Hauptinhalt

C3 - Variation und Wandel der morpho-syntaktischen Referenz

In diesem Teilprojekt geht es um die grammatische und kognitive Repräsentation in der Verarbeitung sprachlicher Äußerungen anhand von Untersuchungen zur Referenz anaphorischer Possessivpronomen der 3. Person Singular. Im Deutschen kongruiert das Possessivpronomen der 3. Person Singular mit dem Genus des Possessors:

  • der Bruder ᵢ … sein ᵢ Buch
  • die Schwester ᵢ … ihr ᵢ Buch

Jedoch finden sich sogar im Standard-Deutschen immer wieder Belege, bei denen das Possessivpronomen sein auf Feminina bezogen ist:

  •  die Sache ᵢ geht seinen ᵢ Weg (Duden Grammatik 2016: 275)

Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass sein bezüglich Genus unterspezifiziert ist. Korpusanalysen legen nahe, dass genus-insensitives sein in erster Linie bei Inanimata auftritt. In bestimmten deutschen, u.a. bairischen Dialekten wird allerdings als Possessivpronomen der 3. Person Singular (teilweise auch Plural) generell, also auch bei Personenbezeichnungen und anderen Animata, sein verwendet. Auch in älteren Sprachstufen finden sich entsprechende Belege. Dies deutet auch auf einen möglichen Wandel bei der Referenz des Possessivpronomens sein hin.

Mit Hilfe von EEG-Studien und auf der Basis von Korpus-Auswertungen soll untersucht werden, inwiefern sich die für den modernen Standard festgestellte Animatheits-Restriktion in einem Verletzungsparadigma feststellen lässt. Die Vorhersage ist, dass sein bei inanimaten Feminina zu wesentlich weniger stark abweichenden Verarbeitungsmustern führt als bei Animata.