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Sonderpädagogik geht nach Gießen

Ab Wintersemester 2001/2002 keine Einschreibungen mehr in Marburg / Haushaltsausschuss folgt Vorgaben des Ministeriums

Die Philipps-Universität will ihren (Teil-)Studiengang Heil- und Sonderpädagogik jetzt doch aufgeben. Nach einem Anfang Juli vom Haushaltsausschuss mit 8:2:2 Stimmen gefassten Beschluss soll der Studiengang nach Gießen verlagert und dann an der Marburger Universität aufgehoben werden. Einschreibungen zu diesem Studiengang sind in Marburg ab dem Wintersemester 2001/2002 nicht mehr möglich. Laut Votum des Ausschusses muss bei alledem sichergestellt sein, dass die gegenwärtig in Marburg oder Gießen eingeschriebenen Studierenden ihr Studium an einem der beiden Orte zu einem ordnungsgemäßen Abschluss bringen können.

Zu dem Beschluss kam es, nachdem die hessische Wissenschaftsministerin Ruth Wagner massiv auf eine Zusammenführung des Fachs in Gießen gedrängt hatte. In einem Erlass machte die Ministerin deutlich, dass sie ohne diese Fusion keine Rufe für heil- und sonderpädagogische Professuren an der Marburger Uni mehr aussprechen werde. Angesichts knapper Landesmittel müssten verfügbare Ressourcen möglichst effektiv und sparsam eingesetzt werden. Bei der künftigen Budgetierung von Hochschulmitteln in Programmhaushalten werde das Ministerium "nur Zielvereinbarungen zustimmen können, die hochschulübergreifende Aspekte wirtschaftlichen Umgangs mit Landesmitteln angemessen berücksichtigen".

"Bessere Qualifizierung"

Nach Auffassung der Ministerin sprechen im Übrigen überzeugende Gründe für eine Konzentration der Heil- und Sonderpädagogik in Gießen:

  • Der Studiengang umfasse neben dem heil- und sonderpädagogischen Fachgebiet ein weiteres Fach und dessen Didaktik aus dem Fächerspektrum des Lehramts an Grundschulen. Dieser Teil der Ausbildung könne in Marburg nicht angeboten werden, sodass alle Marburger Studierenden zumindest das allgemeinbildende Fach ohnehin in Gießen (oder in Frankfurt) absolvieren müssten. Das sei eine wenig zweckmäßige Studienorganisation.
  • Daneben sprächen auch schulfachliche Gründe für eine Zusammenführung am selben Standort, denn Ziel der Ausbildung sei eine Integrationspädagogik, welche die heil- und sonderpädagogische Qualifikation eng mit der allgemeinbildenden für die Grundschule verzahne. Diese wünschenswerte integrative Ausbildung, die den Absolventen eine "bessere und umfassendere Qualifizierung" vermittele, könne nur vom Standort Gießen (und Frankfurt) angeboten werden, an dem das Fächerspektrum des Lehramts an Grundschulen voll vertreten sei.

Alle Modalitäten der weiteren Ausgestaltung des Studiengangs in Gießen einschließlich der dort geplanten Neuberufungen sollen laut Beschluss des Haushaltsausschusses von einer gemeinsamen und mit Fachvertretern der einzelnen Statusgruppen paritätisch besetzten Kommission geregelt werden. Ihr Bericht wird bis Ende dieses Jahres erwartet.

Eine Professur bleibt erhalten

Zur Sicherstellung der Lehre, die aus dem Bereich Heil- und Sonderpädagogik in das erziehungswissenschaftliche Studium des Fachbereichs Erziehungswissenschaften einfließt, sollen die Professur für Pädagogik und Psychologie abweichenden Lern- und Sozialverhaltens (Prof. Dr. Heike Schnoor) und eine zugehörige Mitarbeiterstelle in Marburg verbleiben.

kw


Zuletzt aktualisiert: 14.12.2007 · trautmas

 
 
 
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