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Studieren im Gaza-Streifen

Philipps-Universität und palästinensische Al-Azhar-Universität sind Partner

Die Philipps-Universität Marburg und die palästinensische Al-Azhar-Universität in Gaza sind künftig partnerschaftlich verbunden. Ein entsprechender Vertrag wurde im Mai von den beiden Universitätspräsidenten Professor Werner Schaal und Professor Riyad El-Khoudary in Marburg unterzeichnet. Die Philipps-Universität unterhält damit als erste deutsche Hochschule Partnerschaftsbeziehungen zu einer im Gaza-Streifen gelegenen Universität.

Kontakte zwischen den beiden Universitäten gibt es bereits seit vier Jahren. Als Professor Khoudary 1996 den Wunsch äußerte, mit der Marburger Universität zusammenzuarbeiten, wurde der Begriff der "Ausbildungspartnerschaft" geprägt. In der speziellen Situation, in der sich Palästina noch immer befindet, wurde es als vordringlich bewertet, wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland auszubilden, um ihn später im eigenen Land in der Lehre einsetzen zu können. Vereinbart wurde, zunächst zwei Studierende der Mikrobiologie in Marburg aufzunehmen und bis zum Diplom zu führen. Voraussetzung sollte sein, dass die Studierenden ihr Grundstudium in Palästina mit besonders guten Leistungen absolviert haben.

Diese Überlegungen fanden auch die Unterstützung der hessischen Landesregierung, die für die beiden ersten Austauschstudierenden Stipendien zur Verfügung stellte. Die beiden Mikrobiologen trafen zum Wintersemester 1996/97 in Marburg ein, wo sie zunächst Deutschkurse absolvierten. Bereits kurz nach Aufnahme ihres Fachstudiums wurde deutlich, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen ohne Abstriche erfüllen würden. Nach fünf Semestern haben sie inzwischen den ersten Teil ihrer Diplomprüfungen mit gutem Ergebnis abgeschlossen.

Sehr positive Erfahrungen

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen wechselten vor zwei Jahren auf der gleichen Basis zwei palästinensische Pharmaziestudenten an die Philipps-Universität. Im Gegenzug besucht während des laufenden Sommersemesters der erste Marburger als Post-Graduierter der Politikwissenschaft die Al-Azhar-Universität. Professor Khoudary würde die Kooperation gern auf weitere Disziplinen ausdehnen, wie er in Marburg betonte.

Die Al-Azhar-Universität wurde 1991 als laizistische, also nicht vom Islam beeinflusste Universität gegründet und soll zur palästinensischen Nationaluniversität ausgebaut werden. Sie zählt aktuell rund 15 000 Studierende, von denen 40 % Frauen sind. Trotz des relativ hohen Frauenanteils gibt es allerdings keine Koedukation, Studentinnen und Studenten werden vielmehr in getrennten Kursen unterrichtet.

Es handelt sich um eine Universität in einem sozialen Brennpunkt. In unmittelbarer Nachbarschaft des Universitätsstandortes befinden sich große Flüchtlingslager, die von der UNO verwaltet werden. Entsprechend rekrutiert sich die Studentenschaft neben Palästinensern vorwiegend aus Flüchtlingen. Das Fächerspektrum umfasst Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, seit diesem Jahr auch Medizin. Das Studium führt bis zum Bachelor-Abschluss. Wissenschaftlich ist die Al-Azhar-Universität stark von Professoren geprägt, die eine Ausbildung in Deutschland absolviert haben. Auch Universitätspräsident Professor Khoudary, ein Geologe, hat in den sechziger Jahren an der TU Stuttgart studiert und dort nach dem Diplom auch promoviert.

kw

Zuletzt aktualisiert: 17.12.2007 · trautmas

 
 
 
Philipps-Universität Marburg

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