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Trabanten : Cristel Bauer Vera

Aufnahme © Institut für Bildende Kunst/ Anja Köhne
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In dieser Reihe zeigen einzelne Studierende des Instituts für Bildende Kunst der Philipps-Universität im Foyer des Marburger Kunstvereins im Wechsel künstlerische Arbeiten, die das hohe Niveau der Lehre an diesem Institut zeigen. Das vielfältige Spektrum der Arbeiten umfasst Druckgrafik, Malerei, Skulptur, Installation und Neue Medien.

Diese kleinen, aber feinen Präsentationen ergänzen die jeweilige Ausstellung in den großen Räumen des Kunstvereins – kreisen also sozusagen wie Trabanten in ihrer Umlaufbahn um größere Planeten.

Cristel Bauer Vera, Gravedad, 2020, Seil und Draht

Mit ihren Arbeiten aus der Serie Gravedad offeriert Cristel Bauer Vera Objekte die scheinbar der Schwerkraft trotzen. Immer wieder suggerieren die aus Seilen geschaffenen Formen ein strenges oder leicht wirkendes Eigenleben. Sind es wie vom Schlangenbeschwörer magisch beschworene Körper, sind sie geradezu brutal fixiert oder wirken sie wie aus eigener Kraft eingenommene Haltungen eines plötzlich belebten und wesenhaften Materials?

Im Spanischen hat 'Gravedad' eine Doppelbedeutung: Gravitation oder Ernsthaftigkeit. Bei den Seilen von Cristel Vera Bauer flackern inhaltlich sowohl das Gelöste der Schwerelosigkeit als auch die bindende, auch fesselnde Funktion von Seilen auf. Die aufgehobene Schwere steht in hohem Kontrast zur festgezurrten Gewalt der Knoten. Rein formal gelingt es der Kunststudierenden mit ihrem ernsten Spiel der Gegensätze ein überraschend ambivalentes Sinnbild von existentieller Bedeutung zu erzeugen.

Cristel Bauer Vera, geboren in Quinta Normal, Santiago de Chile, studiert Bildende Kunst und Erziehungswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg.

(Dr. Carola Schneider, Prof. Klaus Lomnitzer)

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