Die Bewertung der SGB II-Umsetzung aus gleichstellungspolitischer Sicht
An der Forschungs- und Kooperationsstelle GendA – Arbeit, Demokratie, Geschlecht am Institut für Politikwissenschaft werden von November 2006 bis Juni 2009 die Folgen der Hartz IV-Reformen für Frauen und Männer untersucht. Damit hat sich GendA mit einem Konsortium in der bundesweiten Ausschreibung des Bundesarbeitsministeriums gegen eine Reihe von Konkurrenten durchsetzen können. Dem Forschungsprojekt stehen über 1 Mio. Euro zur Verfügung.
In dem Projekt „Bewertung der SGB II-Umsetzung aus gleichstellungspolitischer Sicht“ gehen wir davon aus, dass vermeintlich geschlechtsneutrale Gesetze und Regelungen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Wirkungen haben können, da sie auf eine geschlechtlich strukturierte Realität treffen. Somit sind nicht nur spezifische Folgen für Frauen und Männer möglich, sondern auch für die Geschlechterverhältnisse, die gerade in Bezug auf Arbeit vielfältigen Wandlungsprozessen ausgesetzt ist. Im Kern geht es um die Beantwortung der Frage, ob das Geschlecht – gegebenenfalls in Interaktion mit anderen Merkmalen – signifikante Auswirkungen auf den Leistungsprozess und die Ergebnisse des Aktivierungsprozesses im Rahmen der Umsetzung des SGB II hat. In diesem Kontext ist aus geschlechterpolitischer Sicht zu prüfen, ob die neuen gesetzlichen Regelungen die strukturellen Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt und in der sozialen Sicherung verringern, reproduzieren oder gar verschärfen.
Dafür wird im Rahmen des Projekts erstens untersucht, ob bereits mit den Veränderungen in Bezug auf den Zugang zu SGB II-Leistungen ggf. eine Verschärfung struktureller Benachteiligungen von Frauen verbunden ist. Zweitens ist zu fragen, ob Frauen im SGB II von den Grundsicherungsträgern in Umfang und Qualität die gleichen Dienstleistungs- und Vermittlungsangebote erhalten wie Männer. Wenn es einen Geschlechterunterschied gibt, ist drittens zu prüfen, worauf dieser zurückzuführen ist. Für die gleichstellungspolitische Bewertung ist es wichtig zu ermitteln, ob Geschlechterunterschiede im Aktivierungsprozess ggf. Teil einer bewusst entwickelten Strategie des Gender Mainstreamings sind. In diesem Kontext ist unter anderem zu fragen, ob es sich dabei um einen Ausgleich von geschlechterpolitischen Diskriminierungen handelt, ob individuelle Wünsche der Hilfebedürftigen ausschlaggebend für Geschlechterunterschiede sind oder aber geschlechtsrollentypische Zuschreibungen dabei eine Rolle spielen. Insgesamt untersuchen wir, inwiefern die zentrale Zielsetzung des SGB II, nämlich die Integration in den Arbeitsmarkt, geschlechtergerecht ausgestaltet wird, und ob es darüber im Zeitverlauf zu einer Angleichung von Qualität und Quantität der Arbeitsmarktpartizipation von Frauen und Männern kommt.
So steht im Fokus des Forschungsprojekts zunächst eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Wirkungen. Im Weiteren werden die Gründe für diese Folgen analysiert, um schließlich zu Handlungsempfehlungen bezüglich der gesetzlichen Regelungen und ihrer Umsetzung zu gelangen.
Diesen Fragen geht das Projekt anhand von sieben Leitthemen nach:
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Leitthema 1: Implementation von Gender Mainstreaming und Gleichstellungspolitik bei den Trägern des SGB II
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Leitthema 2: Aktivierungsprozess und Fallmanagement
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Leitthema 3: Integration in Erwerbsfähigkeit
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Leitthema 4: Erhalt und Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit
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Leitthema 5: Soziale Stabilisierung
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Leitthema 6: Materielle Absicherung
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Leitthema 7: Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland
Methodisch greift das Projekt sowohl auf qualitative wie auch
quantitative Daten und Methoden zurück. In einem ersten Schritt werden
die in den anderen Evaluationsprojekten erhobenen Daten in einer
Synopse zusammengefasst und im Hinblick auf Gleichstellungsaspekte
analysiert und bewertet. Die Ergebnisse werden dann verknüpft mit den
Ergebnissen der eigenen Erhebungen:
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Eine Online-Befragung der bei den Grundsicherungsträgern für Gleichstellung und Gender Mainstreaming zuständigen Personen beschäftigt sich in erster Linie mit dem Stand der Implementation von Gleichstellungspolitik im Umsetzungsprozess.
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Im Zuge von 10 Intensivfallstudien werden das Organisationshandeln und die Aktivierungsprozesse in ihrer Wirkungen auf die KundInnen erhoben und analysiert.
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ExpertInneninterviews dienen der Vorbereitung und Begleitung der Intensivfallstudien hinsichtlich spezifischer Themen und der Diskussion der Ergebnisse.
Das Projekt wird von drei Forschungsteams durchgeführt:
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GendA – Forschungs- und Kooperationsstelle Arbeit, Demokratie, Geschlecht, Institut für Politikwissenschaft, Philipps-Universität Marburg
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Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt GmbH (FIA), Berlin
- Dr. Alexandra Wagner (Leitung)
- Dr. Peter Sopp
- Dr. Karin Lenhart
- Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Universität Duisburg-Essen
(Gesamt-Koordination)
Kontakt: Karen Jaehrling
Projektfinanzierung und –betreuung:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Laufzeit:
November 2006 – Juli 2009
Weitere Informationen:
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Hier finden Sie die Projektpräsentation.
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Hier finden Sie die Pressemitteilung zur Bewilligung des Projekts.
- Hier finden Sie eine Kurzfassung des Jahresberichts 2007 als pdf-Dokument.
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Hier finden Sie den Abschlussbericht als PDF-Dokument (2,9 MB)
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Hier finden Sie den Anhang zum Abschlussbericht als PDF-Dokument (1,1 MB)
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