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Das Studium im Master Semitistik und Altorientalische Philologie (SeAor)

Im Master Semitistik und Altorientalische Philologie vertiefen Sie Ihre fachspezifischen Kenntnisse über die Altorientalistik und/oder Semitistik. Hier eignen Sie sich philologische, linguistische sowie kulturwissenschaftliche Inhalte und Methoden an, vertiefen Ihre Kenntnisse (alt)orientalischer Sprachen und profitieren von der Möglichkeit, Ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen: Sie können einen deutlichen Schwerpunkt auf die Semitistik oder auf die Altorientalistik legen, oder aber von beiden Fachgebieten profitieren und Ihre eigene Kombination von semitistischen und altorientalistischen Inhalten zusammenstellen.

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Die Marburger Altorientalistik (auch Assyriologie genannt) erforscht vor allem die tradierten Texte der babylonisch-assyrischen Gelehrtenwelt mit einem Schwerpunkt auf der altorientalischen ,Magie‘, Vorzeichenkunde und Wissenschaft. In der Lehre verfolgt die Altorientalistik das Konzept einer möglichst breiten Ausbildung, wobei das Studium des Akkadischen und Sumerischen sowie das Erlernen der Keilschrift im Vordergrund stehen. Insbesondere im Master SeAor wird neben der Vertiefung der Sprachkenntnisse auch die Fähigkeit zur Lektüre von Keilschrifttexten vom Original oder vom Foto vermittelt.

Die Semitistik in Marburg hat einen deutlichen Schwerpunkt in den klassischen westsemitischen Sprachen. Sie zielt in der Lehre auf ein vertieftes Verständnis von sprachwissenschaftlicher und textwissenschaftlicher Methodik ab. Diese werden sowohl auf handschriftlich als auch epigraphisch überlieferte Textcorpora angewandt, dabei stehen insbesondere das Klassisch-Arabische, das Aldsüdarabische und das Äthiopische im Fokus der Lehre und Forschung.

Wahlpflichtmodule im Master SeAor

Für die gemeinsamen inhaltlichen Module des Studiengangs Semitistik und Altorientalische Philologie gilt ein „3 aus 4-Prinzip“: Aus den vier zentralen Modulen SeAor 1-4 mit jeweils 12 Leistungspunkten wählen Sie drei nach Ihren Präferenzen aus und legen damit Ihr persönliches Profil auf Sprache, Texttradition, Kulturgeschichte oder Kulturpolitik. Die vier Module im Überblick:

SeAor 1: Sprachen und Sprachwissenschaft

Dieses Modul vermittelt fundierte Kenntnisse in den Bereichen Sprachklassifikation und -geschichte sowie komparativer Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexik semitischer und/oder altorientalischer Sprachen. Sie erwerben dabei die Fähigkeit, sprachübergreifende Fragestellungen zu bearbeiten und zu diskutieren und sprachwissenschaftliche Theorien selbstständig auf einschlägige Daten aus alten und modernen Sprachen anwenden zu können. Dies betrifft Themenkomplexe wie Sprachverwandtschaft und Sprachkontakt sowie diatopische und diachrone Varianz. Letztlich wird das Bewusstsein dafür geschärft, dass historische Sprachen nach den gleichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren und sich wandeln wie moderne Sprachen.

SeAor 2: Texte: Typologie, Entstehung und Tradierung

In diesem Modul erwerben Sie profunde Kenntnisse über die Entstehung, Tradierung und Rezeption vormoderner Texte des Nahen Ostens.

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Im Vordergrund stehen dabei Fragen des Umgangs mit Textvarianz und das Phänomen der Kanonbildung im transkulturellen Vergleich. Daneben steht die vertiefte theoretische Reflexion von Gattungsspezifik. So lernen Sie, Textgeschichte als ein multidimensionales plastisches Geschehen zu begreifen, das sowohl die innere Gestalt von Texten in ihrer Veränderlichkeit im Lauf der Geschichte betrifft, als auch die Zuschreibung von Bedeutung die diese durch eine spezifische Gesellschaft erfahren.

