"Sommer-Smog" macht krank
Dauerbelastung durch das Reizgas Ozon fördert Allergien und Asthma
Die Gesundheitsgefahren, die vom so genannten "Sommer-Smog" ausgehen, sind nicht neu. Durch das vor allem bei strahlendem Sonnenschein auftretende Reizgas Ozon sind insbesondere Personen gefährdet, die sich häufiger körperlichen Belastungen im Freien unterziehen: Arbeiter, Kinder oder Sportler beispielsweise. Zu den Risikogruppen zählen außerdem Menschen, die bereits unter einer Allergie der Atemwege, unter Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen leiden. Die Betroffenen – in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen – sollten auch kurzfristiges Einatmen von bodennahem Ozon vermeiden.
Ozon entsteht, wenn Umweltschadstoffe aus Kraftfahrzeugen, Kraftwerken und anderen Industrieanlagen – Stickoxide, Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Dieselruß – mit dem UV-Licht der Sonne reagieren. Besonders hohe Ozonwerte werden immer dann gemessen, wenn die vom morgendlichen Berufsverkehr freigesetzten Emissionen nach einer gewissen zeitlichen Verzögerung gegen Mittag oder nachmittags auf starke Sonneneinstrahlung treffen. Die Auswirkungen sind dabei dosisabhängig: je höher die Ozonkonzentration, desto gravierender die Schädigung.
Die Marburger Versuchstiere wurden vier Wochen lang dreimal wöchentlich jeweils über vier Stunden mit Ozon exponiert. Schon bei einer Ozonkonzentration von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft konnte eine signifikante Allergieneigung nachgewiesen werden, die mit steigender Dosis zunahm. Ab 250 µg/m3 stellte sich bei den Versuchstieren eine Entzündung der Lunge und der Atemwege ein. "Eine Langzeitexposition mit Ozon kann demnach bereits eine Immunantwort in Gang setzen, die normalerweise nur beobachtet wird, wenn schon eine Allergie vorliegt", erläutert Professor Renz.
"Grenzwerte deutlich senken"
Werden mit Ozon belastete Mäuse gleichzeitig einem Allergen (Pollen, Hausstaubmilben etc.) in einer sehr niedrigen Konzentration ausgesetzt, die normalerweise noch nicht zur Ausbildung von Allergie und Asthma führt, so entwickelt ein hoher Prozentsatz dieser Tiere unter Ozonbelastung eine allergische Reaktion. Dies gilt auch für Tiere, bei denen normalerweise keine Allergieneigung festzustellen ist.
Die Marburger Forscher halten ihre Versuchsergebnisse, auf den Menschen übertragen, für besorgniserregend. Angesichts des drastischen Anstiegs von Allergie- und Asthmaerkrankungen in hoch zivilisierten Ländern sind sie der Ansicht, dass alles getan werden muss, um die Schadstoffbelastung der Luft deutlich zu reduzieren. Den im deutschen Ozongesetz festgesetzten Grenzwert von 240 µg/m3 (es handelt sich hierbei um einen Ein-Stunden-Mittelwert) halten sie für zu hoch. Eine schwedische Expertenkommission empfiehlt 80 µg/m3 als Obergrenze.
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