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A4 - Dynamik sprachlicher Repräsentationen in der Morphologie

In diesem Projekt geht es um Verkleinerungsformen (kurz Diminutive) des Deutschen. Es handelt sich dabei um einen sehr heterogenen und sprachhistorisch gesehen dynamischen Bereich, in dem native Suffixe (z.B. -lein, -chen) und nicht-native Suffixe (z.B. -ette) aufeinandertreffen. In dem Promotionsprojekt soll es einerseits um die Bildung von Diminutiven gehen und andererseits um die Frage, wie die unterschiedlichen Formen der Diminutive mental repräsentiert sind. Hierfür sind Korpusanalysen vorgesehen, mit denen die Verwendung von Diminutivformen in unterschiedlichen Textsorten und Kontexten in Vergangenheit und Gegenwart geprüft werden soll. Aber auch experimentelle Zugänge sind erwünscht, die gezielt Hinweise auf die Prozessierung und kognitive Verarbeitung von Diminutiven geben können. Im Mittelpunkt steht bei alledem die Dynamik der mentalen Repräsentationen. Ein möglicher Aufbau wäre (i) eine Korpusanalyse zum aktuellen Gebrauch der Diminutive im Spannungsgefüge von semantisch modifizierender Verwendung (z.B. Kleinheit, Partitivität) und expressvier Verwendung (z.B. solidarisierend, konfrontativ). Um den Status eines möglichen Sprachwandels zu bewerten, könnte (ii) in einem Decision-task-Experiment die semantische bzw. pragmatische Relevanz der Diminutive im intergenerationellen Vergleich geprüft werden. Die ggf. kontextuell variierenden mentalen Repräsentationen der morphologischen und lexikalischen Diminuierung könnten (iii) in neurolinguistischen Experimenten erschlossen werden.