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31.08.2017

10Jähriges Jubiläum der Jungwissenschaftler-Tagung “Engineering of Functional Interfaces EnFI 2017” in Marburg

Von Prof. Dr. Michael Keusgen, Philipps-Universität Marburg

In der Pharmazie spielt die Betrachtung von Grenzflächenvorgängen eine immer zentralere Rolle. Hier sind insbesondere die Themenbereiche der kontrollierten Wirkstoff-Freisetzung sowie Nano- und Implantmaterialien zu nennen. Aber auch in diagnostischen Systemen wie beispielsweise der Biosensorik spielen Grenzflächen eine entscheidende Rolle.

10-jähriges Jubiläum der Jungwissenschaftler-Tagung “Engineering of Functional Interfaces EnFI 2017” in Marburg
v.l. Dr. Doru Gheorghe Marcel Vornicescu, Prof. Dr. Cornelia M. Keck, Prof. Dr. Michael Keusgen, Herr Fabian Rüger

Um funktionale Grenzflächen zu designen und diese in unterschiedliche Applikationen einzubringen, bedarf es zumeist interdisziplinärer Ansätze. Hier reicht das innerhalb eines Studiengangs Gelernte in der Regel nicht aus, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Die Jungwissenschaftler-Tagung “Engineering of Functional Interfaces” erfüllt nunmehr seit 10 Jahren den Anspruch, das zentrale und übergreifende Thema „Grenzflächenprozesse“ mit ihren Anwendungen in Medizin, Pharmazie, Molekularbiologie, Bio-Chemosensorik, Katalysechemie und Ingenieurwissenschaft aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Die Einbeziehung der Modellbildung liefert die nötige Abstraktionsebene und trägt gleichzeitig der oft größten Herausforderung, vor welche sich Nachwuchswissenschaftler gestellt sehen, besonders Rechnung.

An der diesjährigen EnFI 2017 waren zwischen dem 27. und dem 29. August über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus  den Lebens- und Ingenieurwissenschaften anwesend. Mit Keynote Lectures eingeladener Experten wurden die fünf thematischen Schwerpunkte „Soft and Inorganic Thin Films“, „Nano Particles“, „Bio Hybrid Materials“, „Sensor Devices and Catalysis“ sowie „Medical Engineering and Sensing“ eröffnet. Anschließend hatten innerhalb dieser thematischen Blöcke die Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler die Möglichkeit, ihre eigenen Arbeiten mittels eines Kurzvortrags in Kombination mit einem Poster vorzustellen, wobei reichlich Zeit für den Wissensaustausch an den Postern eingeräumt wurde. Erklärtes Ziel der Tagung war es, nicht „hochglanzpolierte“ Ergebnisse vorzustellen, sondern „Real Laboratory“ Zwischenergebnisse mit all ihren Problemen, damit man voneinander lernen kann und schwierige Fragestellungen mit neuen Ideen angegangen werden.

Für Pharmazeuten besonders interessant war die Session „Nano Particels“, die mit einem Übersichtsvortrag von Frau Professorin Dr. C. Keck aus Marburg eröffnet wurde. Frau Keck schilderte eindrucksvoll, wie sich mit verschiedenen Nanopartikeln eine verbesserte Bioverfügbarkeit erzielen lässt oder sogar Effekte auftreten, die für die jeweiligen Makropartikel bisher nicht bekannt waren. In den darauf folgenden Beiträgen wurden vielfältigste Applikationen aus den Themenbereichen Drug Delivery, diagnostische Systeme sowie Implant-Materialien vorgestellt. Derzeit arbeiten zahlreiche Arbeitsgruppen an Kohlenstoff-Modifikationen, mit denen sich Polymermaterialien und Metalle beschichten lassen, was zu ganz neuen Eigenschaften führt, insbesondere bei Implantaten. Mit Nano-Diamanten beschichtete Implantate haben eine ausgezeichnete Oberflächenhärte, können aber auch von Osteoblasten leichter als herkömmliche Materialien besiedelt werden. Ebenfalls vielfältig beforscht werden Goldnanopartikel für diagnostische Zwecke. Hier werden physikalische Phänomene wie die „Oberflächen-Plasmon-Resonanz“ (SPR) oder einfach Farbänderungen der Gold-Nanopartikel ausgenutzt. Diese sind typischerweise rubinrot; bei Bindungsereignissen an den Partikeln schlägt die Farbe nach Blau um. Da für derartige Assays nahezu keine Laborausrüstung benötigt wird, sind sie auch für Entwicklungsländer und Krisenregionen interessant.

Professor Dr. P. Elter aus Gießen eröffnete mit seinem Vortrag über nanostrukturierte Oberflächen die Session mit dem Schwerpunkt Bio-Hybrid-Materialien. Seit längerem ist bekannt, dass die Strukturierung einer Oberfläche deren Besiedelung mit Bakterien oder auch humanen Zellen verhindert oder auch unterstützen kann, was ganz von den Anwendungen abhängt. Aber auch für die Entwicklung von Biosensoren spielen diese Erkenntnisse eine ganz zentrale Rolle. Einerseits können Zellen, die ein aktiver Bestandteil des Sensors sind, durch Nanostrukturierung funktionsfähig an die Oberfläche gebunden werden, andererseits kann eine Nanostrukturierung aber auch dazu führen, dass beispielsweise ein implantierter Sensor nicht einwächst.

Gruppenaufnahme
Gemeinsame Gruppenaufnahme

Viele der vorgestellten Ergebnisse waren von hoher Qualität. Als Tagungs-Besonderheit erhielten die Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftler auch eine Anleitung, die Ergebnisse in der Zeitschrift „Physica Status Solidi“ nach professioneller Begutachtung zu publizieren. Damit konnte der innerhalb der Tagung der gesamte akademische Prozess von Planung der Experimente, deren Beurteilung und letztendlich die professionelle Publikation abgebildet werden.

Eingebettet war die Tagung in ein kleines Rahmenprogramm, was mit einem Empfang am 27. August startete. Am 28. August fand eine Party bei Harfenklängen (Irische Metallseitenharfe, gespielt von Jochen Vogel) im alten Institut der Pharmazeutischen Technologie statt. Leider muss die Pharmazie in Marburg dieses 150 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude aufgeben, da es sich nur noch mit großem Aufwand an die aktuellen Anforderungen modernisieren lässt. Damit war diese Feier auch eine würdige Verabschiedung für das lieb gewonnene Institutsgebäude, was nach gründlicher Renovierung einem neuen Bestimmungszweck überführt wird.   

Die Organisatoren möchten sich auch ganz herzlich bei den Firmen Merck KGaA, Darmstadt, und CSL Behring, Marburg, für deren großzügige Unterstützung bedanken.

Kontakt

Prof. Dr. Michael Keusgen
Wilhelm-Roser-Straße 2
35032 Marburg

Tel.: 06421 28-25809
E-Mail

Zuletzt aktualisiert: 31.08.2017 · Prof. Dr. Michael Keusgen

 
 
 
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Tel. +49 6421 28-25553, Fax +49 6421 28-25854, E-Mail: katja.huette@staff.uni-marburg.de

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