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Trabanten: Chen Tse-Wei

Aufnahme © Institut für Bildende Kunst/ Anja Köhne
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In dieser Reihe zeigen einzelne Studierende des Instituts für Bildende Kunst der Philipps-Universität im Foyer des Marburger Kunstvereins im Wechsel künstlerische Arbeiten, die das hohe Niveau der Lehre an diesem Institut zeigen. Das vielfältige Spektrum der Arbeiten umfasst Druckgrafik, Malerei, Skulptur, Installation und Neue Medien.

Diese kleinen, aber feinen Präsentationen ergänzen die jeweilige Ausstellung in den großen Räumen des Kunstvereins – kreisen also sozusagen wie Trabanten in ihrer Umlaufbahn um größere Planeten.

Chen Tse-Wei Leicht wie Rauch, 2019-2020, Bleistift auf grundiertem Papier, 200x200 cm

Die Arbeiten Chen Tse-Weis zeichnen sich durch eine zurückgenommene Zartheit aus, obwohl oder gerade weil er in ihnen große Themen verhandelt. Oft sind es Fragen nach dem Wesen des Seins, die sich mit Fragen nach dem Wesen der Kunst decken. So überzeugen die Ergebnisse seiner künstlerischen Reflexionen über Vergänglichkeit, Denkmäler und Riten sowie ihre Funktion und Wirksamkeit weniger als starre Behauptungen, sondern als leise, variantenreiche und auch reduziert-elegante Formulierungen, deren Tiefen in meditativ-poetischer Haltung nachvollziehbar werden.

Ausgehend von taiwanesischen Bestattungstraditionen wird stellvertretend für verstorbene Menschen zunächst ein kleines Haus gebaut und anschließend verbrannt. Der stilisierte Rauch auf der ausgestellten Zeichnung ist als nachvollziehbare Spur dieser Transformation zu verstehen. Beinahe schwerelos wirkt die Dynamik der Luftverwirbelungen und changiert zwischen Präsenz und Abwesenheit, verdichtet sich an der einen Stelle, während sie sich woanders auflöst.

Chen Tse-Wei, geboren in Kaohsiung City, Taiwan studiert Bildende Kunst und  Kunstgeschichte an der Philipps-Universität Marburg

(Dr. Carola Schneider, Prof. Klaus Lomnitzer)

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