Projekt: Geschlechtermetaphorik und Familienrealitäten im frühen Christentum und frühen Islam: Konstruktionen, Dekonstruktionen und Hermeneutik
Projektleitung:
Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler (Religionswissenschaft, Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Ute E. Eisen (Evangelische Theologie, Gießen)
Prof. Dr. Angela Standhartinger (Evangelische Theologie, Marburg)
Projektbeschreibung
Das Projekt knüpft an die gegenwärtige theoretische Diskussion um Essentialität oder Konstruktivität des Geschlechts sowie die Intersektionalität, also die Überschneidung verschiedener Marginalisierungstendenzen, an. Im Rahmen des bisherigen Diskurses zeigt sich, dass Geschlecht ein relationaler Begriff ist, der sich in jeweiligen Beziehungen spezifisch äußert und unterschiedlich konstruiert wird. Es verwundert daher, dass das eigentlich grundlegende Bild von Familie und Familienrollen erst in der Gegenwart untersucht wurde. Was aber noch weitgehend fehlt, sind Untersuchungen zur Interdependenz von sozialgeschichtlichen und metaphorischen Bedeutungskreisen.
Gerade im Neuen Testament spielt die erweiterte Familie des antiken oikos einschließlich Sklavinnen und Sklaven nicht nur sozial (vgl. z.B. Gal 3,28 oder Kol 3,22-4,1), sondern auch metaphorisch (Röm 6) eine große Rolle. Familienbilder sind darüber hinaus für Gottesbild und Christologie zentral (vgl. z.B. die Begriffe „Sohn des Menschen“/“Menschensohn“, „Sohn Davids“ und „Sohn Gottes“ für Jesus von Nazareth). In der Diskussion der letzten Jahre wurde augenfällig, dass die deutschsprachige theologische und exegetische Wissenschaft die Diskussion um die Konstruktivität von Geschlecht einschließlich seiner metaphorischen Nutzung, wie sie insbesondere auch in den Altertums- und Kulturwissenschaften geführt wird, noch kaum zur Kenntnis genommen hat.
Das Projekt schließt daher an die theoretische Diskussion um Essentialität oder Konstruktivität von Geschlecht an und prüft diese im Blick auf Konstruktionen antiker Familienbilder sowie biblisch-theologische und islamisch-traditionsgeschichtliche Legitimationsdiskurse. Theoretisch soll dabei an den Diskurs zwischen den Ansätzen zur Geschlechterdekonstruktion und differenztheoretischen Ansätzen angeknüpft werden. Die kritische Rückkopplung und Verfremdung beider Diskurse durch die Rückfrage an die Antike kann, so die These, die Konstruktivitäten religiöser Familienbilder kritisch zu Tage führen. Hermeneutisch stehen Analysen der Auslegungsdiskurse, der rhetorischen Struktur der Texte selbst und moderne Verstehensbedingungen im Zentrum.
Durchgeführte Tagungen
1. „Ein Geschlecht oder viele?“ Zum Diskurs zwischen Thomas Laqueur und dem italienischen Differenzansatz in der biblischen Wissenschaft
2. Das dritte Geschlecht – Versuchung, Verdrängung oder (Zu)Flucht? Oder: Das Neutrum – Zum Für und Wider der Geschlechterdifferenz
3. Von der Entstehung der Geschlechter: Geschlechterverhältnisse in antiken, jüdischen, christlichen, gnostischen und islamischen Schöpfungsmythen und –geschichten
Geplante Tagungen
4. Eherealitäten und ihre religiöse Begründung in paganen, rabbinischen und islamischen Texten der Antike im Vergleich mit dem Frühchristentum
30. September – 1. Oktober 2010
5. 11./12. oder 25./26. Februar
Tagungsprojekt
6. „Doing Gender – Doing Religion“: Zur Wechselwirkung von Geschlechterkonzepten und religiöser Identitätsbildung in Antike und im frühen Islam
30. Juni – 0

