Anna Verena Münch
geboren 1976 in Heidelberg, sozialisiert in Ostwestfalen, verwurzelt in Berlin
Studium der Europäischen Ethnologie und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin (Magistra)
Magisterarbeit: "Zum alltäglichen Umgang mit lokalisierter Gewaltbedrohung. Studierende mit dunkler Hautfarbe in Frankfurt (Oder)", Gutachter: Prof. Wolfgang Kaschuba und Prof. Werner Bergmann
2003 - 2005 ~ studentische Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in der Abteilung "Ungleichheit und soziale Integration", sowie in der Forschungsgruppe "Zivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa"
2004 ~ Projektmitarbeiterin bei der RAA Brandenburg e.V. im Rahmen der Projektstudie "Passives Bystander-Verhalten im ländlichen Raum"
2005 - 2006 ~ freie wissenschaftliche Mitarbeiterin am WZB in der Forschungsgruppe "Wissenschaftspolitik"
2006 - 2007 ~ wissenschaftliche Mitarbeiterin am WZB beim Präsidenten und in der Abteilung "Internationalisierung und Organisation"
2006 - 2007 ~ freie wissenschaftliche Mitarbeiterin beim DJI in der Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus, sowie bei der Landeskommission Berlin gegen Gewalt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport
seit 2007 DFG-Stipendiatin im Graduiertenkolleg "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit"
Dissertationsprojekt
Gewaltbereitschaft Jugendlicher in Ostdeutschland. Ethnographische Untersuchungen zu Alltagserleben und sozialen Praxen.
Abstract
Die Dissertation untersucht das Phänomen der physischen Gewalt Jugendlicher, für die als Motiv häufig Langeweile angegeben wird. Davon ausgehend fragt sie nach der Bedeutung von Langeweile im Alltagserleben von Jugendlichen, nach sozialen Praxen und „Belohnungs- und Bewertungssystemen“ (Elwert 2004: 451), auf die sie sich beziehen.
Im Mittelpunkt meiner Forschung steht
deshalb die Binnenperspektive der Jugendlichen auf Alltagserleben,
Praxen, Gruppendynamiken sowie auf Konflikt- und Verlaufsdynamiken von
Gewalthandlungen und die Einordnung dieser Handlungen.
Gewalt richtet sich hier vor allem gegen Gleichaltrige und
gegen stigmatisierte schwache Gruppen wie Migranten,
Schwule, Obdachlose, die auch Elemente Gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit sind. Aus der Außenperspektive ist das Maß der
eingesetzten Brutalität meist erschreckend hoch, es fehlen Motive, die
den Gewalteinsatz erklären könnten. Bezugsrahmen für die
Jugendlichen ist ihr jeweiliger sozialer Raum, denn in ihm werden
soziale Praxen und Ordnungsvorstellungen erlernt, verstetigt und
durchgesetzt. Damit verweist Gewalt immer auch auf Strukturen sozialer
Ordnungen, auf eine „Gewaltordnung“ (Elwert 2002: 362).
Für die Erforschung der
Binnenperspektive lege ich den Fokus auf wegen Gewaltstraftaten
inhaftierte Jugendliche, von denen einige im weiteren Verlauf der
Forschung als Gate-keeper den Zugang zu ihren sozialen Räumen über
Vertrauenspersonen vor Ort ermöglichen sollen. Als Methoden kommen
sowohl narrative als auch problemzentrierte Interviews,
Gruppendiskussionen und Mental Mapping, sowie die Methode der
szenischen Interpretation und des geführten Wahrnehmungsspaziergangs
zur Anwendung.
Publikationen
mit Michael Kohlstruck und Daniel
Krüger: Berliner Projekte gegen Rechtsextremismus. Forschungsbericht an
die Landeskommission Berlin gegen Gewalt. Berliner Forum
Gewaltprävention 2007.30.
Imaginäre Grenzziehungen und fragile Orientierungssysteme. Zur
Diskrepanz zwischen lokalisierter Gewaltbedrohung und Tatorten am
Beispiel von Studierenden mit dunkler Hautfarbe in Frankfurt (Oder),
in: Thomas Hengartner, Johannes Moser (Hg.), Grenzen und Differenzen.
Zur Macht sozialer und kultureller Grenzziehungen. Leipzig 2006, S.
325-331.
mit Michael Kohlstruck: Hypermaskuline Szenen und fremdenfeindliche
Gewalt. Der Fall Schöberl, in: Andreas Klärner, Michael Kohlstruck
(Hg.), Moderner Rechtsextremismus in Deutschland. Bundeszentrale für
politische Bildung, Band 555. Bonn 2006, S. 302-336.
mit Michael Kohlstruck: Hypermaskuline Szenen und fremdenfeindliche
Gewalt. Der Fall Schöberl, in: Andreas Klärner, Michael Kohlstruck
(Hg.), Moderner Rechtsextremismus in Deutschland. Hamburg 2006, S.
302-336.
mit Michael Kohlstruck: Exzessive Gewalttätigkeiten – politisch
motivierte Taten? In: Berliner Debatte Initial 16.2005.3, S.
4-14.
mit Michael Kohlstruck: Der Mordfall Marinus Schöberl. In: Wolfram
Hülsemann, ders. (Hg.), Mobiles Beratungsteam. Einblicke. Ein
Werkstattbuch. Potsdam 2004, S. 15-46.
mit Michael Kohlstruck: Der Mordfall Marinus Schöberl. TU Berlin,
Zentrum für Antisemitismusforschung, Arbeitsstelle Jugendgewalt und
Rechtsextremismus, Arbeitspapier 1.2004.
Standpunkte. Erzählungen vom
Wohnen. In: Beate Binder (Hg.), Nahwelten – Tiergarten-Süd, Berlin. Zur
Produktion von Lokalität in der spätmodernen Stadt. Berliner Blätter
28.2002, Sonderheft. Berlin 2002, S. 102-118.
Arbeitsschwerpunkte
- Jugendgewalt, Gewalt und Rechtsextremismus, Normen und abweichendes
Verhalten
- Sozialraumanalysen, Angsträume und Coping-Strategien
- geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und Codierungen
- Imagebildungsprozesse und mediale Gewaltdarstellungen

