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Eine algebraische Fläche vom Grad 6 (eine "Sextik"), die 65 Singularitäten besitzt.
 
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100 Jahre Mathematisches Seminar 

Ein Rückblick auf die Entwicklung der Mathematik in Marburg

von

Karl-Bernhard Gundlach


Erweiterte Fassung eines Vortrags zur Feier
des hundertjährigen Bestehens des Mathematischen Seminars der Universität Marburg.
Siegel der Universität
 
Festveranstaltug des Fachbereichs Mathematik der Universität Marburg am 25. Oktober 1985

 

Rector magnificus, Decani spectabiles, Professores illustres..., so hätte ich einen Festvortrag vor, sagen wir 150 Jahren, beginnen müssen; unsere Zeit ist nüchterner geworden. Was Marburg betrifft, so stand an der Spitze der Universität ein Prorektor; der Titel Rector magnificus war dem Landesherrn vorbehalten.1 Erst einige Jahre nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 wurde es der Universität ermöglicht, wieder von einem Rektor repräsentiert zu werden, allerdings nur bis zur Reformation der Universität vor 15  Jahren.
100 Jahre ist eine schöne runde Zahl, wie man zu sagen pflegt. Wir gehen zwar nicht so weit wie die mittelamerikanischen Mayas, die in ihren besten Zeiten mancherorts alle 5 Jahre eine Stele setzten mit dem Bemerken, daß wieder 5 Jahre vergangen seien,2  aber Nullen üben auch heutzutage noch eine erstaunliche Faszination aus.
100 Jahre Mathematisches Seminar - Was ist eigentlich dieses Mathematische Seminar? 1m Personal- und Vorlesungsverzeichnis findet man nichts, also - existiert es überhaupt? Die Bezeichnung erscheint zuletzt vor 30 Jahren, im Wintersemester 1955/56. 1m Januar 1956 wurde es durch ministerielle Verfügung in Mathematisches Institut umbenannt, aber auch dieser Name ist vergangen. 
 
Was ist geschehen?
 Ende der sechziger Jahre fand man, die Universität müsse reformiert werden. Das Wort weckt böse Assoziationen in Marburg. Die Universität wurde schon einmal reformiert, 1605, mit katastrophalen Folgen;3 schließlich war nicht einmal mehr klar, ob sie überhaupt noch existierte.4 Sie werden vielleicht sagen, „reformiert" hat an dieser Stelle eine andere Bedeutung. Glaubenssätze der Obrigkeit spielten aber damals wie heute eine Rolle. Jedenfalls kam 1966 ein Universitätsgesetz heraus. Es muß wohl nicht sehr gut gewesen sein, denn 4 Jahre später, 1970, gab es ein neues Gesetz. Auch dieses schien nicht gelungen, 4 Jahre später, 1974, kam wieder ein neues Universitätsgesetz, und so ging es weiter, 4 Jahre später, 1978, wurde uns abermals ein neues Universitätsgesetz beschert.5 Nach dem bekannten und beliebten Prinzip der unvollständigen Induktion mußten wir somit alle 4 Jahre ein neues Universitätsgesetz erwarten. Aber es ist merkwürdig, seitdem ist es wie abgeschnitten, kein Gesetz kommt mehr. Wir haben jedoch Verständnis. Von einer Landesregierung, die jahrelang froh sein konnte, überhaupt ein Haushaltsgesetz durch den Landtag zu bringen, wenn auch erst nach Ablauf des Haushaltsjahres,6 kann man weder die Zeit noch die Kraft erwarten, ein Universitätsgesetz zu entwerfen.
 
 
 Im Verlauf dieser, von den Initiatoren als Reform bezeichneten Änderungen, wurden mit Wirkung vom 31. März 1971 durch Verordnung des Kultusministeriums die Fachbereiche an der Universität Marburg gebildet. Und siehe da, der Fachbereich Mathematik entpuppte sich als nichts anderes als das alte Mathematische Institut, nur unter Übertragung einiger Aufgaben und Befugnisse der früheren Naturwissenschaftlichen Fakultät. So konstatieren wir im Grunde nur eine zweimalige Umbenennung, die Kontinuität ist gewährleistet. Wir sind berechtigt, 100 Jahre Mathematisches Seminar zu feiern.
Dieses Jubiläum lädt zu einem Rückblick auf die Geschichte der Mathematik an der Universität Marburg ein, der auch Aufschluß über Entstehung und Wesen des Seminars geben kann. 450 Jahre Mathematik in Marburg lassen sich natürlich in der zur Verfügung stehenden Zeit nur in den Hauptpunkten skizzieren.
 
Jeder historisch Gebildete wird mit Vergnügen feststellen, daß sich die Entwicklungsgeschichte der Mathematik an der Universität Marburg für eine Periodisierung geradezu anbietet. Man erkennt erstaunlicherweise, ohne den Tatsachen Gewalt antun zu müssen (wie es gelegentlich vorkommt), eine Gliederung in Perioden, die in sich homogen und scharf gegeneinander abgegrenzt sind.
Beginnen wir am Anfang. Die Zeit von der Gründung der Universität bis zum hessischen Erbfolgestreit konnte man als die Periode der Mediziner bezeichnen. Sieben Gelehrte hatten nacheinander von 1527 bis 1609 die Professur für Mathematik inne.7 Alle sieben waren beim Amtsantritt Doktoren der Medizin oder erwarben diesen Grad später. Vier von ihnen wurden schließlich Leibärzte deutscher Territorialfürsten, einer wurde Stadtphysikus in Frankfurt, ein anderer Professor der Medizin in Kopenhagen. Nur einer blieb Marburg erhalten, allerdings als Professor der Medizin und zeitweiliger Dekan der medizinischen Fakultät. Für die Entwicklung der zeitgenössischen Mathematik hatten sie keine Bedeutung. Der interessanteste ist der letzte, Johannes Hartmann, der ab 1609, noch bevor er Leibarzt des Landgrafen wurde, als Professor für Chemie erscheint, der erste derartige Professor in Europa. Sein Wirken ist von unseren Kollegen von der Geschichte der Pharmazie ausführlich beschrieben worden. Einige Bemerkungen mögen dieses 3/4-Jahrhundert der Mathematik als Durchgangsstation zur Medizin zwar nicht zu erklären, aber etwas verständlicher zu machen. Die Universität Marburg war als protestantische Landesuniversität, die schließlich auch die kaiserlichen Privilegien erhielt, vollständig mit den drei oberen Fakultäten der Theologen, Juristen und Mediziner und der unteren Artistenfakultät gegründet worden. Man hielt bei der Einrichtung der Universität und den ersten Berufungsvorschlagen engen Kontakt mit den Wittenberger Reformatoren, insbesondere mit Melanchton. Abweichend von der Neuordnung der Wittenberger Artistenfakultät von 1536, die zwei der zehn Professuren für die Mathematik und eine für die Physik reservierte,8 erhielt Marburg nur eine Professur für Mathematik, das Schwergewicht lag auf den Sprachen. Überdies umfaßte die Mathematik nach und nach die ganze Spanne von der reinen Mathematik (etwa durch Euklid zu charakterisieren) bis hin zu den mannigfachsten Anwendungen, über Mechanik und Geographie bis zur Festungsbaukunst.9 Die Mathematikprofessur stand in der Rangordnung der Professoren ganz unten mit einem Anfangsgehalt, das mit dem eines Dorfgeistlichen vergleichbar war,10 bot also keinen Anreiz für bedeutendere Gelehrte oder längeres Verweilen.
 
