Fachgebiet Kirchengeschichte
Das Fachgebiet Kirchengeschichte hat die gesamte Entwicklung des
Christentums zum Thema. Hierbei stehen in Forschung und Lehre in
Marburg christliche Antike und christlicher Orient (
Prof. Dr. Karl Pinggéra) das europäische
Christentum des Spätmittelalters, der Reformation und der Frühen
Neuzeit (
Prof. Dr. Wolf-Friedrich Schäufele) sowie der
Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts (Prof. Dr.
Jochen-Christoph Kaiser) jeweils im Mittelpunkt von Lehre
und Forschung der betreffenden Kollegen.
Aus der Geschichte des Faches Kirchengeschichte in Marburg
Wilhelm Münscher (1792-1814) legte mit seinem
‚Handbuch der christlichen Dogmengeschichte’ den Grundstein für einen
besonderen Schwerpunkt der Marburger Kirchengeschichte. Gleiches gilt
für den reformierten Theologen Heinrich Heppe
(1850-1879) mit Blick auf sein Engagement im Bereich der hessischen
Kirchengeschichte. Kurzzeitig wirkte auch Adolf
Harnack (1886–1888) in Marburg.
Darüber hinaus waren bedeutende Kirchenhistoriker z.B. der vor allem
in der Erforschung des mittelalterlichen Papsttums engagierte
Carl Theodor Mirbt (1889–1911), der schon als
Dreißigjähriger auf eine ordentliche Professur in Marburg berufen
wurde, und der Lutherforscher Heinrich Böhmer
(1912–1915). Der Kirchenhistoriker, Neutestamentler und
Kirchenpolitiker Hans von Soden (1924–1945) war 1933
maßgeblich an der Abfassung des Fakultätsgutachten beteiligt, das die
Anwendung des Arierparagraphen in der Kirche ablehnte, sowie der
informelle Leiter der BK in Kurhessen-Waldeck, wofür die
Nationalsozialisten ihn zwischenzeitlich zwangsemeritierten. Dieses
Schicksal wurde 1935 auch Heinrich Hermelink
(1918–1935) zuteil, dessen Nachfolge 1935 Professor Ernst
Benz (1935–1973) antrat. Parallel wirkte auch der Patristiker
Carl Andresen (1956–1961) an der Marburger Fakultät.
Mit Peter Kawerau (1961–1979) wurde die
Ostkirchengeschichte als eigenständiges Arbeitsgebiet begründet.
Bis heute zählt der Marburger Fachbereich Theologie zu jenen Stätten
theologischer Forschung und Lehre, die im bundesdeutschen Vergleich im
Fach Kirchengeschichte personell überdurchschnittlich ausgestattet
sind.

