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Wie aus Kunststoffpulver ein Produkt wird

Gerätespende der Roth Industries an den Fachbereich Chemie verstärkt den Praxisbezug in Forschung und Lehre

Wie wird aus Kunststoffpulver oder -granulat ein flexibler Schlauch oder ein robuster Tank für die Lagerung von Heizöl? Praktische Einblicke in die industrielle Kunststoffverarbeitung gibt seit kurzem eine 135.000 Mark teure Laboreinrichtung, die der Unternehmer Manfred Roth, Inhaber der Roth Industries (Dautphetal-Buchenau), dem Fachbereich Chemie der Philipps-Universität gespendet hat. Mussten interessierte Marburger Studierende bislang auf Fotos zurückgreifen, wenn sie sich einen Eindruck von der Kunststoffverarbeitung verschaffen wollten, so können sie diesen Produktionsprozess jetzt selber praktisch erproben – ein entscheidender Zugewinn.

Spezielle Herstellungsverfahren

Gartenmöbel oder Kreditkarten, Autostoßstangen oder Erdöltanks, Folien zur Abdeckung von Spargel oder künstliche Gelenke – Kunststoffe haben in vielerlei Form Einzug in nahezu alle Bereiche der Technik und des privaten Lebens gehalten. Die Herstellung solcher unterschiedlich geformter Artikel erfolgt in speziellen Verarbeitungsmaschinen, in denen das durch die Synthese erhaltene Material bei hohen Temperaturen aufgeschmolzen, mit technisch erforderlichen Zuschlagstoffen – zum Beispiel Pigmenten zur Farbgebung – versehen und schließlich unter Druck in die gewünschte Form gepresst wird. Von diesem Schritt hängt sehr wesentlich die Güte des entstehenden Produkts ab. Die Optimierung des Verarbeitungsprozesses ist deshalb eine der großen Herausforderungen in der Kunststofftechnologie.

Im Fachgebiet Makromolekulare Chemie konnte dieser für die Praxis so wichtige Aspekt bislang mangels geeigneter Maschinen nicht seiner Bedeutung gemäß berücksichtigt werden. Dank der großzügigen Spende von Roth Industries wurde der Praxisbezug in Lehre und Forschung jetzt spürbar verbessert. Die neuen Einrichtungen erlauben es – so Professor Joachim Wendorff –, chemisch unterschiedliche Kunststoffe bzw. Kunststoffe und Zuschlagstoffe bei unterschiedlichen Temperaturen (bis zu 450 Grad) effizient zu mischen. Zum anderen kann mit einem so genannten Extruder das bei der chemischen Synthese anfallende Material bzw. die erzeugte Mischung unter Druck in eine feste Form überführt werden. Die Anlage, die über einen Computer gesteuert wird, der auch alle anfallenden Messdaten erfasst, erstreckt sich über eine Länge von mehr als vier Metern.

Technologietransfer

Eingesetzt wird die Gerätekombination sowohl in der Lehre als auch in der Grundlagenforschung und im Rahmen des Technologietransfers. Hier geht es insbesondere um das Modifizieren von Massenkunststoffen, um höherwertige Materialeigenschaften für spezielle Anwendungszwecke – beispielsweise im Fahrzeug- oder Flugzeugbau – zu erzielen. Auf dem Gebiet der Polymerchemie besteht bereits eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Labor für Materialprüfung und -entwicklung der Roth Industries und der Arbeitsgruppe von Professor Walter Heitz. Dabei zeigte sich im Stadium der Forschung zunehmend die Schwierigkeit, aus kleinen Materialmengen von Kunststoffgemischen zuverlässige Aussagen über das Verarbeitungsverhalten auf den großtechnischen Anlagen eines Produktionsbetriebes zu gewinnen. Diese Lücke konnte mit den gespendeten Laboreinrichtungen geschlossen werden. Davon profitiert neben den beiden Partnern auch ein überregionaler Interessentenkreis. Inzwischen liegt bereits die erste Diplomarbeit vor, für die die neuen Geräte relevant waren.

"Wirtschaft sollte helfen"

In Zeiten, in denen der Staat aufgrund finanzieller Engpässe seine Investitionen in den Bildungsbereich einschränke, seien Wirtschaftsunternehmen aufgerufen, die Arbeit der Hochschulen zu unterstützen, betonte Manfred Roth, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer Dillenburg ist, bei der Übergabe seiner Spende. Der Forschung und Lehre an den deutschen Hochschulen müsse auch in Zukunft ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, wenn Deutschland weiterhin zu den führenden Industrienationen der Welt gehören wolle. Es gelte verstärkt die Synergien zwischen universitärer Forschung und Entwicklung auf der einen und wirtschaftlicher Anwendung auf der anderen Seite zu nutzen, erklärte der Absolvent der Philipps-Universität (Diplom in Volkswirtschaftslehre), der auch dem Verwaltungsrat des Marburger Universitätsbundes angehört.

kw


Zuletzt aktualisiert: 19.12.2007 · trautmas

 
 
 
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