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Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Blom

Hor c'heneiled vreizhat - Us Bretonske freonen

Im Juni 1948 veröffentlichte die damals gerade erst gegründete friesische literarische Zeitschrift De Tsjerne eine spezielle Sonderausgabe, die vollständig der keltischsprachigen bretonischen Minderheit in Frankreich gewidmet war. In den darauffolgenden mehr als zehn Jahren wurde die Bretagne mit ihrer Sprache und Literatur sogar zu einem regelmäßig wiederkehrenden Thema in De Tsjerne und anderen friesischen Zeitschriften. Außerdem brachte die führende bretonische Zeitschrift Al Liamm 1951 eine ähnliche Sonderausgabe heraus, die diesmal vollständig Friesland gewidmet war, mit Beiträgen der wichtigsten Figuren der friesischen Bewegung jener Zeit. Auch Al Liamm verfolgte die kulturellen Entwicklungen in den Frieslanden bis weit in die 1960er Jahre.

 
Wie kam dieser kulturell fruchtbare, aber nahezu vergessene Austausch zustande, und mit welchem Ziel? Wer waren die zentralen bretonischen und friesischen Figuren in diesem Versuch, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Sprachminderheiten in Europa näher zusammenzubringen? Der kulturelle und politische Kontext des nachkriegszeitlichen europäischen Föderalismus, die problematische Kriegsgeschichte der beiden Bewegungen und die persönlichen Netzwerke, die den Hintergrund dieses bretonisch-friesischen Austauschs bildeten, sind die zentralen Fragen, die in diesem Buch behandelt werden.

Neben den vielen Zeitschriften- und Zeitungsartikeln sowohl auf Bretonisch als auch auf Friesisch, aber auch auf Französisch und Niederländisch, wird die bislang unveröffentlichte Korrespondenz zwischen den wichtigsten Figuren dieses friesisch-bretonischen Austauschs im Mittelpunkt stehen, mit Ausflügen nach Irland, Wales, Nordfriesland und Italien.

Vergleichende Glossen- und Marginalienforschung

Cover: De Gruyter

Glossen und Marginalien bilden einen der frühesten Zeugen der europäischen Volkssprachen: Aber wie wurden sie neben dem Lateinischen als der schriftlichen Standardsprache benutzt? Wie las man Texte in verschiedenen Sprachen zugleich, und warum? Die vergleichende Erforschung glossierter Handschriften bietet die Möglichkeit, die Sprachwahl der Schreiber in verschiedenen Teilen Europas zu analysieren. Daneben gilt es zu verstehen, wie Glossen in verschiedenen Sprachen neben sonstigen Schriftzeichen wie Interpunktion und Konstruktionshilfen benutzt wurden, und wie sie in die Seitengestaltung integriert sind. Erst vor kurzem hat die Forschung angefangen, den breiteren kulturellen Kontext dieser glossierten Handschriften zu berücksichtigen und Glossen und Marginalien als wichtige Zeugen für die Geschichte des Lesens und den mittelalterlichen Wissenstransfer zu betrachten.

Der Hauptforschungsschwerpunkt von Prof. Blom liegt im Bereich der Verschriftlichung der Volkssprachen in Westeuropa von der Spätantike bis ins Hochmittelalter. Seine komparatistische Herangehensweise verbindet historische Soziolinguistik mit Paläographie, Textphilologie, vergleichender Sprachwissenschaft und Kulturgeschichte. Damit versucht Prof. Blom, die frühe Schriftlichkeit in den keltischen und germanischen Sprachen innerhalb eines weiteren europäischen Horizonts zu verorten, insbesondere dort, wo sie in Gestalt von Glossen und Marginalien im Wechselspiel mit dem Lateinischen steht und sich als »multilinguales Lesen« gestaltet.

Geschichte der keltischen und germanischen Sprachwissenschaft innerhalb der europäischen Nationalromantik

Porträt von Rasmus Rask
https://commons.wikimedia.org
Rasmus Rask: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=482498

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt in der Rezeptionsgeschichte der keltischen und germanischen Philologie des 19. Jahrhunderts. Auch hier hat Prof. Blom eine komparatistische Herangehensweise entwickelt: Er setzt bei den Gelehrtennetzwerken und Briefwechseln unter Sprachwissenschaftlern und Philologen quer durch Europa an, um die Geschichte der Sprachwissenschaft innerhalb eines weiteren kulturhistorischen Horizonts der europäischen Nationalromantik zu verorten. Dabei interessiert ihn besonders die bisher kaum erforschte internationale Vernetzung des dänischen Sprachforschers Rasmus Rask (1787-1832) mit Gelehrten und Künstlern in Großbritannien, Deutschland, Skandinavien und Russland.