 
Das nächste halbe Jahrhundert übergehe ich. Es ist die Zeit des hessischen Erbfolgestreites, die Universität wird reformiert, die "konservativen" Professoren werden entlassen, die Universität Gießen wird gegründet, die Universität Marburg wird langsam ausgezehrt und muß 1653 neu konstituiert werden. Die Professur für Mathematik wird erst 1656 wieder besetzt.
Es kommt die Zeit der beiden Universalisten, 1656-1695. Der erste von ihnen ist Johannes Magirus. Er ist (wen verwundert es) Dr. med., Professor der Mathematik in Marburg ab 1656, dazu ab 1659 Professor der Geschichte, zusätzlich ab 1661 Professor der Medizin, 1668 gleichzeitig Dekan der philosophischen und der medizinischen Fakultät. Er las über Geschichte, Anatomie, Chirurgie, Botanik, Pathologie, Physiologie, Pharmakologie, Hygiene, Arithmetik, Geometrie, Optik, Astronomie, Chronologie, Geographie, Taktik, den Bau von Dreschmaschinen, Kraftfahrzeugen, Unterseebooten, über Kryptographie und Musik etc. Der andere ist Denis Papin, nach guter Marburger Tradition auch Dr. med., der jeder Hausfrau als Erfinder des Dampfkochtopfs bekannt ist. Auch diese beiden spielen für die Entwicklung der zeitgenössischen Mathematik keine Rolle.
Auf eine Lücke 1695-1723, in der das Ordinariat de facto unbesetzt war, folgt die Zeit der Philosophen, 1723-1808, die neben der Philosophie die Mathematik und daneben noch das eine oder andere zusätzliche Fach, meistens unter anderen die Physik, vertraten. Die herausragende Gestalt ist der erste, Christian Wolff, der 1723-1740 in Marburg wirkte.
Christian Wolff war vor und nach seiner Marburger Zeit an der Universität Halle tätig. Er hatte sich insbesondere durch seine philosophischen Schriften einen Ruf erworben, als der schon latente Konflikt mit den Theologen anläßlich seiner Rektoratsrede 1721 durch einen Zensurversuch des Dekans der theologischen Fakultät offen zum Ausbruch kam. Der Streit gipfelte in seiner Entlassung und Ausweisung. Halle mußte er binnen 24 Stunden verlassen, die Brandenburgischen Lande binnen 48 Stunden. Es ist ein glücklicher Umstand für Marburg, daß Hessen die günstige Gelegenheit ergriff, ihn zu gewinnen. Seine 17 Jahre dauernde Tätigkeit in Marburg gab dieser Universität großen Auftrieb.
Er galt als ausgezeichneter Redner und zog viele Studenten an. Er publizierte unaufhörlich. Seine Bedeutung für die Mathematik liegt in seinen Bemühungen um die Gestaltung des Mathematikstudiums und in seinen Lehrbüchern, Lexika und Handbüchern der reinen und angewandten Mathematik im weitesten Sinne. Er begann 1710 mit der Herausgabe der "Anfangsgründe der Mathematischen Wissenschaften" in 4 Teilen auf deutsch, in denen es heißt: "Weil es mir an einem geschickten Buche fehlte, nach dem ich meine Lectiones zum Nutzen der Studierenden einrichten konnte, so habe ich A.1710..." . 1717 veröffentlichte er einen Auszug hieraus für die ersten Anfänger. Ein Höhepunkt waren seine "Elementa Matheseos universae" in 5 Bänden, die in seiner Marburger Zeit in wesentlich erweiterter Neuauflage erschienen. Im 5. Band findet man ein Kapitel mit dem Titel "Modo instituendi studium Matheseos intellectus perficiendi causa" mit einer Art Anleitung zum Studium. Wir können daher heute neben dem Jubiläum des Seminars auf ein Vierteljahrtausend Studienreform in Mathematik an der Universität Marburg zurückblicken.
Nach den Philiosophen beginnt eine Zeit des Übergangs. Napoleon hatte das Königreich Westfalen installiert. Die Regierung von König Lustig empfand die Zahl der Universitäten als zu hoch. Marburg hatte Glück, die Universität blieb bestehen. Zunächst wurde 1808 Johannes Gundlach, der in Cassel als besoldeter Lehrer der Mathematik und Physik bei den Berg- und Forstalumnen und den Bauaccessisten gewirkt hatte, zum ordentlichen Professor der Mathematik und Physik an der Universität Marburg und zum Direktor des mathematisch-physikalischen Apparates ernannt, der über eine Reihe von Geräten verfügte, die wohl größtenteils beim Stellenabzug 1786 vom Carolinum in Cassel nach Marburg mitgekommen waren.11
 
 
 1810 kam Georg Wilhelm Muncke vom aufgehobenen Gregorianum aus Hannover nach Marburg, so daß Marburg jetzt zwei Professoren der Mathematik und Physik und der mathematisch-physikalische Apparat zwei Direktoren hatte. Das führte zu Schwierigkeiten. 1812 wurde für Johannes Gundlach ein eigenes Mathematisches Institut abgetrennt, das bis zu seinem Tod 1819 bestand.12
1817 änderten sich die Marburger Verhältnisse durch die Berufung von Christian Ludwig Gerling als Professor der Mathematik, Physik und Astronomie. Gerling war Schüler von Gauß. Er ist der Begründer des Physikalischen Instituts, das bis Anfang dieses Jahrhunderts noch mathematisch-physikalisches Institut hieß. Er pflegte Physik, Astronomie und Anwendungen der Mathematik, bedeutend ist seine Mitarbeit bei der kurhessischen Landesvermessung. Die reine Mathematik spielte aber im ganzen gesehen nur eine Nebenrolle. In seinem Briefwechsel mit Gauß wird sein Institut als astronomisch-physikalisches Institut bezeichnet.13  Die reine Mathematik bekam erst mehr Gewicht, als 1848 Friedrich Ludwig Stegmann zum ordentlichen Professor für Mathematik (jetzt ohne zusätzliche Fächer) ernannt wurde. Dr. med. Stegmann hatte Medizin und Mathematik studiert. Er entschied sich für das Lehramt und war 1837 -1838 Praktikant, dann bis 1840 Hilfslehrer am Gymnasium in Marburg. 1840 folgte die Promotion zum Dr. phil. und die Habilitation für Mathematik, daneben war er Lehrer an der Realschule, bis er 1845 zum außerordentlichen Professor der Mathematik ernannt wurde. Seine Arbeiten sind alle in Grunerts Archiv erschienen, das nicht zu den bedeutenderen Zeitschriften gehörte.14 In der Bibliothek haben wir noch sein Lehrbuch der Variationsrechnung aus dem Jahre 1854. Als akademischer Lehrer hatte er einen sehr guten Ruf. Stegmann bekleidete das Ordinariat bis zu seinem Tod 1891 im Alter von 78 Jahren. Damit haben wir die Zeit der Gründung des Mathematischen Seminars erreicht.
An dieser Stelle muß ich kurz auf die Vorgeschichte der Gründung mathematischer Seminare an den deutschen Universitäten eingehen.15 Predigerseminare zur praktischen Ausbildung der Theologen hatte es bereits im 16. Jahrhundert gegeben. In Anlehnung hieran wurde 1737 in Göttingen ein Seminarium philologium als ständige Einrichtung gegründet, um die Vorlesungen der Altphilologen durch Übungen zu ergänzen. 1787 folgte ein philologisch-pädagogisches Seminar in Halle. Von einem Mitglied dieses Seminars wurde 1812 in Berlin für die Altphilologie ein philologisches Seminar eingerichtet. Auch die Mathematiker empfanden die Notwendigkeit, die Vorlesungen durch Übungen zu ergänzen, so geschah es etwa ab 1780 in Wittenberg. Pläne in Göttingen um 1800 für ein mathematisches Seminar wurden jedoch nicht verwirklicht. Dagegen erwähnen die Studienpläne der Universität Halle 1832, daß es neben dem philologischen Seminarium für die Bildung gelehrter Schulmänner und künftiger Sprach- und Altertumsforscher (hier wird auf die Analogie zu den Theologenseminaren ausdrücklich hingewiesen) Privatvereine einiger Universitätslehrer mit ähnlichen Aufgaben gäbe, z.B. die Historische Gesellschaft und die Mathematische Gesellschaft.
 
