"Proteste unbegrenzter Entrüstung – Transnationalisierung und Transnationalität in der christlichen Friedensbewegung in Westeuropa (1979–1985)" (Arbeitstitel)
Das Dissertationsvorhaben befasst sich mit dem Protest in
Westeuropa, der nach dem NATO-Doppelbeschluss 1979 mit der
Friedensbewegung in eine der größten sozialen Bewegungen in
Industriestaaten mündete und der stark von christlichen Friedensgruppen
als transnationalen Akteuren beeinflusst war. Im Mittelpunkt der
Untersuchung steht deswegen die Frage, wie die christliche
Friedensbewegung ihren Protest synchron und wirkmächtig, beispielsweise
in den Massendemonstrationen 1981/83, organisieren und was sie dadurch
erreichen konnte. Die Antwort sucht das Projekt in der Analyse von
Transnationalisierung und Transnationalität innerhalb der christlichen
Friedensbewegung von 1979 bis 1985. Denn nur im transnationalen
Austausch – so die These – war es in den späten 1970er und frühen
80er Jahren möglich, Ideen für Friedensarbeit aus anderen Ländern, z.B.
aus den Niederlanden, als wichtige Impulse für jeweils eigene Aktionen
und Konzepte zu nutzen. Vor dem Hintergrund einer genuinen
Transnationalität christlicher Theologie will die Studie somit
Entwicklungen transnationaler Zusammenarbeit zwischen christlichen
Friedensgruppen untersuchen, die der nuklearen Bedrohung durch
gemeinsame Organisation von Demonstrationen, Ideen von Friedensarbeit
oder Adaption neuer Protestformen begegneten. Mit der Analyse
transnationaler Akteure in den für die Bewegung wichtigsten Ländern –
namentlich Großbritannien, den Niederlanden und der Bundesrepublik –
sollen Kernfragen der Kulturgeschichte der Internationalen Beziehungen
während des Kalten Krieges berührt und soll ein Beitrag zur Erklärung
wachsender Verflechtungen und Rückbeziehungen in sozialen Bewegungen
des späten 20. Jahrhunderts geleistet werden.

