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D - Beschreibungs- und Interaktionsebenen sprachlicher Repräsentationen

Die Resultate sprachdynamischer Prozesse werden gemeinhin mithilfe von überindividuellen, sozialen, abstrakten und oft idealisierten Begriffen beschrieben: Sprachsysteme, Strukturen, Variablen, Formen, Funktionen etc. – dem klassischen Grundbestand der Strukturlinguistik. In den letzten Jahrzehnten ist aber der Umstand stärker in den Fokus gerückt, dass diese abstrakten Gegenstände die Resultate konkreter sprachlicher Aktivitäten Einzelner sind, die durch Wahrnehmung, Kategorisierung, Artikulation, Wissen, Bedeutsamkeit, Motive, Einstellungen, Identitäten usw. bedingt sind.

Entsprechend besteht bei der Erklärung sprachdynamischer Prozesse (Sprachvariation und -wandel) die Herausforderung, diese beiden Beschreibungsebenen, die Makroebene der statischen, abstrakten Gebilde und die Mikroebene der dynamischen individuellen Aktivitäten und Prozesse, theoretisch zu vermitteln. Wie lassen sich die Phänomene der einen Ebene trotz des Abstraktionsgefälles in den Beschreibungsmitteln aus den Phänomenen der jeweils anderen erklären?

Projekt D richtet sich an eine*n PostDoc, der*die in intensiver Auseinandersetzung mit den Projekten der Bereiche A bis C einen Repräsentationsbegriff theoretisch erarbeitet, mit dem die Phänomene der Mikro- und Makroebenen begrifflich überbrückt werden können. Es soll ein Repräsentationsbegriff entwickelt werden, der die Aspekte von Stabilität und Dynamik auf der Mikroebene und der Makroebene zugleich integriert. Dadurch sollen die Wechselwirkungen zwischen mikro- (Projekte A2, C1) und makrostrukturellen (C2, C3) Einheiten, wie sie sich in der Sprachdynamik (Wandel- und Variationsprozesse) äußern, konsistent erklärbar werden. Die neurolinguistischen sowie Erwerbs- und Interventionsprojekte dienen dabei dazu, einen projektübergreifenden Repräsentationsbegriff derart zu präzisieren, dass er integrativ genug ist, um ontogenetische Dynamik (B1, B2) und Manipulierbarkeit (B3) zuzulassen, und restriktiv genug, damit innerhalb der Mikroebene diskrete von kontinuierlichen kognitiven (Nano‑)Phänomenen abgrenzbar sind (A1).