 
Im preußischen Kultusministerium war schon 1823 im Zusammenhang mit den Versuchen, Gauß nach Berlin zu berufen, die Gründung eines polytechnischen Institutes dort erwogen worden. 1828 bat der Geheime Baurat Crelle aus dem Innenministerium, der leitend an vielen öffentlichen Bauvorhaben beteiligt gewesen war, wegen eines Augenleidens um Versetzung in das Kultusministerium. Crelles Liebe gehörte der Mathematik. Er gründete 1826 das Journal für reine und angewandte Mathematik, eine der bedeutendsten mathematischen Zeitschriften, das heute noch besteht und allgemein als Crelles Journal bekannt ist. Crelle wurde versetzt und umgehend um ein Gutachten für ein polytechnisches Institut gebeten. Er legte unverzüglich den Plan eines mathematischen Seminars mit Bibliothek und Lesezimmer vor.
1834 genehmigte das Kultusministerium die Satzung für ein mathematisch-physikalisches Seminar in Königsberg, das zunächst provisorisch eingerichtet und 1839 durch Abzweigung von einem 1835 gegründeten Seminar für die gesamten Naturwissenschaften offiziell errichtet wurde. Einen wesentlichen Anteil hieran hatte Jacobi. Jacobi hatte in Berlin Mathematik und Altphilologie studiert und an den Veranstaltungen des philologischen Seminars teilgenommen. Er ist einer der bedeutenden Mathematiker der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, bekannt durch Untersuchungen auf vielen Gebieten, so etwa über elliptische Funktionen. Das erste rein mathematische Seminar wurde aber erst 1864 in Berlin eingerichtet. Das Finanzministerium leistete dann noch drei Jahre Widerstand gegen die Etatisierung, da durch die Teilnahme am Seminar die Freiheit des akademischen Studiums beeinträchtigt wurde. Nach und nach folgten weitere Seminare, bis in Preußen nur noch Marburg ohne eine derartige Einrichtung war.
Wie sah es nun in Marburg aus? Seit Ende der sechziger Jahre waren die Studentenzahlen erheblich angestiegen. Hatte die Universität Marburg bis dahin wenig über 200 Studenten gehabt, so waren es im Sommersemester 1887 zum ersten Mal seit der Neustiftung 1653 mehr als 1000, nämlich 1007 einschließlich der Gasthörer, was die Stadt am 13. Juli in einem Waldfest feierte.16 Als Folge verschlechterten sich die Berufsaussichten der Akademiker, besonders im Lehramt, erschreckend. Ein Provinzialschulrat äußerte damals, man könne mit den Köpfen der mathematischen Kandidaten des höheren Lehramts die Straßen von Ostfriesland bis Hannover pflastern.17 Die steigenden Studentenzahlen führten zum Ausbau der Universität. Ab 1876 wurde die Errichtung einer zweiten ordentlichen Professur für Mathematik betrieben, auf die 1884 Heinrich Weber berufen wurde. Allerdings stellte gleichzeitig Friedrich Ludwig Stegmann, der, wie es in einem Nachruf heißt18, zunehmend die Last des Alters spürte, seine Vorlesungstätigkeit ganz ein und erschien auch zu den geschäftlichen Sitzungen immer seltener und schließlich gar nicht mehr.
 
Heinrich Weber war einer der aktivsten deutschen Mathematiker, ordentlicher Professor an vielen Universitäten zwischen 1870 und 1913, in Marburg von 1884 bis 1892. Er soll von allen deutschen Mathematikern die meisten Rufe gehabt haben. Eine Würdigung seiner Person würde den Rahmen dieses Vortrages sprengen. Es sei hier nur an sein dreibändiges Lehrbuch der Algebra erinnert, das wesentlich weiter ausgreift, als der Titel andeutet. Es erlebte damals schon mehrere Auflagen und wurde in neuester Zeit noch einmal nachgedruckt. Zum 1.10.1884 ernannt, beantragte Weber am 11.11.1884 beim Ministerium die Gründung eines mathematischen Seminars und Mittel zu seiner Einrichtung.19
 
 Am 23. Januar 1885 wurden 1000 Mark bewilligt und die wohlwollende Erwägung eines laufenden Etats ab 1. April 1886 zugesagt, der am 23. Februar 1886 in Höhe von 500 Mark genehmigt wurde. Als offizielles Gründungssemester gilt das Wintersemester 1885/86. Weber hatte aber inoffiziell bereits im Wintersemester 1884/85 begonnen und im Sommersemester 1885 das Seminar in eine obere Abteilung unter seiner Leitung und eine untere Abteilung unter Leitung des Extraordinarius Heß geteilt. Im Februar 1886 beantragte Weber weitere 1000 Mark, die er auch erhielt, und im August 1887 1200 Mark zum Nachkauf von Crelles Journal. Auch diese Summe wurde bewilligt, aber leider aus einem Fond, der nach Auskunft des Kurators bereits erschöpft war. Nach einigem Hin und Her wurde das Geld jedoch beschafft. Nach Fertigstellung der neuen Aula 1891 erhielt das Mathematische Seminar bei der Neueinteilung der Räume der Universität das Zimmer Nr. 4 und war damit nach Meinung von Weber ausreichend untergebracht.20 Andere Institute waren weniger glücklich. Die Chronik berichtet z.B. aus der damaligen Zeit über die unhaltbaren Zustände im Hygiene-Institut. Man hat in der Tat manchmal den Eindruck, es habe sich seit damals nichts geändert!21
Als Weber 1892 nach Göttingen berufen wurde, erhielt er in Schottky einen würdigen Nachfolger. Schottkys Hauptarbeitsgebiet war die Theorie der komplexen Funktionen, über die nachher der Kollege Remmert sprechen wird. Gleichzeitig wurde der Extraordinarius Heß zum ordentlichen Professor ernannt, aber offenbar nur zum persönlichen Ordinarius, nicht zum etatmäßigen (sein Vorgänger Stegmann war 1891 gestorben). Inzwischen sanken die Studentenzahlen im Fach Mathematik. Hatte das Seminar 1886/87 noch über 30 eingeschriebene Studenten gehabt, so verzeichnet der Jahresbericht für das Wintersemester 1892/93 in der oberen Abteilung nur noch vier und in der unteren Abteilung drei Teilnehmer. Ab 1893 werden dann bis auf eine Ausnahme keine Teilnehmerzahlen mehr, sondern nur noch die gestellten Themen mitgeteilt. Erinnert man sich daran, daß Georg Cantor bereits die Mengenlehre begründet hatte, so ist der Verdacht nicht auszuschließen, daß gelegentlich über die leere Menge berichtet wurde. Die Ausnahme bildet das Berichtsjahr 1895/96 mit 6 Teilnehmern des Unterseminars im Sommersemester und 7 Teilnehmern im Wintersemester. Die „große“ Teilnehmerzahl verursachte offenbar neue Probleme. Die Akten des folgenden Jahres enthalten Teile eines Briefwechsels mit dem Kurator, der die Direktoren auffordert, die Nachforschungen nach den fehlenden Büchern fortzusetzen. Die Direktoren antworten, man habe fast ein Jahr beständig, aber vergeblich, nach den abhandengekommenen Büchern geforscht. Der Kurator schlägt hierauf vor, am Semesteranfang die Seminarteilnehmer durch Handschlag zu verpflichten, nie ein Buch ohne Erlaubnis aus dem Seminarzimmer zu entfernen.
 
