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Grundausrichtung und -struktur des Fachbereichs

 

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften weist in seinen Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre ein ausgeprägtes wissenschaftlich-theoretisches Profil auf. Die Volkswirtschaftslehre kann hierbei auf eine lange ordnungstheoretische Tradition zurückblicken, die in den letzten Jahren eine institutionenökonomische Ausrichtung erfahren hat. Der Bereich der Betriebswirtschaftslehre stellt auf dem theoretischen Fundament basierend einen stärkeren Praxisbezug her.

 

Aufgrund des aktuell stark ausgeprägten institutionenökonomischen Profils der Volkswirtschaftslehre wurde als 1. Kompetenzschwerpunkt die „Institutionenökonomie“ festgelegt. Ausgangspunkt ist hierbei die Überlegung, dass Institutionen mit ihren Regeln Anreizwirkungen entfalten, durch die Handlungen von Akteuren unterschiedlich attraktiv werden. Demzufolge sind Institutionen mit ihren formellen und informellen Regeln grundsätzlich geeignet, das Verhalten von Akteuren zu beeinflussen, wobei dies für alle Arten von Institutionen und somit auch z. B. für die Interaktionen von Privatrechtssubjekten sowie auch für Institutionen, die das Verhalten von Vertretern von Verfassungsorganen beeinflussen sollen, gilt.

 

Insbesondere zur Bündelung der vergleichsweise heterogeneren Aktivitäten in der Betriebswirtschaftslehre hat man sich als 2. Kompetenzschwerpunkt auf die „Wertbasierte Unternehmensführung“ verständigt. Eine wertbasierte Unternehmensführung kann hierbei enger und weiter ausgelegt werden kann. Bei enger Auslegung, wie z. B. im Rahmen eines eignerorientierten Ansatzes, steht die Wertschaffung aus Sicht der Gruppe der Eigenkapitalgeber eines Unternehmens mit ihren unterschiedlichen Zielen im Vordergrund. Bei weiter Auslegung kann sich die Unternehmensführung auch in stärkerem Maße an den Zielen anderer Gruppen, wie beispielsweise die der Arbeitnehmer, orientieren. In diesem Fall bezieht sich die Führung eines Unternehmens auf eine umfassendere Wertsteigerung. Hierbei stellt sich unter anderem die Frage, wie das Verhalten von Unternehmensbeteiligten auf das Zielsystem eines Unternehmens hin ausgerichtet werden kann. Da derartige Fragen auch mit Hilfe institutionenökonomischer Ansätze untersucht werden können, ist ein wechselseitiger Bezug zwischen den Kompetenzschwerpunkten sichergestellt, wodurch bereichsübergreifende Aktivitäten zwischen der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre unterstützt werden sollen.

 

Durch die Festlegung der „Institutionenenökonomie“ und der „Wertbasierten Unternehmensführung“ als Kompetenzschwerpunkte ist gewährleistet, dass sich der Fachbereich wie schon in der Vergangenheit in das Kompetenzcluster der Universität „Ordnungs- und Konfliktdynamik“ einbringen kann. In diesem Kompetenzcluster werden vor allem die Formierung und Evolution politischer, rechtlicher und ökonomischer Ordnungen im internationalen Kontext sowie die Genese und Bewältigung sozialer und politischer Kräfte untersucht, womit sich unmittelbar eine Verbindung zum Kompetenzschwerpunkt „Institutionenökonomie“ und zu den Forschungen des Nationalökonomen Wilhelm Röpke ergibt. Für die Stabilität von politischen und ökonomischen Ordnungen ist jedoch auch wichtig, dass sich die Führung von Unternehmen an Werten orientiert, die letztlich der politischen und ökonomischen Ordnung zuträglich sind. Insofern bietet ebenfalls der 2. Kompetenzschwerpunkt das Potenzial für eine gewinnbringende Einbindung in das Kompetenzcluster „Ordnungs- und Konfliktdynamik“.

 

Auf der Fachbereichsebene sind die Kompetenzschwerpunkte weitergehend zu konkretisieren und ggf. organisatorisch zu verankern. In Bezug auf die Institutionenökonomie geschieht dies insbesondere durch die Forschungsstelle Marburg Center for Institutional Economics (MACIE, ehemals Forschungsstelle zum Vergleich wirtschaftlicher Lenkungssysteme).

Für den vergleichsweise neuen und heterogeneren Kompetenzschwerpunkt „Wertbasierte Unternehmensführung“ ist die Einrichtung einer einheitlichen Forschungsstelle hingegen wenig sinnvoll. Vielmehr werden die am Fachbereich existierenden Aktivitäten in diesem Kompetenzschwerpunkt gebündelt und erfahren eine diesbezügliche Ausrichtung. Diese Aktivitäten umfassen zum einen die Forschungsfelder innerhalb der Betriebswirtschaftslehre, zu der sich insbesondere die einzelnen Abteilungen zusammengeschlossen haben: „Accounting und Finance“, „Management und Marketing“ und „Prozess- und Informationsmanagement“. Zum anderen sind die Aktivitäten in Instituten und An-Instituten des Fachbereichs zusammengefasst, wie z. B. in der Forschungsstelle für mittelständische Wirtschaft und dem Institut für Genossenschaftswesen. In der nachfolgenden Abbildung sind die bisherigen Überlegungen zur Grundausrichtung des Fachbereichs und dessen Einbindung in die Forschungscluster der Philipps-Universität Marburg dargestellt.


Ausrichtung des Fachbereichs

Abbildung: Die Kompetenzschwerpunkte des Fachbereichs Wirtschafts­wissenschaften und deren Beitrag zu den Kompetenzclustern der Universität

Zuletzt aktualisiert: 04.09.2009 · Gaus Aleksandra, Wirtschaftswissenschaften, 25645

 
 
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