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Lahnspiegelungen

Die Kunst der Abgrenzung

"Was ich nicht malen kann, fotografiere ich, und was ich fotografieren kann, werde ich nicht malen." Dieses Zitat von Man Ray hat Doris Conrads auf die Einladungskarte zu einer ihrer Ausstellungen drucken lassen. Zwar hat sie am Städel in Frankfurt Malerei studiert, doch seitdem sie im vierten Semester mit der Fotografie in Berührung kam, greift sie gerne zum Fotoapparat. Die Geschwindigkeit dieses Mediums ist für sie eine willkommene Abwechslung, wenn sie wieder einmal lange Zeit nur gemalt hat. Und weil sie von der Malerei kommt, setze sie Fotografie anders ein als die Fotografen, glaubt sie. Selbst Bilder, die auf den ersten Blick wie gezeichnet erscheinen, stellen sich bei ihr auf den zweiten Blick als Fotos heraus, die sie mit dem Bleistift nachbearbeitet hat.

Die Bilder, mit denen wir in den Medien überschüttet werden, sind ihr zu bunt und zu laut. Deswegen nimmt sie ihre Bilder zurück, nimmt ein kleines Format, reduziert sie durch Unterbelichtung auf Grautöne oder reine Schwarz-Weiß-Kontraste. Was sie fotografiert, ist nicht spektakulär, irgendetwas Beiläufiges, was der Alltagsblick übersieht und doch merkwürdig ist, wie diese Spiegelungen auf einer Wasseroberfläche.

Seit 1983 unterrichtet Doris Conrads experimentelles Zeichnen, Aquarell und Mischtechniken am Fachgebiet Graphik und Malerei der Philipps-Universität Marburg. Zu ihr kommen Studierende der Kunstgeschichte und der Medienwissenschaften mit Kunst im Nebenfach oder wer immer aus anderen Fachbereichen Lust hat, sich künstlerisch zu betätigen. Gerne erinnert sie sich an einen 70-jährigen, pensionierten Chirurgen, der irgendwie seinen Weg ins Atelier gefunden hatte und immer eifrig dabei war. Zu Anfang des Kurses drängen sich 50 Studierende im Saal, doch die Zahl nimmt schnell ab. "Es fliegt einem nichts zu. Das ist richtig Arbeit", sagt sie. Mit ihren Studierenden ist sie dann häufig im Steinbruch am Frauenberg oder an der Lahn unterwegs. Die Studierenden und Dozenten gestalten mit ihren Arbeiten in lockerer Folge die Ausstellungsreihe "Kunst im Flur" im Gebäude Gutenbergstraße 18.

Stadt am Fluss

Seit 1983 wohnt Doris Conrads in Marburg an der Lahn, wobei der Zusatz wörtlich zu nehmen ist. Das Stück Naturlandschaft mitten in der Stadt zieht sie an. Zu ihrem Arbeitsplatz spaziert sie den Fluss entlang. Sobald die Bäume ihre Blätter verlieren und wie japanische Schriftzeichen in der Landschaft stehen, packt sie ihren Fotoapparat aus. Dort, wo die Lahn durch ein Wehr aufgestaut wird, friert der Fluss im Winter sogar zu. Das Zufrieren und Auftauen der Eisdecke, die Spiegelungen der Äste in den Fließrinnen sind das Thema dieser Serie. Das Medium des Schwarz-Weiß-Films liegt da nahe. Ihre Filme und Abzüge entwickelt sie selbst, weil sie die Manipulationsmöglichkeiten im Labor schätzt. Häufig zieht sie ihre Aufnahmen auf "hartem" Papier ab, was ihnen zusätzlich eine graphische Wirkung verleiht.

Doris Conrads' Fotos sind noch bis zum 7. November in der Ausstellung "Vierpass" im Marburger Universitätsmuseum für Bildende Kunst, Biegenstraße 11, zu sehen. Sie stellt dort zusammen mit den Künstlerinnen Ingrid Wriedt aus Alsfeld, Barbara Isabella Bauer-Heusler aus Marburg und Birgit Fischötter aus Frankfurt aus, die ihrerseits Installationen, Zeichnungen und Skulpturen präsentieren. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

utz


Zuletzt aktualisiert: 19.12.2007 · trautmas

 
 
 
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