Nach der Jahrhundertwende stiegen die Studentenzahlen wieder rapide an. Der Jahresbericht 1904/05 meldet für das Sommersemester 1904 bereits 75 Seminarteilnehmer. Hohe Studentenzahlen mit in der Regel steigender Tendenz bestimmten das Bild mit Ausnahme einiger Einbrüche im ersten Weltkrieg und in der Mitte der zwanziger Jahre auch für die folgenden drei Jahrzehnte. Diese Zeit steht in Marburg im Zeichen von Kurt Hensel, der im Jahre 1902 als Nachfolger von Schottky nach Marburg kam. Neben ihm wirkte Ernst Neumann als Nachfolger des 1902 gestorbenen Prof. Heß, vom Jahre 1905 an als Extraordinarius und ab 1908 als planmäßiger Ordinarius. Die Mathematik wurde so in Marburg bis zum Jahre 1963 von zwei ordentlichen Professoren vertreten. Außerdem lehrten einige Privatdozenten, meistens waren es mindestens zwei, von denen in der Regel einer für die angewandte Mathematik zuständig war. Ernst Neumann hatte sich 1899 noch im Jahre seiner Leipziger Promotion in Halle für Mathematik und mathematische Physik habilitiert. 1901 wurde er als Extraordinarius für mathematische Physik nach Breslau berufen. Auch in Marburg las er häufig über angewandte Themen. Erwähnenswert sind seine Vorlesungen über die Relativitätstheorie, die 1920 auch als Buch herauskamen. Mathematisch bedeutender war aber Hensel, der Begründer der Theorie der p-adischen Zahlen. Da Herr Kollege Roquette nachher hierauf näher eingehen wird, kann ich auf eine Würdigung des mathematischen Wirkens von Hensel verzichten22 und mich wieder den äußeren Umständen der Frühgeschichte des Mathematischen Seminars zuwenden.
 
