathesos er philosphiae primarius“ von 1723 bis 1740 in Marburg lehrte, übte er doch großen Einfluss auf die juristische Fakultät aus.

Von 1800 bis 1804 wirkte der Begründer der Historischen Rechtsschule Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861) in Marburg. 1803 erschien sein Werk „Über das Recht des Besitzes“, das ihn wegen der vorgeführten Methode der Quellenbehandlung berühmt machte. An der juristischen Fakultät gehörten Jacob und Wilhelm Grimm zu seinen Schülern. Im Wintersemester 1802/03 hielt Savigny seine berühmte Methodenvorlesung, in der er erstmalig eine historische und philosophische Bearbeitung der Gesetzeswissenshaft entwickelte. Ihm zu Ehren ist das Hauptgebäude des Fachbereichs „Savignyhaus“ benannt.

Mehr durch sein politisches Wirken, inbesondere als „Schöpfer“ der liberalen kurhessischen Verfassung von 1831, zog der Staatsrechtler Sylvester Jordan, der von 1822 bis 1839 in Marburg lehrte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.

Mit der Berufung von Ludwig Enneccerus im Jahre 1873 wurde das Ansehen der Fakultät wesentlich gehoben. Als ordentlicher Professor für Römisches Recht und später auch für Deutsches Bürgerliches Recht gehörte er der Fakultät bis zu seiner Emeritierung 1921 an. Sein wissenschaftlicher Ruf beruhte auf seinem „Lehrbuch des Bürgerlichen Rechts“. Während Enneccerus' Zeit stieg die Zahl der Studenten auf 700 (1924) an. Zugleich erhöhte sich die Zahl der Lehrstühle auf neun (1926).

Nicht zu vergessen ist auch Franz von Liszt, der 1882 nach Marburg berufen wurde und in seiner Antrittsrede das „Marburger Programm“, seine nicht auf Vergeltung gestützte Strafrechtstheorie entwickelte, die neue kriminalpolitische, insbesondere präventive Ziele eröffnete. Etwas in Vergessenheit geraten ist v. Liszts Standardwerk "Völkerrecht. Systematisch dargestellt" mit dem mehrere Generationen von Juristen ihr völkerrechtliches Wissen erlernten.

Heute wird am Fachbereich Rechtswissenschaften, dem über 2000 Studierende angehören, durch 18 Professuren und zahlreiche Honorarprofessoren sowie Lehrbeauftragte in den klassischen Disziplinen des Bürgerliches Rechts, des Strafrechts und des Öffentlichen Rechts gelehrt. Zudem wird ein breites Spektrum an Teilrechtsgebieten vertieft.

Ausführlich zur Geschichte:
Werkmüller, Aus der Geschichte der Marburger Juristenfakultät bis zum Ende der preußischen Ära (1527 – 1918), JuS 1987, 920 - 922.