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Gastvortrag von Michael Rebhahn zu John Cage

Veranstaltungsdaten

20. Januar 2026 10:00 – 20. Januar 2026 12:00
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Biegenstraße 11, Raum 02010

Im Rahmen des Seminars "Präzise Ungenauigkeit: Der Komponist John Cage und seine Befreiung musikalischen Denkens" von Hannes Seidl findet im musikwissenschaftlichen Institut ein Gastvortrag von Michael Rebhahn, Redakteur für Neue Musik beim Südwestrundfunk (SWR2), statt. Zum Vortrag sind auch Nichtteilnehmende des Seminars herzlich willkommen.

John Cage war zeitlebens auf der Suche nach außermusikalischen Modellen und Entwürfen, die seine kompositorische Ästhetik sinnfällig illustrierten. Die Terrains, die er zu diesem Zweck abschritt, liegen allerdings denkbar verstreut: Zen und Konfuzianismus finden sich ebenso wie die Mystik Meister Eckharts, der Transzendentalismus Ralph Waldo Emersons und Henry Thoreaus, die Kunst Marcel Duchamps oder die Literatur von James Joyce. Dass Cage überdies eine Nähe zum vollends antimetaphysischen Pragmatismus eines John Dewey beanspruchte, ist ein weiteres Indiz für seine Wandlungsfähigkeit in Sachen ästhetischer Grundierung. Die unbefangene Zueinanderfügung intellektueller und spiritueller Elemente verschiedenster Couleur nach der Maßgabe ihrer »Brauchbarkeit«, kann als eine der Konstanten im Denken Cages begriffen werden. Und dass er sich dieser Art einer (womöglich »typisch US-amerikanischen«) pragmatischen Aneignung denkbar disparater Denkmodelle höchst bewusst war, belegt eine Äußerung mit Blick auf die klare Differenz zwischen außermusikalischen Impulsen und tatsächlicher ästhetischer Praxis: »Ich habe nie geübt«, sagt Cage, »mit gekreuzten Beinen zu sitzen, oder meditiert. Meine Arbeit besteht in dem, was ich tue, und dazu brauche ich immer Schreibmaterialien, Stühle und Tische.«

MICHAEL REBHAHN, geb. 1972, ist Redakteur für Neue Musik beim Südwestrundfunk (SWR2). Er studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie und promovierte mit einer musikästhetischen Arbeit über John Cage. Von 1997 bis 2000 arbeitete er in der Redaktion der Neuen Zeitschrift für Musik sowie als Autor für das TV-Magazin 3sat-Kulturzeit. Seit 2000 hat er zahlreiche Radiofeatures über Neue Musik realisiert, u. a. für Deutschlandfunk Kultur, hr2-kultur und WDR 3. Lehraufträge und Gastvorträge führten ihn u. a. an die Kunstuniversität Graz, die Folkwang Universität der Künste Essen, die Hochschule für Bildende Künste Hamburg und die Harvard University. Seit 2012 kuratiert er die Lecture- und Diskursformate bei den Darmstädter Ferienkursen und ist Herausgeber der Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik.