Direkt zum Inhalt
 
 
Bannergrafik (Univ.)
 
  Startseite  
 
Sie sind hier:» Universität » Aktuelles » Marburger UniJournal » Nr. 6 » Humanismus-Preis für Roman Herzog
  • Print this page
  • create PDF file

Humanismus-Preis für Roman Herzog

Altbundespräsident wurde in der Philipps-Universität vom Deutschen Altphilologenverband ausgezeichnet

Er danke für die Ehrung, "die Sie heute an mir verüben", sagte Bundespräsident a. D. Roman Herzog am 1. Mai im Auditorium maximum der Philipps-Universität. Sei man erst einmal Bundespräsident oder Altbundespräsident, dann würden einem viele Auszeichnungen zuteil. In dieser Situation sei es zu aufwendig, dem einen oder anderen zu erklären, warum man eine Auszeichnung möglicherweise nicht annehmen wolle – "in der Zeit nehme ich sie lieber an", scherzte Herzog, machte aber deutlich, wie sehr ihn die aktuelle Preisverleihung freue.

Der Altbundespräsident war nach Marburg gekommen, um hier den Humanismus-Preis 2000 des Deutschen Altphilologenverbandes (DAV) entgegenzunehmen. Grundgedanke dieses Preises ist das auf die Antike zurückgehende Ideal der Verknüpfung von geistiger Bildung und aktivem Eintreten für das Gemeinwohl. Auch die moderne Gesellschaft brauche Führungskräfte mit politischem Ethos und geistigem Format. Sie brauche Verantwortliche, die ihr Urteilsvermögen durch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Kulturtradition geschärft hätten, betonte der DAV in seiner Laudatio. "Für diese Wertvorstellung gibt Roman Herzog ein Beispiel. Seine Herausarbeitung wichtiger, lange unterschätzter Zukunftsthemen, wie Dialog der Zivilisationen und Bildung, wird über alle Parteigrenzen hinweg anerkannt."

Besinnung auf die Kulturquellen

Hebräisch, Griechisch und Latein für alle, das solle nicht der neue Bildungskanon werden. Dafür würden wir auch Roman Herzog nicht gewinnen können, unterstrich der Berliner Philosoph Professor Richard Schröder in seinem Festvortrag. "Es sollten aber die Kundigen unserer europäischen Kulturquellen sozusagen jeweils in Rufweite zu erreichen sein und im Diskurs mitmischen." Dies gelte auch im Zeitalter der Globalisierung und habe nichts mit Eurozentrismus zu tun: "Wir brauchen einen multikulturellen globalen Bildungskanon. Aber nur wer eine Muttersprache richtig kennt, kann Fremdsprachen lernen. Und wer nirgends zu Hause ist, ist auch als Gast uninteressant. Für den anstehenden Dialog der Zivilisationen, für den sich Roman Herzog so umsichtig ausgesprochen hat, sind wir am besten vorbereitet, wenn wir die eigene gut kennen. Sonst reden viele lange über nichts."

Die Verleihung des Humanismus-Preises war Höhepunkt und Abschluss des diesjährigen DAV-Kongresses unter dem Rahmenthema "Die schöpferischen Kräfte der Antike – Die Klassischen Sprachen als Mitgestalter der Zukunft". Vor diesem Hintergrund erinnerte Schröder einmal mehr an eine Demonstration Herzogs, der sich 1980 als damaliger Minister für Kultur und Sport des Landes Baden-Württemberg auf die Schulbank eines Stuttgarter Gymnasiums setzte, anonym eine Klausur mitschrieb und damit das Zentralabitur glänzend bestand. Herzog habe damit zweierlei bewiesen: "Er ist ein guter Lateiner und ein geschickter Politiker. Besser kann man für Latein nicht werben, aber so kann man für Latein nur werben, wenn der Scheck gedeckt ist."

Herzog habe den Humanismus-Preis auch verdient, weil er wisse, was Rollen sind, betonte der Laudator: "Auch in der Demokratie muss es eine klare Zuständigkeitsordnung geben, und das heißt nichts anderes als: klare Aufgabenteilung oder eben Rollenzuweisungen. Wenn jeder für alles verantwortlich sein will, ist im Ernst niemand für irgend etwas konkret verantwortlich." Ein weiterer Grund für die Preisvergabe an Herzog sei "der klärende, bestimmte, hilfreiche öffentliche Umgang mit dem Wort". Herzogs Reden seien keine Staatsrituale. Er rede vielmehr "erfrischend zur Sache, klar, nachvollziehbar und überzeugend, gewürzt mit ironischer Distanz und einem Quäntchen Selbstironie".

Wie richtig Schröder mit dieser Charakterisierung lag, belegte der Altbundespräsident in seinen Dankesworten. "Dass Sie mich über den grünen Klee gelobt haben, hat mich nicht überrascht", wandte er sich an den Vorredner – "Was hätten Sie auch anderes hier sagen sollen?"

Überhaupt ging es recht sommerlich-frisch zu bei der Preisverleihung am Maifeiertag. "Lateinisch und Bayerisch beherrsche ich komplett, Deutsch und Englisch gebrochen", witzelte Roman Herzog, nicht ohne ganz auf den dem Anlass gemäßen Ernst zu verzichten. Die lateinische Sprache nannte er ein "hervorragendes Denkpropädeutikum auch für Sozialwissenschaften". Insgesamt plädierte er für einen verstärkten Dialog der Kulturen, wobei sich gerade die Europäer mehr als bisher der Grundlagen der eigenen Kultur bewusst sein müssten. Es gelte deutlich zu machen, "was uns eint und was uns trennt".

1972 war Heinemann in Marburg

Bundespräsidenten haben viele Termine wahrzunehmen. Der Besuch eines Bundespräsidenten – und sei dieser auch schon Altbundespräsident – in einer Hochschule ist deshalb nach wie vor etwas Besonderes. Als letztes deutsches Staatsoberhaupt war Gustav W. Heinemann in der Philipps-Universität zu Gast. Heinemann hat in Marburg studiert und kam im Mai 1972 an seinen ehemaligen Studienort zurück, um hier sein Goldenes Doktorjubiläum zu feiern – ein Anlass, zu dem der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften einen Festakt veranstaltete.

kw

Zuletzt aktualisiert: 17.12.2007 · trautmas

 
 
 
Philipps-Universität Marburg

Pressestelle der Philipps-Universität, Biegenstraße 10, D-35032 Marburg
Tel. +49 6421 28-26007, Fax +49 6421 28-28903, E-Mail: pressestelle@verwaltung.uni-marburg.de

URL dieser Seite: http://www.uni-marburg.de/aktuelles/unijournal/6/Herzog

Impressum | Datenschutz