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Promotionen

Foto: Uwe Henkhaus

Laufende Promotionen

  • Florian Giering: Mythischer Widerhall als politisches imago. Verständnis, Ästhetisierung und Funktionalisierung von Echo im repräsentativen Raum der Frühen Neuzeit (1570–1650)

    Teil des kooperativen DFG-Forschungsprojekts „Musikhören und Musiksehen. Historische Wechselwirkungen vom 17. bis zum 21. Jahrhundert“

    Was sehen wir, wenn wir hören? Warum suchen wir intuitiv nach einer sichtbaren Klangquelle, wo doch Musik vermeintlich gehört und nicht gesehen wird? Warum wundern wir uns über Klänge wie das Echo, die uns unsichtbar erreichen? Welche Möglichkeiten stehen zur Disposition, um das Echo als unsichtbaren Klang zu verstehen, und welche Spielräume eröffnet seine ästhetische Nachbildung und Inszenierung?

    Ausgehend von Schriften der antiken Mythologie, Philosophie und Akustik wird (das) Echo zunächst als multisensorisches Phänomen aufgefasst, das gerade in seiner Unsichtbarkeit die Interdependenz von Ohr und Auge im Prozess des Hörens ex negativo vorführt. Dabei scheint ein Verständnis dieses 'antwortenden' und gleichzeitig körperlosen Klangs stets erst durch epistemische Kontextualisierungen oder mythologische Ausdeutungen ermöglicht zu werden, die sich wiederum unterschiedlich gestalten, lenken und funktionalisieren lassen. Bereits früh bildete das und die Echo vor diesem Hintergrund ein breites Panorama von Figurationen und Rollenbildern aus, die sich zwischen mythologischer Ätiologie, rationalisierender Naturbetrachtung, genderspezifischer Polarisierung und kunstdiskursiver Debatte verortbar sind.

    Auf Basis der Wiederentdeckung und Weiterentwicklung antiker Welt- und Kunstdeutung in der Frühen Neuzeit fokussiert die Studie daraufhin einzelne Fallbeispiele italienischer, britischer und deutschsprachiger Hofkultur zwischen 1570 und 1650, anhand derer nach dem Verständnis und der musikalischen Ästhetisierung von Echo sowie nach deren politischer Funktionalisierung gefragt wird. Im Mittelpunkt stehen jeweils multimedial inszenierte Ereignisse höfischer Repräsentation, die entlang erhaltener Kompositionen, schriftlicher Berichte unterschiedlicher Autor*innen sowie bildlicher Darstellungen intermedial erschlossen und gedeutet werden sollen. Ein wissensgeschichtlicher Exkurs, der Echo in der Phonurgia Nova Athanasius Kirchers (1673) betrachtet, rundet die Studie historiographisch ab.

    Der intermediale Quellenansatz wird durch Theorien des musikalischen Hörens und Sehens grundiert, mit deren Hilfe Echo als multisensorisches Schlüsselelement musikalischer Inszenierung, aber auch verbaler Vermittlung von Klang und Musik konzeptionalisiert werden soll. Eine entscheidende Bezugsgröße bilden außerdem raumtheoretische Modelle der Soziologie und der Kunst- und Kulturwissenschaften, wobei der ‚repräsentative Raum‘ als Wechselspiel zwischen sozialem Rahmen des realpolitischen Ereignisses und dramatischem Raum der ästhetischen Inszenierung greifbar wird.


    Doktorand: Florian Giering
    Betreuung: Prof. Dr. Anne Holzmüller, Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann (Frankfurt)

  • Tommaso Graiff: Opera aperta. Die Funkopern und Bühnenwerke Bruno Madernas in ihrem kulturgeschichtlichen Kontext

  • Jakob Uhlig: Rezeption und kompositorische Praxis des chromatischen Totals im 20. Jahrhundert

