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Bedarfsanalyse sprachlicher und fachlicher Herausforderungen beim Lesen im Geschichtsunterricht

von Jennifer Müller

Betreuende: Prof. Dr. Kathrin Siebold (Deutsch als Fremdsprache), Prof. Dr. Christina Brüning (Didaktik der Geschichte)

Kontakt: jennifer.mueller@staff.uni-marburg.de

Schüler*innen gleich welcher Herkunftssprache sehen sich an deutschsprachigen Schulen komplexen sprachlichen Herausforderungen gegenüber. Insbesondere im Verlauf der Sekundarstufe I werden die unterschiedlichen Unterrichtsfächer immer differenzierter, so dass von den Lernenden zunehmend fachspezifischere Lese-, Schreib- und Denkaufgaben erwartet werden (Disciplinary Literacy, vgl. Shanahan & Shanahan 2020; Gibbons 2009). Für Zweitsprachenlernende bedeutet dies, dass sie nicht nur alltagssprachliche und fächerübergreifende bildungssprachliche Fähigkeiten erwerben müssen, um in der Schule erfolgreich zu sein, sondern im Kontext fortgeschrittenen Spracherwerbs auch in die Lage sein müssen, mit fachspezifischen Sprachhandlungen umzugehen.

In meinem Dissertationsprojekt möchte ich die Auswirkungen von fachlichen und sprachlichen Einflussfaktoren auf die Verstehensprozesse beim Lesen im Geschichtsunterricht nachvollziehen. Der Grounded Theory Methodology nach Strauss und Corbin (1996) folgend wurden vielfältige Datensätze herangezogen, um die ritualisierten Prozesse der Handelnden im Kontext des Forschungsgegenstandes genauer betrachten und so die konkrete Situation (d.h. das Lesen im Geschichtsunterricht) unter Berücksichtigung verschiedener Variablen (u.a. Verhalten der Lehrkraft, Texte, Aufgaben, Fähigkeiten und Vorwissen der Lernenden) nachzuvollziehen.  

Zentrales Element der Datengrundlage bilden problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) mit ehemaligen Intensivklassenschüler*innen. Die Lernenden werden nach ihren Erfahrungen zu schwer verständlichen Aspekten in Geschichtstexten befragt und arbeiten dann gemeinsam mit der Forschenden an konkreten Texten aus dem Geschichtsunterricht. Diese Arbeit ermöglicht Rückschlüsse auf den Verstehensprozess und ihn (fachliche, sprachliche und andere) beeinflussende Aspekte. Ergänzt werden diese ‚Arbeitssitzungen‘ durch Experteninterviews mit Lehrkräften, Feldnotizen und den im Unterricht behandelten Lehr- und Lernmaterialien.