Die Geschichte der Einrichtung des zweiten Ordinariats für Mathematik, die eng mit der Begründung des Mathematischen Seminars zusammenhing, und das Schicksal der Bemühungen, wenigstens für die angewandte Mathematik noch ein planmäßiges Extraordinariat vorzusehen, bilden ein sehr schönes Beispiel preußischer Sparsamkeit. Bereits 1870 hatte die Fakultät eine zweite Professur für Mathematik als notwendig bezeichnet. 1871 schlug sie vor, den Privatdozenten Dr. von Drach zum außerordentlichen Professor zu befördern mit 400 Talern Gehalt, nur zur persönlichen Anerkennung seiner Leistungen und auch wegen seiner schlechten finanziellen Lage. Allerdings sei mit diesem Antrag der Wunsch nach einem zweiten Ordinariat für Mathematik nicht erledigt. Überraschend wurde daraufhin 1872 Dr. von Drach zum außerordentlichen Professor ernannt, aber mit einem viel höheren Gehalt, als die Fakultät vorgeschlagen hatte. 1876 wurden Verhandlungen über die Beförderung des Privatdozenten Dr. Heß zum außerordentlichen Professor aufgenommen mit dem Wunsch, ihm ein angemessenes Gehalt zu zahlen, falls Dr. von Drach versetzt wurde. Zu der Versetzung des Dr. von Drach ist zu sagen, daß er später wegen kunsthistorischer Studien in Berlin von der Abhaltung von Vorlesungen entbunden wurde, und daß er 1893 einen Lehrauftrag für mittlere und neuere Kunstgeschichte erhielt. Er ist der Begründer des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Universität Marburg, hat aber bis zum Sommersemester 1895 noch ab und zu mathematische Vorlesungen angekündigt. Weitere Einzelheiten enthält ein 1876 angelegtes Aktenstück, das den Titel trägt: Akten, betreffend die Begründung einer zweiten ordentlichen Professur für Mathematik.23  Es beginnt mit einem Schreiben des Ministeriums mit der Mitteilung, es sei nicht möglich gewesen, unter den obwaltenden besonderen Umständen die Begründung einer zweiten ordentlichen Professur für Mathematik herbeizuführen. 1883 erneuerte die Fakultät ihren Antrag und wies darauf hin, daß gerade zwei kw-Professuren in der Theologie freigeworden seien. Das Ministerium antwortete mit der Aufforderung, eingehend zu begründen, warum neben dem ordentlichen Professor Stegmann und dem etatmäßigen außerordentlichen Professor Dr. von Drach noch ein weiterer Professor für Mathematik nötig sei. Die Fakultät schilderte die Vorgeschichte und führte aus, daß ein zweites Ordinariat nötig sei wegen der Bedeutung der Mathematik, vieler Doktorandenaspiranten und der Wünsche der Studenten nach der Einrichtung eines mathematischen Seminars. Außerdem sei der Professor Stegmann jetzt fast 70 Jahre alt und der Professor Heß, für den man ein Extraordinariat mit einem kw-Vermerk vorschlug, zwar qualifiziert, aber vielleicht doch mehr für den Unterricht in Elementarmathematik geeignet. Nach einigem Hin und Her wurde dann Heinrich Weber zum 1. Oktober 1884 als ordentlicher Professor an die Universität Marburg berufen und vom Ministerium der Universität Sondermittel für seine Besoldung zugewiesen. Nun hatte aber Stegmann mit Webers Amtsantritt seine Vorlesungstätigkeit eingestellt, worauf das Ministerium mit der Mitteilung reagierte, da Stegmann unerwartet außer Tätigkeit getreten sei, sei das Geld für die Besoldung von Weber nicht mehr nötig. Man könne Weber (zuzüglich eines Extrazuschusses an die Universität) aus dem Aufkommen der Stelle für Stegmann besolden, für den eine Ersatzprofessur vorgesehen sei.
1892 erhielt Weber einen Ruf an die Universität Göttingen, den er auch annahm. Die Fakultät war entsetzt und schrieb an das Ministerium, man fühle sich durch die zugunsten von Göttingen erfolgte Berufung von Weber schwer geschädigt. Gleichzeitig reichte sie Berufungsvorschläge für die Nachfolge ein und schlug vor, Prof. Heß zum ordentlichen Professor zu ernennen. Heß war seit 1877 als Extraordinarius geführt worden. Man erwähnte dazu, daß zwar ein zweites Extraordinariat für Mathematik existiere, nämlich das mit dem Herrn von Drach besetzte, dieser sei jedoch für Studien und Arbeiten in einem ganz anderen Gebiete abgezogen und für lange beurlaubt. Das Ministerium reagierte sehr schnell. Nachdem der an erster Stelle der Liste stehende Lindemann abgelehnt hatte, wurde Schottky berufen. Zunächst hatte sich der Minister wegen Heß eine Verfügung vorbehalten, ernannte ihn aber dann ebenfalls zum Ordinarius, jedoch nur zum persönlichen Ordinarius, d.h., die Stelle blieb weiter ein Extraordinariat. Besondere Blüten trieb die Sparsamkeit bei der Behandlung von Hensel, der als Nachfolger von Schottky 1902 nach Marburg berufen wurde. Hensel hat 1884 in Berlin bei Kronecker promoviert und sich dort im Jahre 1886 habilitiert. 1891 wurde er auf ein Extraordinariat in Berlin berufen. Er berichtete über seine Verhandlungen, daß Althoff, der damals Referent für Universitätsangelegenheiten war, ihm das ihm eigentlich zustehende Gehalt mit der Begründung verweigert hatte, er hätte ohnedies genug Geld.24  In seiner Personalakte steht dann auch bei der Angabe der Ernennung zum außerordentlichen Professor der Vermerk "ohne Gehalt". Hensel war in der Tat vermögend und hat sogar später eine ihm zugesagte Gehaltserhöhung jahrelang nicht in Anspruch genommen. Im Zuge der Berufungsverhandlungen 1902 erfuhr die Fakultät, daß das Ministerium beabsichtigte, Hensel nur zum persönlichen Ordinarius zu ernennen. Die Fakultät schrieb an den Minister, sie bedauere diesen Sachverhalt außerordentlich und weise noch einmal darauf hin, daß es sich hier um das einzige etatmäßige Ordinariat für Mathematik handele. Der Minister verlangte daraufhin eine schleunige Erklärung der Fakultät, woher sie diese Nachricht habe und erhielt die Antwort, Schottky habe sie informiert. Hensel wurde trotzdem zunächst nur zum persönlichen Ordinarius ernannt. In einem separaten Schreiben wurde der Universität mitgeteilt, daß die Stelle als planmäßiges Extraordinariat geführt werde und daher als Besoldung nur die eines planmäßigen Extraordinarius in Frage käme. Das Ministerium hat sich jedoch erweichen lassen und ihm am 10.1.1903 das planmäßige Ordinariat verliehen.
In Bezug auf die angewandte Mathematik blieb das Ministerium hart. Im Grunde waren Bemühungen um eine stärkere Vertretung der angewandten Mathematik an vielen Universitäten nichts neues. Schon der Studienplan der Universität Halle vom Jahre 1831 wies die Studenten der Mathematik und der Naturwissenschaften, die gewöhnlich die Absicht hatten, Lehrer zu werden, wie betont wird, nachdrücklich auf die angewandte Mathematik hin. In Marburg war traditionell die Geodäsie gepflegt worden, ich erinnere hier nur an die Tätigkeit von Gerling. Auch das Kultusministerium hatte anläßlich eines Berichtes von Weber aus dem Jahre 1888 über die Tätigkeit des Mathematischen Seminars mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß in Marburg die elementare Mathematik (einschließlich der Anwendungen) gebührend berücksichtigt würde. Hauptvertreter der angewandten Mathematik waren hier der Privatdozent Dr. Dalwigk, der zunächst Übungen über darstellende Geometrie und das Anfertigen von Modellen abhielt, und Prof. Heß, der über Geodäsie las und praktische Übungen veranstaltete. Nach dem Tode von Heß war Dr. von Dalwigk bis zum ersten Weltkrieg der Vertreter der angewandten Mathematik in Marburg. Das Ministerium konnte sich jedoch trotz wiederholter Anträge nicht zur Einrichtung eines planmäßigen Extraordinariats für angewandte Mathematik entschließen. Bei Sachmitteln war man etwas großzügiger. Die Forderungen waren allerdings auch recht bescheiden.
Hier hatte man die neue Prüfungsordnung für das Lehramt vom 1. April 1899 zum Anlaß genommen, einen Zuschuß für die Einrichtung der angewandten Mathematik zu beantragen. 200 Mark einmalige Mittel wurden bewilligt und ein laufender Etat von 150 Mark. 1908 äußerte man den Wunsch nach einer geeigneten Tafel in der Größe 250x150 cm, ca. 60 cm auf- und abschiebbar, mit Gegengewicht. Da sie aus Holz sein sollte (um einen Zirkel ansetzen zu können), entstünden nur mäßige Kosten. 1914 reichte v. Dalwigk ein Gesuch um 65-70 Mark für ein Reißzeug ein (v. Dalwigk schrieb damals bereits mit der Schreibmaschine, während die Korrespondenz des Kuratoriums noch handschriftlich geführt wurde). Auch für die Bibliothek des Seminars wurden ab und zu Sondermittel bewilligt. Einen Antrag auf 1000 Mark Zuschuß im Jahre 1906 begründet Hensel, ganz modern anmutend, mit den stark gestiegenen Preisen für Bücher und Zeitschriften.
Von den Privatdozenten, die in der ersten Zeit des Mathematischen Seminars in Marburg wirkten, möchte ich insbesondere Adolf Kneser (1884-1886), Eduard Study (1888-1893), Rudolf Fueter (1905-1907) und Ernst Hellinger (1909-1914) erwähnen. Hellinger wurde 1914 als Extraordinarius an die neugegründete Universität in Frankfurt berufen (ab 1920 Ordinarius). 1935 wurde er als Jude abgesetzt und nach dem Programm im November 1938 in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Seiner in Amerika lebenden Schwester gelang es, ihm die Auswanderung nach Amerika zu ermöglichen.25
 
 Bis zum Amtsantritt von Ernst Neumann 1905 war Otto Blumenthal ein Jahr lang als Vertreter mit der Abhaltung von Vorlesungen und Übungen beauftragt. Er äußerte später, daß die Staatsexamenskandidaten in Marburg in der mündlichen Prüfung in der großen Überzahl unbefriedigend gewesen seien. Es fehle ihnen an Schwung und Überblick. Ein Grund sei eine Tradition, die ein bestimmtes Examenspublikum nach Marburg führe.26  Otto Blumenthal war Schüler von Hilbert (er war dessen erster Doktorand). Er hatte sich 1901 in Göttingen habilitiert und wurde 1905 an die Technische Hochschule Aachen berufen. 1933 setzte man ihn als Juden ab, 1939 ging er nach Holland. Von dort deportierten ihn später die Nazis nach Theresienstadt, wo er 1944 starb.27  Wie Blumenthal allerdings ebenfalls hervorhob, gab es durchaus auch gute Studenten in Marburg. So studierten hier kurz vor dem ersten Weltkrieg Abraham Fraenkel und Alexander Ostrowski, die beide gekommen waren, um bei Hensel zu arbeiten. Fraenkel promovierte 1914 bei Hensel und habilitierte sich 1916 in Marburg. Ihm verdanken wir eine ausführliche Schilderung der damaligen Marburger Verhältnisse in seinen Lebenserinnerungen.28
Nach der Zäsur des ersten Weltkrieges strömten wieder viele Studenten an die Marburger Universität. Das mathematische Leben begann aufzublühen. Helmut Hasse promovierte 1921 bei Hensel und habilitierte sich 1922, ging jedoch zum darauf folgenden Wintersemester nach Kiel. Fraenkel wurde 1922 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt und blieb in Marburg bis 1928. Er arbeitete vornehmlich auf dem Gebiete der Mengenlehre. 1923 fand in Marburg die Jahrestagung der Deutschen Mathematikervereinigung statt.
 
