30.11.2012
Forscher – Künstler – Unternehmer. Apothekerkarrieren aus vier Jahrhunderten
Buchvorstellung von Prof. Dr. Christoph Friedrich am 28. November 2012
Jüngste Umfragen zeigen, dass Apotheker in der Bevölkerung nach wie vor nicht nur ein großes Ansehen genießen, ihnen wird auch eine hohe fachliche Qualifikation attestiert. Ungeachtet dessen taucht dieser Berufsstand sowohl in der Fachpresse als auch in den öffentlichen Medien in letzter Zeit vornehmlich im Zusammenhang mit negativen Meldungen auf. Dem will das vorliegende Buch Rechnung tragen, indem es auf die Erfolgsgeschichten einzelner Apotheker und ihre oftmals der Öffentlichkeit unbekannten Leistungen hinweist. Diese sehr breit ausgebildeten Pharmazeuten brillierten in der Vergangenheit nicht nur in naheliegenden Betätigungsfeldern wie der Chemie, Botanik, Mineralogie und Physik sowie als Erfinder, Entdecker und Unternehmer, sondern auch in der Malerei, der Literatur oder der Politik. Die bisher verfügbaren Apothekerbiographien gehen aufgrund ihrer lexikalischen Knappheit nur am Rande auf die individuellen Lebenssituationen, Erfolge und Nachwirkungen der einzelnen Protagonisten bis heute ein oder sind längst vergriffen, und so wurde ein solches Buch bisher schmerzlich vermisst. Prof. Dr. Christoph Friedrich traf dafür eine repräsentative Auswahl von 22 interessanten Apothekerpersönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, deren Leben und Wirken er wissenschaftlich fundiert aber dennoch gewohnt kurzweilig und angenehm lesbar aufbereitete. Am Mittwoch, dem 28. November konnte er nun endlich das erste Exemplar in Händen halten und es zugleich dem zahlreich erschienen, neugierigen Publikum im Marburger Institut für Geschichte der Pharmazie vorstellen. Er zeigte sich besonders erfreut, dass neben PD Dr. Axel Helmstädter, der als stellvertretender Verlagsdirektor des Govi-Verlags das Projekt initiierte und begleitete, auch die ehemalige Chefredakteurin der Pharmazeutischen Zeitung Dr. Evemarie Wolf seiner Einladung nach Marburg gefolgt war, die als erste Assistentin des Institutsgründers Rudolf Schmitz (1918–1992) dem Haus und seinen Mitarbeitern nach wie vor freundschaftlich verbunden ist und dem jetzigen Institutsdirektor Prof. Friedrich, wie es sich bei allen seinen bisher im Govi-Verlag erschienenen Schriften bereits bewährt hatte, auch diesmal wieder mit sachkundigem Rat zur Seite stand. Nach kurzen einführenden Grußworten durch PD Dr. Axel Helmstädter gratulierte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie, PD Dr. Sabine Anagnostou, zum Erscheinen des Buches. Sie betonte, es habe sich dadurch wiederum erwiesen, dass das Institut für Geschichte der Pharmazie in Marburg das Herzstück der deutschen Pharmaziegeschichtsschreibung bilde, insbesondere durch das rege wissenschaftliche und publizistische Wirken von Professor Friedrich, und damit richtungsweisend für die gesamte pharmaziehistorische Forschung sei. Im Anschluss stellte der Autor einige der teils berühmten, teils der Öffentlichkeit weniger bekannten Apotheker vor. Manche von ihnen sind allen ein Begriff, jedoch nicht unbedingt in ihrer Eigenschaft als Pharmazeut und Apotheker. Natürlich dürfen in der Schrift Biographien von herausragenden Wissenschaftlern wie Carl Wilhelm Scheele (1742–1786), dem Entdecker des Sauerstoffs und mehrerer anderer Elemente, oder Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770–1837), dem 'Vater der wissenschaftlichen Pharmazie' in Deutschland und 'Hausheiligen' des Marburger Instituts nicht fehlen. Nicht alle wissen indes, dass auch die Dichter Ludwig Bechstein (1801–1860) und Georg Trakl (1887–1914), die Nahrungsmittelhersteller Henri Nestlé (1814–1890) und Dr. (August) Oetker (1862–1918), der Farbenfabrikant Carl Leverkus (1804–1889), nach dem sogar eine Stadt und ein Fußballverein benannt wurden, oder Georg Diederichs (1900–1983), der ehemalige Sozialminister und Ministerpräsident Niedersachsens, Apotheker waren. Unter all den reich illustrierten 'Geschichten aus der Geschichte' fasziniert auch die von Johann Friedrich Böttger (1682–1719), der mit seinen alchemistischen Fähigkeiten geprahlt hatte und deshalb von August dem Starken (1670–1733) zunächst in Dresden, dann auf der Albrechtsburg in Meißen und in der Festung Königstein festgehalten wurde, um Gold herzustellen. Im Laufe seiner verzweifelten Versuche erfand er 1708 das rote und ein Jahr später das weiße Meißener Porzellan, das sich schließlich für den Staat als sogenanntes 'weißes Gold' erwies. Der Autor weiß mit seinem Querschnitt aus vier Jahrhunderten Pharmaziegeschichte nicht nur die Rolle des Apothekers für die Entwicklung der Naturwissenschaften, der Industrialisierung, Kunst, Kultur und Politik darzustellen oder zumindest anzudeuten, sondern – ohne den Zeigefinger zu heben – zugleich auf die Vorbildwirkung und hohe Berufsethik einzelner Apotheker in der Vergangenheit hinzuweisen, um dadurch Mut für die Zukunft des Berufes zu machen und nicht zuletzt bestens zu unterhalten.
Das Buch stellt ein ideales Weihnachtsgeschenk dar, als spannende Lektüre nicht nur zwischen den Jahren und nicht nur für Apotheker, sondern auch für alle, die es einmal werden wollen und alle, die mit diesem in letzter Zeit so gebeutelten Berufsstand sympathisieren und sich für seine Errungenschaften inner- und außerhalb der Pharmazie interessieren.
Johannes Müller, Marburg
Govi-Verlag: Forscher - Künstler - Unternehmer
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Prof. Dr. Christoph Friedrich
Institut für Geschichte der Pharmazie
Roter Graben 10
35032 Marburg
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