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Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Blom

Vergleichende Glossen- und Marginalienforschung

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Glossen und Marginalien bilden einen der frühesten Zeugen der europäischen Volkssprachen: Aber wie wurden sie neben dem Lateinischen als der schriftlichen Standardsprache benutzt? Wie las man Texte in verschiedenen Sprachen zugleich, und warum? Die vergleichende Erforschung glossierter Handschriften bietet die Möglichkeit, die Sprachwahl der Schreiber in verschiedenen Teilen Europas zu analysieren. Daneben gilt es zu verstehen, wie Glossen in verschiedenen Sprachen neben sonstigen Schriftzeichen wie Interpunktion und Konstruktionshilfen benutzt wurden, und wie sie in die Seitengestaltung integriert sind. Erst vor kurzem hat die Forschung angefangen, den breiteren kulturellen Kontext dieser glossierten Handschriften zu berücksichtigen und Glossen und Marginalien als wichtige Zeugen für die Geschichte des Lesens und den mittelalterlichen Wissenstransfer zu betrachten.

Der Hauptforschungsschwerpunkt von Prof. Blom liegt im Bereich der Verschriftlichung der Volkssprachen in Westeuropa von der Spätantike bis ins Hochmittelalter. Seine komparatistische Herangehensweise verbindet historische Soziolinguistik mit Paläographie, Textphilologie, vergleichender Sprachwissenschaft und Kulturgeschichte. Damit versucht Prof. Blom, die frühe Schriftlichkeit in den keltischen und germanischen Sprachen innerhalb eines weiteren europäischen Horizonts zu verorten, insbesondere dort, wo sie in Gestalt von Glossen und Marginalien im Wechselspiel mit dem Lateinischen steht und sich als »multilinguales Lesen« gestaltet.

Geschichte der keltischen und germanischen Sprachwissenschaft innerhalb der europäischen Nationalromantik

Porträt von Rasmus Rask
https://commons.wikimedia.org

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt in der Rezeptionsgeschichte der keltischen und germanischen Philologie des 19. Jahrhunderts. Auch hier hat Prof. Blom eine komparatistische Herangehensweise entwickelt: Er setzt bei den Gelehrtennetzwerken und Briefwechseln unter Sprachwissenschaftlern und Philologen quer durch Europa an, um die Geschichte der Sprachwissenschaft innerhalb eines weiteren kulturhistorischen Horizonts der europäischen Nationalromantik zu verorten. Dabei interessiert ihn besonders die bisher kaum erforschte internationale Vernetzung des dänischen Sprachforschers Rasmus Rask (1787-1832) mit Gelehrten und Künstlern in Großbritannien, Deutschland, Skandinavien und Russland.