 
Die äußeren Umstände waren für das Seminar nach dem ersten Weltkrieg zunächst nicht besonders günstig. Die Unterbringung des Seminars entsprach nicht mehr den Bedürfnissen. Zwar war das neue Hörsaal-, Seminar- und Verwaltungsgebäude (das sog. Landgrafenhaus) gerade fertiggestellt worden, nach mündlicher Überlieferung hatte man jedoch das Mathematische Seminar schlichtweg vergessen, weil der Geheimrat Hensel zwar in der Baukommission gewesen, aber nie hingegangen war. So wurde das Mathematische Seminar 1919 aus dem Hörsaalgebäude erst einmal in das alte physikalische Institut verlegt. Glücklicherweise konnte es 1920 anstelle der Theologie doch noch in das Verwaltungsgebäude einziehen. Weitere Schwierigkeiten brachte die fortschreitende Geldentwertung. Es begann im Juni 1921 mit der Genehmigung einer Etatüberschreitung um 1000 Mark, die aber kaum einen Ausgleich für die im Antrag angegebene Steigerung der Kosten für Bücher und Zeitschriften auf das Siebenfache bot. Die Inflation schritt immer stärker voran. 1923 kam es sogar zu einer Rücktrittsdrohung von Neumann für den Fall, daß die notwendigen Mittel weiter gesperrt sein sollten. Ein Erlaß kündigte die Aussicht auf die Genehmigung einer Überschreitung des Etats um das 149-fache an. Mehrfach wurden Vorschüsse gezahlt, schließlich ein Vorschuß von 72 300 000 000 000 Mark.
Auch nach dem Ende der Inflation verursachten die steigenden Studentenzahlen und die knappen Mittel besonders für die angewandte Mathematik große Schwierigkeiten. Die angewandte Mathematik wurde in dieser Zeit von Maximilian Krafft vertreten. Er hatte 1914 in Marburg promoviert und sich 1923 in Münster habilitiert. Ab 1926 hatte er einen Lehrauftrag für angewandte Mathematik an der Universität Marburg, wo er mit kurzen Unterbrechungen bis zu seiner Pensionierung 1956 blieb. Er mußte mit den Übungen in Darstellender Geometrie zeitweise in den Zeichensaal der Städtischen Oberrealschule ausweichen, da nach seinen Angaben der obere Raum des Lesezimmers nur höchstens 9 Personen Platz bot, während an den Übungen bereits über 30 Studenten teilnahmen. Zwischendurch brach am 31.5.1927 ein Brand im Landgrafenhaus aus, der die zeitweilige Räumung des Mathematischen Seminars zur Folge hatte. Die Schäden für das Seminar waren allerdings gering, die Verluste wurden auf einen Wert von 127 Mark beziffert. Im Juni 1928 entschloß man sich zu einem Antrag auf Anstellung eines älteren Studenten für Korrekturen bei einer Bezahlung von 10 Reichsmark pro Woche. Neumann betonte bei dieser Gelegenheit, daß es im Prinzip nicht gut sei, Korrekturen durch Studenten ausführen zu lassen, daß aber sonst die Arbeit nicht zu schaffen sei. Die Teilnehmerzahl an den Übungen zur Darstellenden Geometrie war inzwischen auf 70 angewachsen. Auch der Platz im Seminar wurde immer knapper. In einem dringenden Abhilfeersuchen im August 1928 gab Hensel an, daß das Seminar mittlerweile 230 eingeschriebene Mitglieder hatte und insgesamt 423 Studenten der Mathematik und Naturwissenschaften versorgt werden müßten, wozu noch 73 Chemiestudenten kamen, die auch Mathematik hörten. Wenige Tage später vereinbarte der Rektor in einer Besprechung mit Hensel und Krafft, daß der Hörsaal 9 des Landgrafenhauses dem Mathematischen Seminar als Seminarraum zugesprochen werden sollte.
Das Jahr nach Hensels Emeritierung zum Ende des Wintersemesters 1928/29 stand im Zeichen weiter wachsender "Überlast", wie man heute sagen würde. Die Marburger Studenten der Mathematik verfaßten einen Brief an den preußischen Kultusminister, in dem sie beklagten, daß es im Wintersemester 1929/30 für 518 Studenten der Mathematik nur 27 angekündigte Wochenstunden gäbe, worunter keine höheren Vorlesungen seien, und daß die Dozenten durch die Überanstrengung im letzten Semester in einem derartigen Zustand seien, daß sie den Vorlesungsplan nur bei Hintansetzung gesundheitlicher Rücksichten durchhalten kannten. Es kam hinzu, daß die Absicht, Süß aus Greifswald als Privatdozent nach Marburg zu holen, sich nicht verwirklichen ließ. Als erste bescheidene Unterstützung richtete man eine außerplanmäßige Assistentenstelle ein, zunächst allerdings befristet bis Ende März 1930.
Die Ära Hensel war zwar mit seiner Emeritierung im Wintersemester 1928/29 zu Ende gegangen, er erhielt aber in seinem Schüler Helmut Hasse einen würdigen Nachfolger. Hasse, der sein Amt zum 1.4.1930 antrat, konnte die Einrichtung einer zweiten Assistentenstelle durchsetzen. Auch 400 Mark für die Beschaffung einer Schreibmaschine wurden ihm zugesagt. Die räumlichen Verhältnisse blieben jedoch weiter beengt. Hasse mußte sein Arbeitszimmer offensichtlich mit dem Assistenten teilen, denn in dem Schriftwechsel mit dem Kurator über die Renovierung wird ausdrücklich ein zweiter Steckkontakt für den Arbeitsplatz des Assistenten in diesem Zimmer erwähnt. Die allgemeine Dürftigkeit der Ausstattung wird auch durch einen Antrag von Krafft vom 6. Juli 1932 beleuchtet. Krafft führte aus, es gäbe keine Ausbildungsmöglichkeit in geodätischen und astronomischen Beobachtungsmethoden. Das physikalische und das geographische Institut hätten jedoch Instrumente, die zwar größtenteils aus kurhessischer Zeit stammten, aber nach Instandsetzung noch brauchbar seien. Für die Instandsetzung und einige Neuanschaffungen beantragte er 535 Mark. In der Tat erhielt das Seminar eine Reihe älterer Instrumente, von denen besonders ein Breithauptscher Pantograph erwähnt wurde.29 Durch die Hilfe des Universitätsbundes konnten ein Sextant und ein Theodolith beschafft werden.30 Hasse blieb nicht lange in Marburg. Zum Sommersemester 1934 wechselte er nach Göttingen über. Dieser Zeitpunkt markiert auch einen tiefen Einschnitt in der Seminararbeit. 1933 hatten die Nationalsozialisten die Macht übernommen und gingen unverzüglich daran, die Universität nach ihren Vorstellungen umzugestalten.
 
