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Profil der Marburger Europäischen Ethnologie/Kulturwissenschaft 

Foto: wordart.com

Das Fach Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft (EE/KW) ist die Marburger Variante eines Faches, dass an verschiedenen Standorten verschiedene Namen trägt.

Das Fach versteht sich als eine empirisch ausgerichtete und kulturwissenschaftlich analysierende und argumentierende Disziplin. Sie fragt nach Mikrostrukturen und Machtverhältnissen von alltäglichen bzw. alltagsrelevanten Praktiken, Netzwerken, Diskursen und Objekten, nach Subjektivitäten und Kollektivitäten von Menschen und Akteuren, die über das Menschliche hinausgehen. Es geht ihr um die Auslegung von Alltagspraktiken, Identitätskonstruktionen, Differenzentwürfen und Wirklichkeitsverständnissen vor dem Hintergrund ihres geschichtlichen Gewordenseins.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen KulturbegriffKulturbegriff

    Kultur wird nicht als geographisch oder politisch abgrenzbare Einheit (wie z.B. Ethnie, Nation) oder festes Refugium von Traditionen, Werten, Mentalitäten verstanden. Im Fachverständnis der EE/KW ist Kultur ein sich permanent wandelndes Gefüge von Bedeutungen, ein Prozess des Aushandelns von Positionierungen sowie Selbst- und Fremdzuschreibungen. Praktiken und Prozesse des Wandels sind dabei nicht beliebig, sondern bedienen sich in ihrer Komplexität verschiedenster vertrauter Orientierungsmuster, wie sie oft im Alltagsverständnis als Mentalität, Habitus, Tradition oder Ritual beschrieben werden. 

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen ReflexivitätReflexivität

    Die Komplexität von Kultur angemessen untersuchen zu können verlangt ein hohes Maß an Reflexivität dem eigenen Tun gegenüber, den kritischen Umgang mit den eigenen Vorannahmen (z.B. Nationalismus, Eurozentrismus, Andro- und Anthropozentrismus, Heteronormativität) wie auch die Auseinandersetzung mit aktuellen theoretischen wie methodologischen Überlegungen im Umfeld der Geistes- und Sozialwissenschaften.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen KritikKritik

    Eine Besonderheit des Faches EE/KW ist es, in einem ethnographischen (oder auch praxeographischen) Vorgehen von der kleinen bedeutungsvollen Situation zu gesellschaftspolitisch relevanten, kulturkritischen Aussagen zu kommen. Auf diese Weise werden am Beispiel kultureller Konflikte oder sozialer Ausgrenzungssituationen, Konstruktionen von „Authentizität“ und vermeintlich „reinen“ Formen, gerade dort Machtverhältnisse bei der Arbeit aufgespürt, wo sie zunächst nicht offensichtlich sind.

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