14.01.2013
Laudatio Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Matern
Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Université de Lorraine
Prof. Dr. Ulrich Matern (pardon: jetzt natürlich Prof. Dr. Dr. h.c.
Ulrich Matern), von Oktober 1995 bis zu seinem Eintritt in den
Ruhestand im Jahr 2008 Professor für Pharmazeutische Biologie an der
Philipps-Universität und Geschäftsführender Direktor des Instituts für
Pharmazeutische Biologie, wurde am 23.11.2012 zum Doctor honoris
causa der Université de Lorraine ernannt.
Prof. Matern wurde am 20.10.1942 in Ostpreußen geboren. Er besuchte in
Wuppertal-Elberfeld das Gymnasium und absolvierte von 1963 bis 1965
sein Pharmaziepraktikum, an das er als Vorexaminierter von 1966 bis
1969 ein Pharmaziestudium an der Universität Freiburg anschloss. Die
Approbation erhielt er 1973, nachdem er schon 1972 seine Promotion mit
einem Thema zur Zuckerbiosynthese (bei Prof. Grisebach an der
Universität Freiburg) abgeschlossen hatte. Prof. Matern blieb zunächst
der Universität Freiburg treu und forschte dort weiter an Interaktionen
zwischen Pflanzen und Pathogenen, unterbrochen von
Forschungsaufenthalten in den USA und in Israel. Auf diesem Gebiet
habilitierte er sich auch im Jahr 1983 und erhielt die Venia legendi
für Biochemie. Einen Ruf an die Bundesanstalt für Züchtungsforschung an
Kulturpflanzen in Quedlinburg lehnte er 1994 ab und entschied sich,
1995 einem Ruf an die Universität Marburg zu folgen.
Nachdem Prof. Matern sich schon zuvor sehr erfolgreich auf dem Gebiet
der Biosynthese und Molekularbiologie verschiedener pflanzlicher
Naturstoffe „getummelt hatte“, setzte er diese Arbeiten in Marburg fort
- allerdings erst mit einiger Verzögerung, bedingt durch die
notwendigen umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten am Marburger
Institut. Sein Steckenpferd waren und blieben phenolische Naturstoffe,
insbesondere Flavonoide, Cumarine und Acridonalkaloide. Von
biochemischen Untersuchungen verlagerten sich die Arbeiten mehr und
mehr auch auf die Molekularbiologie. Pflanzliche Zellkulturen, die
unproblematisch und in großen Mengen das Versuchsmaterial lieferten,
waren hierbei ständige Begleiter. Einige Meilensteine von Prof. Materns
Forschung seien hier genannt. Sehr bedeutend war seine Entdeckung eines
Enzyms, das auf dem Weg zu Ligninmonomeren die Methylierung von
Caffeoyl-CoA zu Feruloyl-CoA katalysiert. Neben Methyltransferasen
beschäftigten Prof. Matern auch Polyketidsynthasen (z.B. die
Acridonsynthase), Cytochrom P450 Enzyme (z.B. die wegen ihrer komplexen
Reaktion besonders interessante Psoralensynthase) und
2-Oxoglutarat-abhängige Dioxygenasen (z.B. die schwer nachweisbare
Anthocyanidin Synthase, die für die Bildung der roten und blauen
Blütenfarbstoffe mit verantwortlich sind). Beide Enzymklassen erwiesen
sich als essentiell für oxidative Reaktionen im pflanzlichen
Sekundärstoffwechsel. Für seine wichtigen Beiträge zu unserem
Verständnis von Naturstoffbiosynthesen bekam Prof. Matern im Jahr 2008
den Phytochemistry Pioneer Award der Phytochemical Society of North
America verliehen.
Nach Eintritt in den Ruhestand kehrte Prof. Matern in den Schwarzwald
in das Städtchen Lahr zurück, ist aber weiterhin sehr interessiert an
neuen Erkenntnissen zum pflanzlichen Sekundärstoffwechsel, der ihn so
viele Jahre fasziniert hat.
Wir gratulieren unserem Kollegen Prof. Matern ganz herzlich zur
Verleihung seiner Ehrendoktorwürde und wünschen ihm noch viele
erfreuliche Jahre im Kreise seiner Familie mit einem nicht
nachlassenden Interesse an pflanzlichen Naturstoffen – wenn auch
vielleicht in anderer Form.
Kontakt
Institut für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie
Am Alten Botanischen Garten
Deutschhausstraße 17a
35037 Marburg
Tel.: +49 (0) 6421 / 28-22417
E-Mail