Die Änderung der Verhältnisse kann im Rahmen dieses Vortrages nicht im einzelnen behandelt werden. Nachfolger von Hasse wurde zum Wintersemester 1934/35 Kurt Reidemeister. 1921 hatte er bei Hecke in Hamburg über ein zahlentheoretisches Problem promoviert, sich dann aber der Geometrie und der kombinatorischen Topologie zugewandt. 1923 war er bereits als außerordentlicher Professor nach Wien und 1925 als Ordinarius nach Königsberg berufen worden. Er war ein vielseitig gebildeter Mann mit starken philosophischen Neigungen. Als 1932 an den Universitäten die von dem nationalsozialistischen Studentenbund und anderen Organisationen der Partei organisierten Demonstrationen und Vorlesungsstörungen gegen mißliebige Professoren immer mehr um sich griffen, verwendete er eine ganze Vorlesungsstunde darauf, im einzelnen darzulegen, wie unakademisch und unzivilisiert das Verhalten dieser Studentengruppen sei. Er wurde daraufhin 1933 seines Amtes enthoben. Seine Suspendierung erfuhr er aus der Zeitung.31  Wer ihn gekannt hat, weiß, daß seine Darlegungen für schlichte Gemüter häufig nicht leicht verständlich waren. So ist zu vermuten, daß auch die Nazis ihn nur teilweise verstanden haben, was mit dazu beigetragen haben mag, daß seine Suspendierung rückgängig gemacht und er zum Wintersemester 1934/35 an die Universität Marburg versetzt wurde. Bei oberflächlicher Betrachtung konnte man annehmen, daß er vom Regen in die Traufe gekommen wäre, da bei den letzten Asta-Wahlen vor der nationalsozialistischen Umgestaltung des Universitätsbetriebes der NS-Studentenbund in Marburg nur knapp die Zweidrittelmehrheit verfehlt hatte.32  Glücklicherweise blieb Marburg eine relativ ruhige Nische. Es lag nicht nur daran, daß die Studentenzahlen rapide sanken (die Teilnehmerzahlen in den Seminarveranstaltungen gingen auf drei bis fünf zurück), sondern auch daran, daß die Marburger Studenten der Mathematik (es gab ja über die Seminarteilnehmer hinaus noch weitere Mathematikstudenten) im Sinne der Partei nicht sehr aktiv waren. Unter den Tätigkeitsberichten der überall etablierten mathematischen Fachschaften in der Zeitschrift "Deutsche Mathematik" wird Marburg nur einmal erwähnt mit der Feststellung: Mathematische Fachschaftsarbeit fand im Wintersemester 1936/37 nicht statt. Erstaunlicherweise wurde die personelle Ausstattung trotz der zurückgehenden Studentenzahlen weiter verbessert. Eine außerplanmäßige Assistentenstelle wurde in eine Planstelle umgewandelt, eine Dozentur für Mathematik und mathematische Logik wurde eingerichtet und wissenschaftliche Hilfskräfte konnten beschäftigt werden. Auf Grund der nationalsozialistischen Rassengesetze ersuchte der Rektor am Ende des Sommersemesters 1935 den Emeritus Hensel, von der Ankündigung von Vorlesungen Abstand zu nehmen. 
Am 19.12.1935 wurde Hensel eröffnet, daß er auf Grund einer Verordnung zum Reichsbürgergesetz zum 31.12.1935 in den Ruhestand versetzt sei. Diese Anordnung wurde jedoch am 23.12.1935 mit der Begründung widerrufen, daß emeritierte Hochschullehrer nicht als Beamte im Sinne dieser Verordnung anzusehen seien. Bis zum Tode von Hensel 1941 hat man von Seiten der Universitätsbehörden anscheinend keine weitere Notiz von ihm genommen und ihn auch bei Meldungen über Bibliotheksbestände im Besitze von Juden nicht aufgeführt. Nach einer Bemerkung in den Akten sah man keine Veranlassung dazu, da er nicht mehr im Amt wäre. Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber als bezeichnende Einzelheit erwähnen, daß man ihm nach den damaligen Bestimmungen als Juden den zusätzlichen Vornamen "Israel" aufoktroyiert hatte, wie aus seiner Personalakte hervorgeht.
In der Zeit bis zum Kriegsende waren als Assistenten, Privatdozenten oder außerordentliche Professoren eine ganze Reihe von Mathematikern in Marburg tätig, die ich hier nicht alle nennen kann. Nach Kriegsende erhielten die an der Universität Marburg tätigen Mathematiker unmittelbar die weitere Zulassung. Ernst Neumann beantragte wegen seines vorgerückten Alters zum Wintersemester 1945/46 seine Emeritierung. Sein Nachfolger wurde im November 1947 Max Deuring, der aber schon zum Semesterende einen Ruf nach Hamburg annahm. Dessen Nachfolge trat im Oktober 1950 Arnold Schmidt an. Kurt Reidemeister war vom November 1948 an bis zum Beginn des Sommersemesters 1950 für einen Aufenthalt am Institute for Advanced Studies in Princeton beurlaubt. Er blieb noch bis 1955 in Marburg und folgte dann einem Ruf an die Universität Göttingen. Sein Nachfolger war Martin Eichler und 1958, nach der Berufung Eichlers nach Basel, Alexander Peyerimhoff. 1963 setzte mit der Berufung von Hans-Egon Richert die Expansion ein, die schließlich zu dem heutigen Bestand von 18 Professorenstellen, darunter 7 der Besoldungsgruppe C4 (also den umgewandelten ordentlichen Professorenstellen) führte. Daß ich im Rahmen dieses Vortrages auf die meisten Mathematiker, die in Marburg nach 1933 tätig gewesen sind, nicht eingehen kann, und daß ich die Kollegen, die seit Anfang der sechziger Jahre in Marburg gewirkt haben oder noch tätig sind, ganz unerwähnt lasse, dürfte verständlich sein angesichts der Tatsache, daß der zweite Band des Marburger Professorenkataloges für die Zeit zwischen 1911 und 1971 vierundvierzig Professoren und Dozenten der Mathematik verzeichnet, von denen die meisten auf die Zeit nach 1933 entfallen. (Viele von ihnen lehrten allerdings nur wenige Jahre in Marburg.) Überdies ist mit der Nachkriegszeit ein Zeitraum erreicht, der den meisten aus eigener Anschauung bekannt ist. Eine Auswahl aus den Geschehnissen der letzten 40 Jahre könnte nur stichprobenartigen Charakter tragen. Auch mußte bei der Auswertung des Aktenmaterials Rücksicht auf noch lebende Personen genommen werden. Dies trifft zu einem gewissen Grade auch auf die Zeit zwischen 1933 und dem Kriegsende zu. Eine ausgewogene Darstellung dieses Zeitabschnittes überschreitet zudem den Rahmen eines Festvortrages beträchtlich, nicht nur wegen der großen Anzahl der Personen, sondern auch wegen der Notwendigkeit, auf die Zeitumstände der unmittelbaren Vor- und Nachkriegszeit ausführlicher eingehen zu müssen.
Ich schließe daher mit dem Wunsche, daß dem Fachbereich Mathematik als Nachfolger des Mathematischen Seminars auch für die nächsten 100 Jahre eine gedeihliche Entwicklung beschieden sein möge.

