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11.04.2014

Nachruf Prof. Dr. phil. nat. Dr. techn. Heribert J. P. Reitböck

Pionier der Erforschung von Wahrnehmungsprozessen verstorben

H. ReitböckHeribert J. P. Reitböck wurde am 22. Juni 1933 in Ried im Innkreis, Österreich, geboren, er verstarb am 3. April 2014 in Lohra Willerhausen bei Marburg in seinem Heim nach schwerer Krankheit. Heribert Reitböck wurde 1978 als Nachfolger von Hans Wolter berufen und bekleidete die Professur für angewandte Physik bis 1998. 
 
Die vielen Stationen seines Werdegangs zeigen die komplexe Persönlichkeit Reitböcks. Nach einem Ingenieur-Diplom 1958 bei Heinz Zemanek, einem der europäischen Pioniere der elektronischen Rechenanlagen, zog es ihn nach Frankfurt an das Max-Planck-Institut für Biophysik. Hier studierte er Physik und promovierte 1963 unter Boris Rajewsky zum Dr. phil. nat. über Untersuchungen von strahleninduzierten Radikalen mit extrem empfindlichen selbst entwickelten Elektronen-Spin-Resonanz-ESR-Methoden. Eine zweite Promotion an der TU Wien zum Dr. techn. schloss sich 1964 an. Bis 1966 blieb er dem MPI in Frankfurt verbunden, um dann von 1966-1978 zur Westinghouse Electric Corporation, Pittsburgh, PA zu gehen. Schon von Frankfurt aus, aber auch von Pittsburgh, war Heribert Reitböck verschiedentlich längere Zeit für die International Atomic Energy Agency in Chile tätig, wo er Vorlesungen hielt und eine ESR-Arbeitsgruppe aufbaute. 
 
Bei Westinghouse stieg er vom Senior Scientist, über Advisory und Fellow Scientist zum Mitglied des Forschungssenats auf. Er arbeitete an Spracherkennung und visueller Mustererkennung. Dieses Interesse verband er als kooptierter Professor an der Pittsburgh University Medical School mit tierphysiologischen Untersuchungen, bei denen er schon Multielektroden-Ableitungen einsetzte. Reizvoll war hier wohl auch die gegenseitige Befruchtung der technischen und biologischen Strategien zur Mustererkennung oder assoziativem Gedächtnis. 
 
Mit diesen Interessen und dem methodischen Hintergrund folgte Heribert Reitböck 1978 einem Ruf nach Marburg, um dort die Arbeitsgruppe Biophysik aufzubauen. Unterstützt durch den neuberufenen Reinhard Eckhorn gelang es eine sehr aktive AG aufzubauen, in der tierphysiologische Untersuchungen mit weltweit neuartigen Multielektrodensystemen betrieben wurden. Insbesondere das Sehsystem, aber auch das auditorische System standen im Zentrum seines Interesses. Computergestützte Nachbildung der Informationsverarbeitung des Zentralnervensystems vertiefen das Verständnis der Prozesse, ermöglichen aber auch eine technische Nutzung. Herausragendes Ergebnis der kortikalen Untersuchungen war der Nachweis der raum-zeitlichen Synchronisation von Nervenaktivitäten, die im Erkennungs-prozess substantiell sind. Neben erheblichem Erkenntnisgewinn und Modellen für technische Sehsysteme führte dies unter seinen Nachfolgern (Reinhard Eckhorn und später Frank Bremmer) zur Entwicklung von experimentellen Sehprothesen, die in einigen Fällen für Erblindete die Wiedererlangung der Sehfähigkeit bedeuten könnte. 
 
Nach seiner Emeritierung konnte sich Heribert Reitböck ganz seinen weiteren Leidenschaften, dem Sammeln von Kunst und Büchern sowie der Musik zuwenden, wie sein langjähriger Lebenspartner Hartmuth Pesch sagt. Bis kurz vor Prof. Reiböcks Tod hätten sie intensiv Freundschaften unter anderem in den ehemaligen Wirkungsstätten Pittsburgh und Wien gepflegt. Beerdigt wird Heribert Reitböck in seinem Geburtsort Ried im Innkreis, Östereich. 
 
Der Dekan des Fachbereichs
Prof. Dr. Gregor Witte

Zuletzt aktualisiert: 11.04.2014 · Andreas Schrimpf

 
 
 
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