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13.04.2012

Gelebte Partnerschaft zwischen der Universität Marburg und der Huazhong Universität in Wuhan

Kooperation zwischen Deutschland und China

Die Kooperation zwischen Deutschland und China in den Gesundheitswissenschaften, zu denen die Pharmazie und die Medizin gerechnet werden, hat eine lange Tradition. Bereits 1907 gründete Dr. Erich Paulun die „Tongji German Medical School“ in Shanghai, wobei das Wort „Tongji“ für „Deutsch“ steht. In den nachfolgenden Jahren wurde die Universität stetig erweitert und der Name wurde 1924 in „National Tongji University“ abgeändert. Einige Jahre später begann jedoch der Umzug des medizinischen Zweiges dieser Universität nach Wuhan; der Umzug wurde dann 1955 abgeschlossen. Der Name wechselte in Wuhan später zu „Tongji Medical University“, welche dann in die Huazhong Universität eingegliedert wurde, die in diesem Jahr ihr 60igstes Gründungsjubiläum feiert. Der Name „Tongji Medical College“ besteht aber bis heute weiter, zu dem auch die 1971 gegründete „School of Pharmacy“ gehört, die von der Struktur her mit unserem Fachbereich Pharmazie vergleichbar ist. Im vergangenen November feierte die School of Pharmacy ihr 40jähriges Bestehen, zu dem aus Marburg die Professoren Shuming Li (Direktor Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie) sowie Michael Keusgen (Dekan) als Ehrengäste eingeladen waren. Bei diesem Besuch konnten dann auch die Weichen für weitere Kooperationen gestellt werden. So wurden Studierende aus Wuhan herzlich zu einem Forschungsaufenthalt nach Marburg eingeladen.

Gelebte Partnerschaft
Emil von Behring in guter Gesellschaft: Juan Yan, Ting Wu, Yulu Zheng, Prof. Michael Keusgen, Haiyun Zhou, Yujie Liu (von links nach rechts). Foto: Regina Gerlach-Riehl
Die Einladung wurde gerne angenommen. So fertigen derzeit 5 Studentinnen und Studenten aus Wuhan im Fachbereich Pharmazie der Marburger Universität eine dreimonatige Forschungsarbeit an. Dabei durften sich die Studierenden den Betreuer selber aussuchen. Erfreulicherweise zeigte sich, dass die Interessen der Austauschstudierenden aus Wuhan sehr breit gefächert sind und deren Wünsche innerhalb der interdisziplinär ausgerichteten Arbeitsgruppen der Marburger Pharmazie gut erfüllt werden konnten. Beispielsweise befasst sich Frau Yan innerhalb der Arbeitsgruppe von Prof. Hartmann intensiv mit molekularbiologischen und biologischen Fragestellungen. Dieses Projekt hat eine Relevanz für die Entwicklung neuartiger Arzneistoffe, mit denen sich zukünftig Tumore und Infektionskrankheiten therapieren lassen. Im gleichen Institut arbeitet auch Herr Zheng, der unter Anleitung von Prof. Schlitzer an der Synthese von neuen Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten arbeitet.

Frau Wu muss innerhalb der Arbeitsgruppe von Prof. Culmsee vollen Einsatz bei der Entwicklung von Strategien zeigen, mit denen die Degeneration von Nervengewebe im Gehirn verhindert werden soll. Dabei untersucht sie den schützenden Einfluss von so genannten „Astrozyten“. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, zukünftig altersbedingte Demenzerkrankungen, insbesondere aber Alzheimer, besser zu verstehen und ein Fortschreiten der Erkrankung aufhalten zu können. Frau Zhou widmet sich unter Anleitung von Prof. Kockskämper der Kalzium-Regulation in Herzmuskelzellen. Mittels Fluoreszenztechniken sollen Unterschiede zwischen gesunden und kranken Herzmuskelzellen gefunden und charakterisiert werden. Frau Liu wiederum entwickelt in der Arbeitsgruppe von Prof. Bakowsky neuartige Nanopartikel, mit denen sich Tumore mittels „Photodynamischer Therapie“ behandeln lassen. Die bei dieser Therapieform verwendeten Arzneistoffe sind zunächst einmal relativ harmlos, entfalten aber bei Lichtbestrahlung eine ausgeprägte Tumor-Toxizität. Allen Studentinnen und Studenten sei viel Erfolg und Freude bei Ihren Arbeiten gewünscht.

Die Partnerschaft zwischen Marburg und Wuhan soll auch zukünftig intensiv weiter geführt werden. Zum Ende des Sommersemesters sollen Marburger Studierende für eine Zeit nach Wuhan gehen. Auch dort ist man bestens auf ausländische Gäste eingestellt. Will man als Marburger Student China kennen lernen, ist man in Wuhan genau am richtigen Platz: Die Industriemetropole im Herzen Chinas liegt fern ab von internationalen touristischen Strömen. In der Stadt finden sich neben hochmodernen Bürobauten und Einkaufszentren auch noch Gebäudekomplexe aus ganz unterschiedlichen Perioden, in denen man chinesische Lebensart in nahezu unverfälschter Weise erfahren kann. Alleine die Straßenverkaufsstände rund um die Universität sind ein Erlebnis für sich. Und „last, but not least“: Wenn man schon einmal in Wuhan ist, sollte man einen Besuch des heiligen Klosterberges Wudang nicht versäumen.

Autor: Prof. Michael Keusgen, Dekan Fachbereich Pharmazie und der Philipps-Universität Marburg


Kontakt

Dekanat Fachbereich Pharmazie
Tel.: 06421 28-25891
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 13.04.2012 · Prof. Michael Keusgen

 
 
 
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