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Forschung

Die Kompetenzstelle Mündliche Kommunikation übernimmt Forschungstätigkeiten im Bereich der Unterrichtsforschung und pädagogischen Professionalisierung, um damit der zweifachen Bestimmung mündlicher Kommunikation als Lernmedium und als Lerngegenstand in den Fortbildungen gerecht zu werden. Die Forschungstätigkeit der Kompetenzstelle zielt auf Fragen der empirischen Bestimmung von Gesprächen in der Schule, eine Schärfung des Konzepts Interaktions-/Gesprächskompetenz sowie Fragen der Spezifika von Unterrichtsinteraktion.

Im theoretisch-konzeptuellen Rahmen werden rhetorische (Stilistik, Diskursethik, Gattungslehre, Argumentationsforschung), ästhetische (Sprechkunst, Performance, Vorlesen) und interaktionslinguistische (Gesprächsfähigkeit, Interaktionskompetenz) Zugänge zu mündlicher Kommunikation in der Schule und ihrer Didaktik miteinander verbunden. Wissenschaftliche Bezugsdisziplinen bilden dabei die Sprechwissenschaft, Linguistik, linguistische Gesprächsforschung und interaktionale Linguistik, Rhetorik, Fachdidaktik Deutsch sowie bildungswissenschaftliche Aspekte. Gegenstandsangemessen werden die Bezugsdisziplinen erweitert.

Derzeit bilden drei Teilprojekte den Schwerpunkt der Forschung:

  • Teilprojekt I: „BBB“ oder „BBÜ“? – Effekte des zugrundeliegenden Argumentmodells auf Argumentationsleistungen von Schülerinnen und Schülern (Beginn: Frühjahr 2025)

    Im Deutschunterricht der Sekundarstufe I wird Argumentieren – sowohl mündlich als auch schriftlich – überwiegend mit einem Argumentmodell eingeführt, das drei Komponenten umfasst: Behauptung, Begründung und Beispiel („BBB“-Modell). Es liefert den Schüler*innen eine adäquate Grundlage zur Bewältigung einer schulspezifischen Textform, der Erörterung. Darüber hinaus hat sich das „BBB“ Modell als Standard für die schulische Praxis durchgesetzt, wie das hochfrequente Auftreten in Schulbüchern für den Deutschunterricht der Sekundarstufe 1, zum Teil mit terminologischer Varianz, belegt.
    Das Argumentmodell der Deutschdidaktik unterscheidet sich vom klassischen Argumentmodell der Rhetorik und Logik, das ebenfalls (mindestens) drei Komponenten umfasst. Dieses Modell wird in anderen Fachdidaktiken, so zum Beispiel in den Naturwissenschaften sowie in Philosophie und Ethik verwendet. Der Unterschied zum deutschdidaktischen „BBB“-Modell liegt vor allem in der spezifischen Verbindung der Komponenten durch die sogenannte Schlussregel. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Schlussfolgerung und Grund und kann alltagssprachlich als „Übergang“ benannt werden (daher „BBÜ“-Modell). 
    Bisher ungeklärt ist die Frage, ob und welchen Einfluss das unterrichtete Argumentmodell auf die (mündlichen) Argumentationsleistungen und -fähigkeiten der Schüler*innen hat. Zur Beantwortung dieser Untersuchungsfrage wurden Unterrichtsmaterialien entwickelt, die jeweils auf dem „BBB“- oder dem „BBÜ“ Modell basieren. Mittels Audioaufnahmen und auszufüllender Aufgabenblätter wurde die Arbeit der Schüler*innen mit diesen argumentmodellbasierten Unterrichtsmaterialien begleitet. Die erhobenen Daten des Projekts werden qualitativ, vorwiegend gesprächsanalytisch, ausgewertet. 

    Ansprechperson: Ina Völker

  • Teilprojekt II: Erstellung von Unterrichtsmaterial zum mündlichen Argumentieren in der Grundschule in professionellen Lerngemeinschaften (Beginn: 2026)

    In diesem Teilprojekt gehen wir der Frage nach, wie das mündliche Argumentieren in der Primarstufe als Unterrichtsgegenstand gefördert werden kann. Dazu arbeiten Lehrkräfte in kleinen Teams – sogenannten professionellen Lerngemeinschaften (PLG) – zusammen und entwickeln kooperativ Unterrichtsmaterial zum mündlichen Argumentieren in der dritten und vierten Klasse. 
    Die Treffen der PLGs werden wissenschaftlich begleitet und aufgezeichnet, um (1) unter gesprächsanalytischer Sicht Aufschluss darüber zu erhalten, unter welchen Bedingungen professionelle Kooperationsformen von Lehrkräften zur Unterrichts(material)entwicklung gelingen sowie (2) um den Bereich und die Förderung mündlichen Argumentierens in der Primarstufe (von 8- bis 10-Jährigen) fachdidaktisch zu beleuchten.  

    Ansprechperson: Hanna Völker

  • Teilprojekt III: Literatur sprechen (Beginn: 2026)

    In Bearbeitung