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Marburger Kunsthistoriker in Rom geehrt

Daria-Borghese-Preis für Professor Ingo Herklotz und sein Buch "Cassiano Dal Pozzo und die Archäologie des 17. Jahrhunderts"

Der unter Italienforschern renommierte Premio Daria Borghese ging in diesem Jahr an den Marburger Kunsthistoriker Professor Ingo Herklotz. Die in Erinnerung an die Fürstin Daria Borghese Olsovfieff (1909 – 1963) verliehene Auszeichnung prämiert einmal jährlich eine herausragende Publikation zu Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte der Stadt Rom, der auch Daria Borghese ihre Studien gewidmet hat. Als Jury agiert dabei der Gruppo dei Romanisti, eine internationale Vereinigung in Rom ansässiger Wissenschaftler.

Herklotz
Professor Ingo Herklotz
Foto: Graßmann
Herklotz, vor seiner Berufung an die Philipps-Universität (1997) selbst viele Jahre in Rom tätig, erhielt den Preis für sein jüngstes Buch Cassiano Dal Pozzo und die Archäologie des 17. Jahrhunderts, in dem er Entstehung, Methode und Bedeutung einer der größten altertumswissenschaftlichen "Datenbanken" der Neuzeit beschreibt. Dal Pozzos "Papiermuseum" umfasste mehrere tausend Dokumentationszeichnungen nach antiken Gebrauchsgegenständen und Kunstdenkmälern und sollte mittels seiner strengen klassifikatorischen Ordnung wie auch durch die Koordinierung mit den literarischen Quellen des Altertums einer vollständigen Erforschung aller Bereiche antiker Zivilisation zu Gebote stehen.

In der Laudatio attestierte Gerhard Wolf dem Buch von Herklotz, es erschließe wesentliches Neuland sowohl im Hinblick auf die Sozialgeschichte als auch auf die Geistesgeschichte der Altertumswissenschaften in der frühen Neuzeit. Nur in wenigen Publikationen der letzten Jahrzehnte erreiche die ausgewertete Basis edierter und unpublizierter Quellen ein vergleichbares Ausmaß.

Wie der Autor in seiner Dankesrede betonte, sieht er sich durchaus in der besten positivistischen Tradition des 19. Jahrhunderts. Mit einem polemischen Seitenhieb auf die heutige Übertheoretisierung der Geisteswissenschaften gerade im universitären Bereich – so in Deutschland, aber auch in den USA – machte der Geehrte geltend, es bedürfe nicht dekonstruktivistischer und postmoderner Theorien, um die Geschichte Roms zu verstehen, sondern der Quellenarbeit in den unerschöpflichen römischen Archiven und Bibliotheken.

Die feierliche Preisverleihung fand Anfang Juni im Borghese-Palast zu Artena bei Rom statt. Dieser Palast ist durch den berühmten Kardinal Scipione bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Besitz der Familie gelangt. Die Medaille überreichte die derzeitige Fürstin Loretta Borghese.

eb

Zuletzt aktualisiert: 14.12.2007 · trautmas

 
 
 
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