 

Verweise

1 Die Angaben zur Geschichte der Universität Marburg vor der Gründung des Mathematischen Seminars  habe ich weitgehend der ausführlichen Darstellung in [1] sowie aus [2] entnommen.
2 Das ist natürlich ein wenig überspitzt ausgedrückt.
3 [1] S. 212 ff.
4 [1] S. 234
5 Die hessischen Universitätsgesetze und Hochschulgesetze sind im Gesetz- und Verordnungsblatt für    das Land Hessen abgedruckt.
6 Der Landeshaushalt 1983 wurde erst nach Ablauf des Haushaltsjahres vom Landtag beschlossen. 1984  und 1985 wurde der Haushalt so spät verabschiedet, daß die Kassenanschläge erst jeweils im  August ausgefertigt werden konnten. Die bis dahin geltenden Bestimmungen hatten ernste  Rückwirkungen auf die Geschäftsführung und die Finanzen der Fachbereiche. Als Beispiel  erwähne ich nur, daß das Kultusministerium unter der vorläufigen Haushaltsführung keine  Zuschüsse für Kongreßbesuche gewähren konnte, weswegen Ausgaben dieser Art ausschließlich  zu Lasten der Fachbereichsetats gingen.
7 Ein ausführliches Verzeichnis der Professoren und Dozenten der Universität Marburg bis 1911 findet  man in [2]. Bei den Quellenangaben in [2] ist zu beachten, daß die Universitätsakten inzwischen  dem Staatsarchiv Marburg überstellt worden sind.
8  [1] S. 62,63
9  [2] Kap. VII, Einleitung
10 [1] S. 27 und Anmerkung 26
11 Nach der Gründung der Gesamthochschule Kassel sind (als "gerechter" Ausgleich?) in den siebziger  Jahren dieses Jahrhunderts Stellen von Marburg nach Kassel abgezogen worden.
12 [1] S.757
13 Aus dem Antrag auf Errichtung eines Mathematischen Seminars [6] und der Begründung des Antrages  der Fakultät auf Errichtung einer zweiten Professur für Mathematik 1883 (s.u.) geht hervor, daß  das mathematisch-physikalische Institut in Wirklichkeit nur ein physikalisches Institut war. Die  Angabe in [1] S. 753, daß das Mathematische Seminar 1885 vom Physikalischen Institut  abgetrennt worden sei, beruht auf einem Irrtum.
14 Der genaue Titel ist: Archiv für Mathematik und Physik mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse  der Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten. Die Zeitschrift wurde 1841 von Johann August  Grunert (1797-1872) in Greifswald gegründet, trug ab 1880 den Titel "Archiv für Mathematik  und Physik" und stellte ihr Erscheinen 1920 mit Band 28 der dritten Serie ein.
15 Ich stütze meine Darlegungen im wesentlichen auf [15] Kap. 4, S. 112 ff., wo man ausführlichere    Angaben findet.
16 [4] Jahrgang 1887/88
17 Abhandlungen über den mathematischen Unterricht in Deutschland veranlaßt durch die Internationale  Mathematische Unterrichtskommission, herausgegeben von F. Klein, Band 1, Heft 3,. S. 92.
18 [4] Jahrgang 1891/92
19 [6]
20 [4] Jahrgang 1891/92
21 Wegen der unhaltbaren Zustände im Hygienischen Institut (der akute Anlaß war die Baufälligkeit des  Gebäudes) mußte damals innerhalb von sieben Wochen ein Barackenbau als Notunterkunft  hergestellt werden. Jetzt, rund 100 Jahre später, erleben wir wieder ein jahrelanges Hin und Her,  um eine angemessene Unterbringung des Institutes. Zeitweise drohte sogar eine Schließung  wegen der katastrophalen hygienischen Verhältnisse.
22 Eine Würdigung seines mathematischen Wirkens gibt H. Hasse in [11].
23 [5]
24 [13], S. 97. Hensel wurde 1891 zum Extraordinarius in Berlin ernannt, nicht in Marburg, wie a.a.O.    steht (Druckfehler?).
25 Ausführlichere Angaben zu Hellingers Leben macht Siegel in seinem Vortrag zur Geschichte des  Frankfurter Mathematischen Seminars, [12] S. 462 ff. Ich verweise auch nachdrücklich auf die  verdienstvolle Darstellung von Pinl [14], der, nach Universitäten geordnet, die Schicksale von  Hochschullehrern der Mathematik an deutschen Universitäten unter dem Nationalsozialismus  zusammengestellt hat.
26 siehe [15] S. 371
27 vgl. [10]
28 [13] 
29 [4] Jahrgang 1933/34
30 [4] Jahrgang 1932/33
31 [9]
32 Nach der Angabe im Studienführer der Universität Marburg 1933-34 entfielen von 2406 gültigen  Stimmen 1521 auf den NS-Studentenbund.
 
 

Literatur

 
[1] Die Philipps-Universität zu Marburg 1527-1921, 2. Auflage, unveränderter Nachdruck der 1.  Auflage von 1927, Marburg: Elwert 1977.
[2) Catalogus professorum academiae Marburgensis 1527 - 1910, bearbeitet von Franz Gundlach,  Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 15, Marburg: Elwertsche  Verlagsbuchhandlung G. Braun 1927.
[3] Catalogus professorum academiae Marburgensis, 2. Band, Veröffentlichungen der Historischen  Kommission für Hessen, Band 15, Marburg: Elwert (Kommissionsverlag) 1979.
[4] Chronik der königlichen Universität Marburg (später Chronik der Philipps-Universität), ab Jahrgang  1, 1887/88 in Jahresbänden bis 1940, dann in unregelmäßiger Folge.
[5] Staatsarchiv Marburg, Bestand 310, acc 1951/56, Nr. 319, Akten betreffend die Begründung einer  2ten ordentlichen Professur für Mathematik, Dr. Weber, Dr. Schottky, Dr. Hensel, Dr. Hasse,  1876-1941.
[6] Staatsarchiv Marburg, Bestand 307d, acc  1969/70, Nr. 19 (Mathematik, Astronomie 1891- 1934). [7] Staatsarchiv Marburg, Bestand 310,  acc 1951/6, Nr. 319a.
[8] Carl-Friedrich Gauß - Christian Ludwig; Gerling Briefwechsel, Hildesheim- NewYork: Georg Olms  Verlag 1975.
[9] Artzy, R., Kurt Reidemeister,  (1893 – 1971), Jahresb. DMV 74 (1972), 96 – 104.
[10] Behnke, H., Otto Blumenthal zum Gedächtnis. Math. Ann. 136 (1958), 387 – 392.
  (1958), 387-392.
[11] Hasse, H., Kurt Hensel zum Gedächtnis, Journal reine und angew. Math. 187 (1950), 1 – 13.
[12] Carl Ludwig Siegel, Gesammelte Abhandlungen, Band III, Berlin, Heidelberg, New York: Springer
 1966.
[13] Fraenkel, Abraham A., Lebenskreise, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1967.
[14] Pinl, M., Kollegen in dunkler Zeit I, Jahresb. DMV 71 (1969), 167-228, II, Jahresb. DMV 72
            (1971),165-189, III, Jahresb. DMV 73 (1972), 153-208, IV, Jahresb. DMV 75 (1974),166 - 208.
[15] Lorey, W., Das Studium der Mathematik an den deutschen Universitäten seit Anfang des 19.
  Jahrhunderts, Leipzig und Berlin: B.G.Teubner 1916.
[16] Koch, J.F.W., Die Preußischen Universitäten, Berlin: Mittler, Bd 2, 1840.
[17] Beckert, H., Schumann, H. (Hrsg.), 100 Jahre Mathematisches Seminar der Karl-Marx-Universität 
             Leipzig, Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften 1981.
[18] Schubring, G., Die Entwicklung des Mathematischen Seminars der Universität Bonn 1864 - 1929,
           Jahresb. DMV 87 (1985), 139 - 163.

Zuletzt aktualisiert: 13.09.2011 · gromes

 
 
 
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