Franziska Engelhardt
Biografische Notiz:
Im Sommer 1979 geboren, aufgewachsen in Jena, Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universität Wien und der Philipps-Universität Marburg, im Dezember 2005 M.A.-Abschluss in den Fächern Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft und Deutsche Sprache und Literatur, seit Oktober 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft.
Wissenschaftliche Interessen:
Migration und Migrationspolitik in Deutschland
Positionierungen: ethnicity, class, gender
Kulturtheorie
Dissertationsvorhaben:
Integrationsvorstellungen kommunaler Migrationspolitiken
Vor dem Hintergrund einer wachsenden Wahrnehmung Deutschlands als Einwanderungsland verändern sich die Handlungsfelder der Migrationspolitik (und vice versa): zwar zeigt sich mit dem 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetz weiterhin die Begrenzung von Einwanderung als dominierender politischer Wille, daneben geraten jedoch zunehmend Fragen zum Thema Integration in den regierenden Blick, die einerseits unter dem Stichwort Leitkultur ausgetragen werden, jedoch zunehmend das Potential kultureller Vielfalt, wie im Nationalen Integrationsplan 2008 beschworen, entdecken. Bei der Beobachtung der gegenwärtigen politischen Entwicklungen stellt sich für die Kulturwissenschaft die Frage, wie in einer lang vorgestellten Kulturnation Einwanderung gestaltet wird. Welches sind die Kontinuitäten vorgestellter kultureller Gemeinschaft, und wo tun sich wiederum Brüche auf, die den Veränderungen der letzten Jahrzehnte mit konzeptionellen Öffnungen Rechnung tragen? Welche Erwartungen werden an Integration herangetragen, welche Einschluss- /Ausschlusspraktiken fügen sich ein, in den Plan des Integrierens, und wo gewinnt oder verliert Ethnizität an Bedeutung?Im Mittelpunkt meines Interesses steht hierbei der kommunale Raum als ein Feld, in dem einerseits bundes- und landespolitische Entscheidungen umgesetzt werden, für das andererseits aber auch ein Spielraum sichtbar wird, innerhalb dessen Vorstellungen von Integration ihre Gestalt(ung) erhalten. Als ein Beispiel für die sich in der lokalen Praxis herausbildenden Positionen zur Integration und Strategien des Integrierens mache ich die Stadt Marburg zum Feld meiner Beobachtungen und Überlegungen, die Akteure in Politik, Medien, Bildung, Zivilgesellschaft etc. zu Experten ihrer (handlungsanleitenden) Integrationsvorstellungen. Eine Untersuchung zur lokalen Ausgestaltung von Integration(serwartungen) bewegt sich auch im Feld der Auseinandersetzung um Bedeutungen der Nation (Deutschland als Kulturnation, jüngst auch als Einwanderungsland), Vorstellungen von Kultur (Norm der Homogenität, Vielfalt als Chance) sowie der für beide Konzepte aufschlussreichen Thematisierung der Einwanderung nach Deutschland.

