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"DemoReg": Starke Demokratie braucht starke Forschung
Marburg/Wiesbaden. Demokratie gerät unter Druck – auch in Hessen. Genau hier setzt der neue Forschungsverbund „DemoReg“ an, an dem das Demokratiezentrum Hessen und die Philipps-Universität Marburg maßgeblich beteiligt sind. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis entsteht ein hessenweites Netzwerk, das die aktuellen Herausforderungen für demokratische Gesellschaften systematisch untersucht – und konkrete Antworten entwickelt.
Das Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert den Verbund bis Ende 2028 mit rund 3,1 Millionen Euro. Ziel ist es, Demokratieforschung in Hessen langfristig zu stärken und enger mit gesellschaftlicher Praxis zu verzahnen. Für das Demokratiezentrum Hessen ist das ein zentraler Schritt: Forschung soll nicht im Elfenbeinturm bleiben, sondern dort wirken, wo demokratische Aushandlungsprozesse unter Druck geraten.
Forschung, die in der Praxis ankommt
„DemoReg“ – kurz für „Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression“ – bringt genau diese Perspektiven zusammen. Neben der Philipps-Universität Marburg und der Goethe-Universität Frankfurt arbeiten zahlreiche weitere Hochschulen und Institute sowie das Demokratiezentrum Hessen im Verbund.
Für das Demokratiezentrum Hessen liegt die besondere Stärke des Projekts in der engen Verbindung von Forschung und Beratungspraxis:
Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Analysen treffen direkt auf Erfahrungen aus der Arbeit mit Betroffenen, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. So entsteht ein differenziertes Bild davon, wie sich demokratiefeindliche Entwicklungen konkret vor Ort zeigen – und wie ihnen wirksam begegnet werden kann.
Demokratie unter Druck – und was jetzt zu tun ist
Im Zentrum des Forschungsverbunds steht eine zentrale Frage:
Wie stabil sind demokratische Gesellschaften tatsächlich – und wie lassen sich Rückschritte verhindern?
35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen arbeiten dazu eng zusammen – von der Politikwissenschaft über Soziologie und Erziehungswissenschaft bis hin zur Sozialpsychologie.
Untersucht wird unter anderem, wie demokratiefeindliche Akteure Begriffe und Institutionen umdeuten,
warum autoritäre Narrative gerade in Krisenzeiten an Attraktivität gewinnen,
und welche Rolle lokale Kontexte – insbesondere im ländlichen Raum – spielen.
Für das Demokratiezentrum Hessen ist diese Perspektive besonders relevant: Viele dieser Entwicklungen zeigen sich bereits im Beratungsalltag – etwa in Form zunehmender Polarisierung, Verunsicherung oder gezielter Einflussnahme durch extrem rechte Akteure.
Marburg als zentraler Knotenpunkt
Die Philipps-Universität Marburg bringt ihre Expertise gezielt in den Verbund ein. Universitätspräsident Thomas Nauss betont die strategische Bedeutung: Ziel sei es, ein hessenweites Zentrum für Demokratieforschung aufzubauen, das wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Wirkung verbindet.
Genau hier knüpft auch das Demokratiezentrum Hessen an: Als Schnittstelle zwischen Forschung, Bildung und Beratung sorgt es dafür, dass Ergebnisse nicht nur publiziert, sondern in konkrete Handlungsansätze übersetzt werden – etwa für Kommunen, Schulen oder zivilgesellschaftliche Initiativen.
Austausch mit Gesellschaft und Praxis
Ein zentrales Element des Verbunds ist der direkte Dialog mit der Gesellschaft. Geplant sind:
lokale Studien in hessischen Städten und Gemeinden
Diskussionsformate mit Bürgerinnen und Bürgern
Kooperationen mit Praxispartnern vor Ort
eine digitale Plattform mit Forschungsergebnissen und Daten
Damit geht „DemoReg“ bewusst über klassische Forschung hinaus. Ziel ist es, demokratische Entwicklungen nicht nur zu analysieren, sondern gemeinsam mit Praxispartnern aktiv zu gestalten.
Perspektive: Ein Zentrum für Demokratieforschung in Hessen
Langfristig soll aus dem Verbund ein Zentrum für Demokratieforschung Hessen entstehen. Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen gebündelt – landesweit, interdisziplinär und anwendungsorientiert.
Für das Demokratiezentrum Hessen ist klar:
Die Herausforderungen für die Demokratie wachsen. Umso wichtiger ist eine Forschung, die diese Entwicklungen nicht nur beschreibt, sondern konkrete Antworten liefert – gemeinsam mit denjenigen, die tagtäglich an der Stärkung demokratischer Strukturen arbeiten.