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Trabanten : Janik Isenberg

Aufnahme © Janik Isenberg
Janik Isenberg

In dieser Reihe zeigen einzelne Studierende des Instituts für Bildende Kunst der Philipps-Universität Marburg im Foyer des Marburger Kunstvereins im Wechsel künstlerische Arbeiten, die das hohe Niveau der Lehre an diesem Institut zeigen. Das vielfältige Spektrum der Arbeiten umfasst Druckgrafik, Malerei, Skulptur, Installation und Neue Medien.

Diese kleinen, aber feinen Präsentationen ergänzen die jeweilige Ausstellung in den großen Räumen des Kunstvereins – kreisen also sozusagen wie Trabanten in ihrer Umlaufbahn um größere Planeten.

Janik Isenberg Anna, 2019, Kohle und Graphit auf Papier, 180 x 130 cm

Ein durchgängiges Motiv der künstlerischen Arbeit Janik Isenbergs ist die zeichnerische Umsetzung fotografischer Vorlagen, die er mit hohem technischem und zeitlichem Aufwand betreibt.
Manchmal ergeben sich dabei durch das bewusste Weglassen bzw. nicht abgeschlossene Ausarbeiten interessante Bildeindrücke, die zum einen den Arbeitsprozess offenlegen und zum anderen die Motive kompositorisch in eine eigentümliche Spannung versetzen.

Formal betrachtet wechseln sich bei der großformatigen Zeichnung Anna differenzierte Oberflächentexturen und Schattierungen mit vermeintlich unfertigen Bereichen ab. Aus der Ferne betrachtet dominiert der Gesamteindruck des Porträts - trübe, leicht erschöpfte Augen, faltige Haut und Altersflecken, die mit dem Muster der Bluse korrespondieren. Die rechte, vermeintlich unfertige Seite des Bildnisses ist in helles Licht getaucht, während die dunklen Ränder der Zeichnung die Materialität und den Duktus des verwendeten Kohlestiftes betonen. Mit seiner Zeichnung untersucht Isenberg zum einen die Frage, warum individuelle Physiognomie wirkt, wie sie wirkt. Zum anderen beschäftigt ihn, ob die Überdimensionierung auch andere Wahrnehmungen möglich macht. Beim Herantreten ans Bild drängen sich imDetail Umdeutungen zu abstrakten Landschaften als mögliche Antwort auf.

Janik Isenberg (*1991) studiert Bildende Kunst und Kunstgeschichte an der Philipps-Universität in Marburg.

(Dr. Carola Schneider, Prof. Klaus Lomnitzer)

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