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Arbeitsgruppe Janis Müller


Institut für Virologie
Hans-Meerwein-Str. 2
35043 Marburg

Tel: +49 6421 28- 21947
Fax: +49 6421 28- 68962

Publikationen

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Forschung

Antivirale Aktivität extrazellulärer Vesikel aus Körperflüssigkeiten

Humanpathogene neu- oder wieder-auftretende Viren stellen eine kontinuierliche Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Die AG Müller untersucht, wie neu-auftretende Viren übertragen werden und wie sie mit dem Wirt interagieren. Blut, Speichel, Muttermilch und Sperma: Viren können praktisch durch alle Körperflüssigkeiten übertragen werden. Körperflüssigkeiten sind jedoch nicht nur passive Vektoren, sondern haben Eigenschaften, welche Virusinfektionen unterstützen oder abschwächen. Dementsprechend entscheiden die Übertragungswege darüber, wie verschiedene Viren in eine Population eindringen und sich darin verbreiten und so zu Ausbrüchen wie jüngst der Zika und Ebola Virus Epidemie oder der SARS-CoV-2 Pandemie führen.

Das durch Mücken und Blut übertragene Zika-Virus findet sich auch in weiteren Körperflüssigkeiten, jedoch ist die Infektiosität in Sperma, Speichel und gelagerter Muttermilch verringert. Das erklärt, weshalb Übertragungen durch Geschlechtsverkehr, Küssen oder Stillen selten oder gar nicht stattfinden. Ursächlich dafür sind extrazelluläre Vesikel (EVs) im Sperma und Speichel, die das Eindringen von Viren in die Zielzellen verhindern. EVs sind eine heterogene Mischung aus membranösen Partikeln, die RNA, Proteine und Lipide enthalten und in großer Anzahl in Körperflüssigkeiten vorhanden sind. Sie sind an der intrazellulären Kommunikation und zahlreichen physiologischen und pathologischen Prozessen beteiligt und können eine Virusinfektion positiv oder negativ beeinflussen. Ihre antivirale Aktivität in Körperflüssigkeiten stellt einen neuartigen Mechanismus der angeborenen Immunabwehr dar, jedoch sind Entstehung, Beladung, Transport, Signaltransduktion und Effektorfunktionen der EVs kaum verstanden. Wir untersuchen dieses Zusammenspiel zwischen EVs und neu auftretenden Viren und wie sie zur antiviralen Immunität beitragen. Unsere Vision ist es, dieses Zusammenspiel genauer zu verstehen und induzierte oder künstlich hergestellte EVs zur Prophylaxe und/oder Therapie von Virusinfektionen einzusetzen.