1894
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Paul Fridolin Kehr begründete mit der Bildung eines Instituts für
Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaften die lange
Tradition der Marburger Hilfswissenschaften innerhalb der
geschichtswissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und Lehre. Dessen
Leitung übernahm noch vor dem Ersten Weltkrieg Edmund E. Stengel und
hielt bereits zu Beginn der 1920er Jahre Lehrveranstaltungen zur
Photographie von Handschriften ab.
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1929 |
Auf dem 21. Archivtag legte Stengel zum ersten Mal sein Vorhaben
dar, verstreut in den Archiven aufbewahrte Originalurkunden des
deutschen Mittelalters zu photographieren und systematisch zu erfassen.
Wohl aus der praktischen Arbeit geboren, hatte er offenbar ein Jahr
zuvor das Lichtbildarchiv formal gegründet; das Tagebuch beginnt
jedenfalls mit einem Eintrag vom 14. Juli 1928.
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1938 |
Der Berufung Stengels zum Präsidenten der Monumenta Germaniae
Historica in Berlin folgte ein Umzug des Lichtbildarchivs in die
damalige Reichshauptstadt - ein Vorgang, der kennzeichnete, in welch
hohem Maße das junge Forschungsinstitut mit der Person seines Gründers
verbunden war. |
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1942 |
Edmund Stengels Rückkehr nach Marburg auf seinen alten Lehrstuhl
für Mittelalterliche Geschichte führte bereits nach kurzer Zeit zu
einem abermaligen Umzug, der das Bestehen des Lichtbildarchivs in
Berlin episodisch erscheinen ließ und eine nun feste Etablierung der
Einrichtung am Standort Marburg bewirkte. In Berlin noch von
Luftangriffen bedroht, überdauerte das Lichtbildarchiv im Hessischen
den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. |
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1963 |
Ab diesem Zeitpunkt übernahm Walter Heinemeyer die Leitung des
Lichtbildarchivs, welche Edmund Stengel noch weit nach seiner
Emeritierung mit großem persönlichen Engagement ausgefüllt hatte.
Inzwischen waren bundesweit wesentliche archivalische Bestände
photographiert und in verschiedenen Karteien zur Recherche hinterlegt
worden. Dabei befanden sich schon damals mehrere Urkundenbilder im
Besitz des Lichtbildarchivs, deren Originale im Zweiten Weltkrieg
zerstört worden waren. |
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1966 |
Mit der Fertigstellung der neuen Geisteswissenschaftlichen Fakultät
der Philipps-Universität in der Marburger Wilhelm-Röpke-Straße zog das
Lichtbildarchiv innerhalb der Stadt um und fand dort eigens
eingerichtete Räumlichkeiten, einschließlich eines klimatisierten
Tresorraums vor. Bis heute befindet sich die Institution an diesem Ort.
Zuvor war es im Kugelhaus in der Marburger Oberstadt
untergebracht. |
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1980 |
Nach der Emeritierung Heinemeyers wurde Peter Rück mit der Leitung
des Lichtbildarchivs betraut, der die schon von seinem Vorgänger
begonnene EDV-gestützte Datenerfassung konsequent fortsetzte. Hier
waren es besonders technische Neuerungen, welche eine zielgerichtete
Nutzung der inzwischen großen Bestände ermöglichten. Mit der Reihe
Elementa diplomatica führte Rück ab 1990 die
hilfswissenschaftlichen Befunde für ein breiteres wissenschaftliches
Publikum zusammen. |
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1999 |
Zur Mitte der 1990er Jahre gelangte die photographische Erfassung
neuer Originalurkunden zu einem vorläufigen Abschluss, auch wenn zu
dieser Zeit allenfalls eine punktuelle Vollständigkeit erreicht war.
Vielleicht war dies bereits Ausdruck des Absinkens
hilfswissenschaftlicher Forschungstätigkeit in der
Geschichtswissenschaft insgesamt. Jedenfalls wurde 2000, ein Jahr nach
der Emeritierung Rücks, der Lehrstuhl für Historische
Hilfswissenschaften in Marburg aufgelöst.
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2001
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Für Andreas Meyer war mit seiner Berufung nunmehr die
Herausforderung verbunden, die traditionsreichen Marburger
Hilfswissenschaften in der Funktion als Leiter des Lichtbildarchivs mit
einer inhaltlich auf das Hoch- und Spätmittelalter ausgerichteten
Professur in einer Hand zusammenzuführen. Die Auflösung des Instituts
für Historische Hilfswissenschaften hatte den Zugang und die
Wiederaufnahme der Arbeit an den Beständen des Lichtbildarchivs dabei
erheblich erschwert.
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2006
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Dem begegnete Andreas Meyer mit der zielgerichteten Forcierung der
bereits erfolgten Überführung einiger Beständen in eine Datenbank. Mit
einem erfolgreichen Projektantrag, der eine vollständige
Digitalisierung und die Verfügbarkeit aller Lichtbilder im Internet
beabsichtigte, trat unter Förderung der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) das Lichtbildarchiv als eines der ersten
Vorhaben dieser Art in das digitale Zeitalter ein. |
2012
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Unter großem personellen Aufwand und Einsatz gelang die digitale
Erfassung sämtlicher Urkundenbilder sowie der gesamten Hauptkartei, die
den Nutzern weiterführende Informationen zu den einzelnen Stücken
bietet. Der gegenwärtige Abschluss dieser Arbeiten, der auch ein hohes
Maß an Korrekturen der über Jahrzehnte zusammengetragenen
Dokumentationen umfasste, gestattet die vollständige Nutzung des
Lichtbildarchivs weltweit mit Hilfe des Internets.
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