SeAor 3: Kulturgeschichte

In diesem Modul erhalten die Studierenden fundierte Kenntnisse über ein spezielles Thema des geistig-kulturellen Lebens des alten bzw. vormodernen Nahen Ostens wie Literatur, Kunst, Musik, Recht, Wissenschaften, Divination, Kalender, Götterwelt, Tempel und Palast oder Gesellschaftsstruktur.

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Es wird vor allem Faktenwissen zu den Primärquellen zum Thema, ihre historische Entwicklung sowie theoretische und methodische Erwägungen zur Interpretation der Quellen vermittelt. Weiterhin gibt das Modul einen Überblick über den aktuellen Diskussions-und Forschungsstand des behandelten Themas und vermittelt die Fähigkeit, topische Fragestellungen und deren Bezeugung in schriftlichen wie bildlichen Quellen auch im Detail kritisch zu diskutieren.

Kulturpolitik

­­Dieses Modul vermittelt fundierte Kenntnisse über die Bedeutung des kulturellen Erbes für die Ausprägung nationaler Identität in den modernen Staaten des Nahen Ostens. Es gibt Überblick über Aufgaben, Strukturen und Arbeitsweise von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen, die für die Pflege und Vermittlung des kulturellen Erbes verantwortlich sind. Das Feld möglicher Thematiken behandelt Vorgaben, Grundsätze und Strategien der UNESCO sowie die Möglichkeiten, kulturelles Erbe vor Zerstörung und Plünderung zu schützen. Das Modul wird häufig von Prof. Dr. Markus Hilgert unterrichtet, der Honorarprofessor an der Philipps-Universität Marburg ist. Prof. Hilgert ist ein ausgewiesener Kenner der Kulturpolitik und derzeit der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.

Sprachmodule im Master SeAor

Ein besonderes Augenmerk des Masters SeAor liegt auf dem Spracherwerb und der Textlektüre.

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Hier können Sie viele Sprachen vertiefen oder neu lernen: Akkadisch, Klassisch-Arabisch, Altäthiopisch, Althebräisch, Hethitisch, Syrisch-Aramäisch und Sumerisch. In unregelmäßigen Abständen und oft auf Wunsch von Studierenden werden auch zahlreiche seltener unterrichtete Sprachen angeboten, wie etwa Aldsüdarabisch (Sabäisch), Elamisch, Hurritisch, Altpersisch, Urartäisch, Reichsaramäisch oder Ugaritisch.

Der Spracherwerb gliedert sich in die beiden Blöcke „Sprachkompetenz I und II“. In Sprachkompetenz I setzen Sie eine Sprache aus Ihren Bachelorstudium fort und vertiefen diese. In Sprachkompetenz II lernen Sie eine neue altorientalische oder semitische Sprache.

Weitere mögliche Importmodule im Wahlpflichtbereich können Sie der aktuellen Prüfungsordnung (S. 30-33) entnehmen.

 Praxis- und Profilmodule

Im Praxis- und Profilbereich haben Sie große individuelle Gestaltungsmöglichkeit:

  • Sie können ein außeruniversitäres Praktikum absolvieren und einbringen und damit bereits Berufserfahrung sammeln (z. B. in Verlagen, bei Museen etc.).
  • Ein sehr großer Importbereich, der von Archäologie über Germanistik bis zur Medienwissenschaft reicht, ermöglicht den sehr persönlichen und enorm breiten Zuschnitt des Masterstudiums.
  • Neben der Vertiefung der Sprache aus dem Bachelorstudium und dem Erlernen einer weiteren altorientalischen oder semitischen Sprache können Sie weitere relevante Sprachen studieren.

Interdisziplinäres Kolloquium

Die beiden Fachgebiete Altorientalistik und Semitistik arbeiten eng im Interdisziplinären Kolloquium zusammen, das ein Forum zum Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden ist. Zum einen können die Studierenden ihre Qualifikationsarbeiten vorstellen und von den Teilnehmenden Feedback zu Fragestellung, Konzept, Methodik, Theorieeinbindung etc. erhalten. Zum anderen werden für die aktuelle Forschung von Lehrenden und Studierenden zentrale Primärquellen in Übersetzung (wo nötig auch in der Originalsprache) gelesen, interpretiert und diskutiert. Sprachwissenschaftliche Befunde sowie eigene und fremde Textinterpretationen werden kritisch hinterfragt, um zu einem vertieften Textverständnis zu gelangen.