Darstellung vor dem Hochschulrat
2008
Status-Gespräch mit der
Universitätsleitung 2002
Präsentation des Fachbereichs, 02.12.2002
(PDF-Format)Leitbild des Fachbereichs Evangelische Theologie 2002/2004*
"Gottes Handeln verleiht
uns ein neues Verständnis unserer selbst."
Rudolf Bultmann
- Theologie in Marburg
- Grundsätze und Ziele
- Funktionen
- Kooperationen
- Fachprofile
Theologie in Marburg
Evangelische Theologie hat das Heil menschlichen Lebens zum Thema, das sich nach christlicher Überzeugung durch Gottes Handeln in Jesus Christus erschließt. Als evangelische Theologinnen und Theologen rekonstruieren und aktualisieren wir die Glaubenszeugnisse unserer christlichen Traditionsgemeinschaft heute im Umfeld einer pluralen Kultur und im Kontext einer globalen Gesellschaft. Wir verantworten unsere Arbeit im Rahmen international anerkannter Wissenschaftsstandards und im Zusammenhang anderer religiöser und kultureller Sinndeutungen. Seit dem 19. Jahrhundert haben sich religionswissenschaftliche (Religionsgeschichte), exegetische (Altes Testament, Neues Testament), historische (Kirchengeschichte), systematische und praxistheoretische Arbeitszweige (Systematische Theologie, Sozialethik, Praktische Theologie) zunehmend ausdifferenziert. Aber jede dieser Disziplinen stellt sich dem Spannungsverhältnis von Heilsverheißung und Wirklichkeit der Welt, und die Vielfalt ihrer Methoden und Forschungsansätze findet ihre Einheit im Anwendungsbezug ihres gemeinsamen Themas.
In Marburg wurde 1527 die erste protestantische Universität gegründet. Vermittelt insbesondere durch die liberale Theologie des 19. Jahrhunderts, setzt sich die in der Gewissensverantwortung des Glaubens begründete Kritik der Tradition bis heute fort in theologischen Spannungsverhältnissen von Religion und Kultur, von Engagement und Reflexion. Für die hermeneutische Ausrichtung dieser Kritik steht das Wirken von Theologen wie Wilhelm Herrmann, Rudolf Otto und Rudolf Bultmann. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich das gegenwärtige Profil Marburger Theologie ab. Sie verzichtet auf eine speziell konfessionsaffine (lutherische oder reformierte) Ausprägung. Im Vertrauen darauf, dass sich das theologische Thema im wissenschaftlichen Diskurs und unter freien Verständigungsbedingungen sachgemäß entfaltet, leiten wir aus unserer Tradition die Verpflichtung ab, Forschung und Lehre in transparenten Prozessen weiter zu entwickeln.
Unser gegenwärtiges Forschungsprofil wird erkennbar in der Ergänzung unseres Kernfachangebots
- durch die Fachgebiete Religionsgeschichte und Sozialethik,
- in den Schwerpunktprofessuren Christliche Archäologie und byzantinische Kunstgeschichte, Ostkirchengeschichte, kirchliche Zeitgeschichte und historische Frauenforschung, Religionspädagogik, Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart,
- durch die Forschungsstelle Ökumenische Theologie und das Institut für Hermeneutik.
- Seit einigen Jahren werden in allen Fachgebieten feministische bzw. genderspezifische Fragestellungen bearbeitet.
Das gegenwärtige Profil unserer Lehre prägt sich aus in einer partizipativen Konzeption, die sich den Berufsanforderungen in Kirche und Diakonie, Schule und Universität, Wirtschaft und Kultur stellt. Gemeinsam fördern wir theologische Kompetenz als Fähigkeit, christliches Orientierungswissen und christliche Welterfahrung bei der Gestaltung einer weltoffenen solidarischen und demokratischen Gesellschaft wirksam werden zu lassen.
Dieses Profil wollen wir schärfen, so dass wir im internationalen
und ökumenischen Vergleich ebenso wie im Vergleich mit anderen
deutschsprachigen evangelischen Fakultäten bestehen können. Wir möchten
uns messen lassen an dem, was wir in diesem Leitbild
festschreiben.
[*] Das Leitbild wurde vom Fachbereichsrat am 26.6.2002 einstimmig beschlossen mit dem Zusatz: "Die Arbeit an unserem Leitbild geht weiter. Der Fachbereitsrat wird zunächst am Ende des Wintersemesters 2002/ 2003 erneut über Inhalt und Verfahren beschließen." Der vorliegende Text gibt den Stand vom Januar 2004 wieder (Überarbeitung der Fachprofile).


