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NEUES ANDERES & DER HIMMEL HÄLT

Aufnahme © Institut für Bildende Kunst
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64  Immer, Liebes! gehet
     Die Erd und der Himmel hält.
(Friedrich Hölderlin)

Dès que l'esprit est en cause, tout est en cause; tout est désordre, et toute réaction contre le désordre est de même espèsce que lui. C'est que ce désordre est d'ailleur la condition de sa fécondiré: il en contient la promesse, puisque cette fécondité depend de l'inattendu plutôt que de l'attendu, et plutôt de ce que nous ignorons, et parce que nous l'ignorons, que de ce que nous savons. Comment en serait-il autrement?

Sobald der Geist im Spiele ist, steht alles auf dem Spiel; alles ist Unordnung, und jede Gegenwirkung gegen die Unordnung ist von derselben Art wie sie. Diese Unordnung ist nämlich die Bedingung seiner Fruchtbarkeit; sie hängt eher vom Unerwarteten ab als vom Erwarteten, und eher von dem, was wir nicht wissen (gerade weil wir es nicht wissen), als von dem, was wir wissen. Wie könnte es auch anders sein?
(Paul Valéry Antrittsvorlesung zum Kolleg über die Poetik am Collège de France)

In einer Zeit vieler Ungewissheiten, Umbrüche und Konflikte fordert stets Neues und täglich Anderes unsere Aufmerksamkeit und unser Engagement. Dem kontratiert das zuversichtliche Vertrauen auf die Kontinuität des Menschlichen – wie von Friedrich Hölderlin in einem Fragment formuliert: »Immer, Liebes! gehet/ Die Erd und der Himmel hält.«

Unter dem Titel NEUES, ANDERES & DER HIMMEL HÄLT zeigt das Kunstmuseum Marburg im Sommer 2015 Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie, Videos und installative Arbeiten von mehr als vierzig Künstlerinnen und Künstlern – alle entweder Masterstudierende oder Lehrende am Institut für Bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg.

Die Künstlerinnen und Künstler reflektieren in ihren Arbeiten auf sehr unterschiedliche Weise die aktuelle Situation, Aspekte der Zeitgeschichte und gesellschaftliche Kontexte. Zugleich artikulieren sie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Freiräumen und individuellen Gestaltungsoptionen. Dabei arbeiten sie mit eminentem Selbstbewusstsein und Vertrauen in die Möglichkeiten der Kunst.

Gerade die spielerische Offenheit und Performativität künstlerischer Welterschließung, die das bloß Imaginäre bereits hinter sich gelassen hat, scheint für einen Raum zu bürgen, wo Neues, Anderes sowie das Bedürfnis nach individueller »Agency« und kreatürlicher Integrität im besten Sinne verheißungsvoll produktiv werden.

(Tillmann Damrau)

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