23.06.2026 Außerplanmäßige Professur

Für Klinische Pharmazie am Fachbereich Pharmazie der Philipps-Universität Marburg an Dr. med. Sibylle C. Roll

Am 18.06.2026 hat Frau Dr. med. Sibylle C. Roll mit einer Antrittsvorlesung zu aktuellen Entwicklungen bei psychotischen Erkrankungen offiziell ihre außerplanmäßige Professur für Klinische Pharmazie am Fachbereich Pharmazie der Philipps-Universität angetreten.

Frau Dr. med. Sibylle C. Roll hat 1985-1993 in Würzburg, Frankfurt und Zürich Humanmedizin studiert und war nach Promotion 1993 mit einer Arbeit zur Analyse von neoplasieassoziierten Leukozyten in Neoplasien und Karzinomen der Cervix uteri zunächst als Assistenzärztin in der Abteilung Gefäßchirurgie am Zentrum der Chirurgie des Katharinenhospitals Stuttgart tätig. Im April 1995 wechselte sie dann als Assistenzärztin in Weiterbildung an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Städtischen Kliniken Frankfurt/M-Höchst und fand dort ihre fachliche Bestimmung als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Nach weiteren Stationen als Assistenz- und Fachärztin in der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg (2000-2001), am Agaplesion Markus-Krankenhaus Frankfurt/M (2001-2003), am ZSP Hochtaunus (2003-2005) und als Oberärztin an der Dr. Horst Schmidt Klinik Wiesbaden (2005-2009) war Frau Dr. Roll zunächst stellvertretende Klinikdirektorin (2009-2010) und dann von 2011-2020 Ärztliche Direktorin des Vitos Klinikum Rheingau und Klinikdirektorin der Vitos Klinik Eichberg in Eltville. Seit 2020 ist sie Chefärztin der Klinik für psychische Gesundheit am varisano Klinikum Frankfurt Höchst und seit 2024 dort auch Ärztliche Direktorin.

Frau Prof. Roll hat über die Facharztausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie weitere Zusatzqualifikationen erlangt, unter anderem im Bereich Suchtmedizin, in der analytischen Psychotherapie von Psychosen, als Balintgruppenleiterin, als Ethikberaterin im Gesundheitswesen und im Aufbaustudiengang „Krankenhausbetriebswirtin“ mit Diplomabschluss.

Frau Dr. Roll hat sich in ihrer Laufbahn stets in Lehre und Forschung engagiert und gerade die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pharmazie in ihrem Fachgebiet in besonderer Weise gefördert und weiterentwickelt. Ihre Lehrtätigkeiten umfassen unter anderem Lehraufträge an der Fresenius Hochschule Idstein/Wiesbaden, an den Universitäten Frankfurt und Marburg sowie an der Universität Ivano-Frankvisk in der Ukraine. Besonders hervorzuheben sind auch Lehrtätigkeiten im Rahmen der „Advanced Pharmacy Practice Experience“, internationalen Rotationen von Pharmazeuten des College of Pharmacy der University of Florida, USA. Hier wurde sie 2015 zum Clinical Assistent Professor am Department of Pharmacology and Translational Research des College of Pharmacy der University of Florida ernannt und mit einem Lehrauftrag für Klinische Pharmazie versehen.

Wie der Prodekan des Fachbereichs Pharmazie, Prof. Dr. Carsten Culmsee, in der Vorstellung betonte, steht Frau Prof. Roll für die enge interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pharmazie, wie unter anderem in ihrem vielfältigen Engagement in der Lehre für Pharmazeuten und Apotheker zu erkennen ist, in ihren vielfältigen Beiträgen in Pharmazeutischen Fachzeitschriften und auf Fortbildungsveranstaltungen, aber vor allem am mehrfach ausgezeichneten „Eichberger Modell“ , das die Klinische Pharmazeutin fest in das Team auf den Stationen der Psychiatrischen Klinik integriert und so die Interaktion von Ärzten, Pflege und Patienten mit ihren Angehörigen fördert. Wie auch aus den vielfältigen klinischen Studien und Publikationen von Prof. Roll zu entnehmen ist, ist diese Integration der Klinischen Pharmazie in die Patientenversorgung auf Station ein entscheidender Schritt zur verbesserten Arzneimitteltherapiesicherheit und für das Patientenwohl.

Wie der Prodekan Prof. Culmsee bemerkte, zeigt dieses besondere und nachhaltige Engagement der Ärztin Prof. Roll für die interprofessionelle Zusammenarbeit die zukünftigen Perspektiven auf, wie Medizin und Pharmazie ihre Kenntnisse sinnvoll und erfolgreich zusammenbringen können. Das sei auch angesichts der aktuellen und zum Teil sehr kontroversen Diskussionen um die Kompetenzen und Aufgabengebiete der Heilberufe ein wichtiges Zeichen, wie mit zukunftweisenden Strategien der interprofessionellen Zusammenarbeit die Patientenversorgung effizient gestaltet werden kann.

Frau Prof. Roll ist eine erfolgreiche ausgewiesene klinische Forscherin und eine viel gefragte Lehrerin ihres Fachgebietes und auch als Ärztin durchgehend als Top-Medizinerin für die Fachgebiete Schizophrenie, Depression und Suchterkrankungen gerankt. Ihre fachliche Expertise wurde auch im Vortrag zu den aktuellen Entwicklungen bei psychotischen Erkrankungen eindrucksvoll deutlich. Engagiert berichtete sie von den neuen Erkenntnissen zur Pathologie von schizophrenen Psychosen, dem Risiko der Erkrankung infolge von Cannabiskonsum, den aktuellen Entwicklungen in der Pharmakotherapie und von zukünftigen Strategien zur Behandlung der Erkrankten. Sie ging dabei auch auf die besondere Vulnerabilität Jugendlicher ein sowie auf Unterschiede in Erkrankungsbild und Therapie zwischen den Geschlechtern.

Nach den umfassenden Darstellungen in der Antrittsvorlesung bildete ein Empfang mit weiterem Austausch und Diskussionen den schönen Ausklang des lehrreichen Nachmittags. Der Fachbereich Pharmazie der Philipps-Universität freut sich sehr, mit Frau Dr. Roll eine international ausgewiesene Fachärztin mit besonderem Engagement für die interprofessionelle Zusammenarbeit als außerplanmäßige Professorin für das Fach Klinische Pharmazie zu gewinnen. Diese Professur eröffnet weitere Möglichkeiten für die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pharmazie und ist zukunftweisend für die Ausbildung der Pharmaziestudierenden in Marburg.

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