Museum anatomicum: Naturalienkabinett oder Medizinhistorische Sammlung?
Aus der Medizinhistorischen Sammlung des Fachgebiets Medizingeschichte
Die Ausstellung "Körperwelten", die den menschlichen Leichnam in Form plastinierter "Präparate" überhöht inszeniert, führt neben einem enormen Zulauf auch zu erregten Diskussionen darüber, ob der Körper Verstorbener überhaupt in der Öffentlichkeit (und in dieser Weise) zur Schau gestellt werden soll oder darf. Seit nahezu 15 Jahren besteht das "Museum anatomicum" am Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität, in dem regelmäßig öffentliche Führungen und Demonstrationen anatomischer Präparate durchgeführt werden, ohne dass der Zweck und Sinn dieser Einrichtung jemals in Frage gestellt worden wäre. Eingebettet in einen klar erkennbaren medizinhistorischen Kontext als universitäre Lehrsammlung und aufbauend auf einem ausgedehnten Fundus makroskopisch- und mikroskopisch-anatomischer, embryologischer und vergleichend-anatomischer Präparate aus vier Jahrhunderten anatomischer Forschung, wird in fünf thematisch unterschiedlich ausgerichteten Räumen die komplexe Struktur des menschlichen und tierischen Organismus und die Entwicklung seiner Erforschung geboten.
Foto: Aumüller
Ein großer Bestand an historischen geburtshilflichen Instrumenten, historischen Atlanten (im Großfolioformat) und bildlichen Darstellungen gynäkologischer Erkrankungen, der schon vor längeren Jahren von der Frauenklinik dem Fachgebiet Medizingeschichte zur Verfügung gestellt worden war, soll in absehbarer Zeit in einem renovierten, derzeit noch als Magazin genutzten Raum als besondere Sammlung zur Geburtshilfe präsentiert werden.
Die zahlreichen vorhandenen embryologischen und teratologischen (Missbildungs-) Präparate sollen dazu wenigstens teilweise mit dem Plastinationsverfahren behandelt werden, um so die Besonderheit dieser Präparate "handgreiflich" werden zu lassen. Der Erfinder der weiterentwickelten Plastinationsmethode, Professor Gunther von Hagens, Heidelberg wird dabei beratend tätig sein. Durch die Erweiterung des bisherigen Museum anatomicum um die geburtshilflichen Instrumente und ihre wissenschaftliche Erschließung erfolgt ein weiterer Schritt in Richtung Medizinhistorischer Sammlung, wie er in dieser Reichhaltigkeit in Deutschland vielleicht nur noch von Medizinhistorischen Museum Ingolstadt übertroffen wird.
Gerhard Aumüller
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Robert-Koch-Straße 6
35032 Marburg
Telefon: 06421 28-66245