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entbrannte zwischen Komponisten und Musikschriftstellern vor allem in Deutschland und Österreich eine Debatte darum, ob Arnold Schönberg tatsächlich der „Erfinder“ der Zwölftonmusik sei oder ob ihm nicht andere Persönlichkeiten zuvorgekommen seien. Diese Debatte, an der weit mehr Personen beteiligt waren als nur die zwei Kontrahenten im berühmtesten der Dispute zwischen Josef Matthias Hauer und Schönberg selbst, wurde auch in der Musikwissenschaft besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder thematisiert, wodurch sich die Diskussion um eine Erfindung „der“ Zwölftonmusik auf ein historisches Narrativ verlagerte, in dem sich diese musikalische Innovation graduell und in verschiedenen Ausprägungen über mehrere Köpfe hinweg entwickelt habe. Ausgangspunkt des Projekts ist die Feststellung, dass diese Auslegung werkanalytisch kaum Bestand hat, da sich die in der Debatte thematisierten Werke musikalisch, ästhetisch und ideell teilweise so stark voneinander unterscheiden, dass ein Zusammenbringen der darin liegenden Ansätze viel mehr Differenzen übergeht als tatsächlichen Zusammenhang aufweist. Als universaler Konnex zwischen den untersuchten Werken erweist sich hingegen das Vorkommen des chromatischen Totals innerhalb der Komposition, was sich als Verknüpfungspunkt im Gesamtkontext aber selten als überzeugender Gradmesser für ideelle und kompositorische Kongruenz dienen kann. Interesse der Arbeit ist daher, nicht den Begriff „Zwölftonmusik“, sondern das chromatische Total selbst ins Zentrum zu rücken und zu fragen, wie ein solch vergleichsweise marginaler Verknüpfungspunkt über Jahrzehnte hinweg zu derart strittigen Debatten führen und wie er zum entscheidenden Marker einer ganzen Stilrichtung werden konnte. Zentrale These der Untersuchung ist dabei, dass diese Funktion des chromatischen Totals nicht durch tatsächliche werkanalytisch festzustellende Verknüpfung oder ausgewiesene kompositorische Innovation zustande kommt, sondern vielmehr durch das semantische Potential, das der Tonkonstellation innewohnt. Durch Untersuchung und Dekonstruktion der Narrative, die dem chromatischen Total auferlegt werden, soll so einerseits gezeigt werden, wie spezifische historische Narrative speziell für das betrachtete Fallbeispiel zustande kommen. Anderseits soll durch die Betrachtung des spezifischen Exempels des chromatischen Totals uns seinen Bezug zum Terminus „Zwölftonmusik“ auch ein Beitrag historischen Stilbildungs- und Kategorisierungsmechanismen geleistet werden, indem Überlegungen zu Kriterien für die Herausbildung von Merkmalen angestellt werden, die eine solche Kategorisierung bestimmen.

    Doktorand: Jakob Uhlig
    Betreuung: Prof. Dr. Anne Holzmüller, Prof. Dr. Friedrich Geiger (München)

Abgeschlossene Promotionen (seit 1993)

1996

1997

  • Yong Hwan Kim, Das Konzertstück für Klavier und Orchester des 19. Jahrhunderts von Carl Maria von Weber bis Richard Strauss, veröffentlicht Marburg 1997 (Betreuer: Prof. Dr. Martin Weyer)
  • Herbert Lölkes, Ramlers "Der Tod Jesu" in den Vertonungen von Graun und Telemann: Kontext, Werkgestalt, Rezeption, veröffentlicht Kassel [u. a.]: Bärenreiter 1999 [Marburger Beiträge zur Musikwissenschaft 8] (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

1999

  • Kyung-Boon Lee, Musik und Literatur im Exil : Hanns Eislers dodekaphone Exilkantaten, veröffentlicht New York [u. a.]: Lang 2001 [Exil-Studien 9] (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)
  • Ingeborg Wesser, Musikgeschichte der Hohenlohischen Residenzstadt Kirchberg: von der Mitte des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, veröffentlicht Stuttgart [u. a.]: Metzler 2001 [Quellen und Studien zur Musik in Baden-Württemberg 5] (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

2000

  • Panja Mücke, Johann Adolf Hasses Dresdner Opern im Kontext der Hofkultur, veröffentlicht Laaber: Laaber-Verl. 2003 [Dresdner Studien zur Musikwissenschaft 4] (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

2001

  • Otfried von Steuber, Philipp Dulichius, 1562 bis 1631, Leben und Werk: mit thematischem Werkverzeichnis, veröffentlicht Kassel [u. a.]: Bärenreiter 1999 [Marburger Beiträge zur Musikwissenschaft 10] (Betreuer: Prof. Dr. Laurenz Lütteken)

2003

  • Konrad Dryden, Beyond Pagliacci: the life and works of Ruggiero Leoncavallo, veröffentlicht [Microfiche] 2003; Buchpublikation: Leoncavallo: Life and Works, Scarecrow Press, Langham, Md. and Oxford 2007 (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

2004

  • Sonja Gesse-Harm, Ironie und Sentiment. Heinrich Heine im Kunstlied des 19. Jahrhunderts, veröffentlicht Stuttgart [u. a.]: Metzler 2006 [Heine-Studien] (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

2006

  • Juliette Laurence Appold, Felix Mendelssohn Bartholdy. Landschaften in Briefen, Bildern und Musik, veröffentlicht Essen: Die Blaue Eule 2007 [Musikwissenschaft und Musikpädagogik in der Blauen Eule 77] (Betreuer: Prof. Dr. Lothar Schmidt)
  • Stefan König, Zwischen Kulturtransfer und Nationalismus. Die Sinfonie in Italien zwischen 1900 und 1945, veröffentlicht München; Salzburg: Katzbichler 2011 (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)
  • Johannes Behr, Johannes Brahms. Vom Ratgeber zum Kompositionslehrer, veröffentlicht Kassel: Bärenreiter 2007 (Betreuer: Prof. Dr. Laurenz Lütteken)

2008

  • Stefanie Rauch, Die Arbeitsweise Arnold Schönbergs. Kunstgenese und Schaffensprozess, veröffentlicht Mainz [u. a.]: Schott 2010 (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)

2010

  • Anselm Hartinger, Studien zu den Bach-Aufführungen in Leipzig in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Betreuer: Prof. Dr. Lothar Schmidt)
  • Andreas Trobitius, Das Streichsextett – Komponierte Instrumentation in der Kammermusik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, veröffentlicht Würzburg: Königshausen & Neumann 2013 (Betreuerin: Prof. Dr. Sabine Henze-Döhring)