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Denis Papin  

Das Leben - und noch mehr die Wissenschaft - können schon ungerecht sein. Eigentlich hätte der Physiker und Mathematiker Denis Papin als Erfinder der Dampfmaschine in die Geschichte eingehen müssen. Hatte er doch bereits 1690 von einer von ihm in Marburg entwickelten Dampfmaschine berichtet – aber als Erfinder derselben sollte für alle Zeiten James Watt festgeschrieben werden.   

Gedenktafel zu Papin
Gedenktafel zu Papin an der östlichen Mauer der Alten Universität
1647 als Sohn einer wohlhabenden calvinistischen Familie in Blois geboren, studierte Papin zunächst Medizin an der Universität Angers. Er promovierte auch noch in diesem Fach, sollte aber fortan der Medizin den Rücken kehren. Seine Leidenschaft galt der Mathematik und der Physik. Erste Meriten erwarb er sich an der Akademie der Wissenschaften in Paris und ab 1675 an der Royal Society in London. In diese Zeit fällt seine Erfindung des Dampfdruck-Kochtopfes. Es wird erzählt, dass die erste Vorführung vor den Mitgliedern der Royal Society in einer veritablen Explosion mündete – er musste erst noch ein Sicherheitsventil entwickeln, bevor seine Novität Gebrauchswert erhielt. Dann aber stand sie Pate für unsere modernen Dampfdrucktöpfe. 
Aufgrund seiner hugenottischen Herkunft war Papin, nachdem König Ludwig XIV 1685 das Edikt von Nantes  widerrufen hatte, die Rückkehr nach Frankreich verwehrt. Umso glücklicher traf es sich, dass Landgraf Karl von Hessen ihn 1688 als Professor für Mathematik an die Universität Marburg berief. Hier lehrte er neben Mathematik auch Hydraulik, Sonnenuhrkunde und Astronomie; vor allem aber baute er 1690 die erste Versuchsdampfmaschine, bei der es sich zudem um die erste funktionierende Wärmekraftmaschine überhaupt handelte. Und auch wenn man meint, die Lahn würde einen Erfinder nicht unbedingt zu amphibischen Versuchen verleiten, entwarf Papin in Marburg außerdem ein Unterwasserfahrzeug. 

Seine fruchtbare Marburger Zeit endete, als Landgraf Karl den Erfinder und Forscher 1695 an den Hof nach Kassel berief. Dem Herrscher war vor allem daran gelegen, eine wirkungsvolle Wasserpumpe zur Entwässerung der hessischen Bergwerksstollen zu erhalten. Aber natürlich wollte der Fürst, als absoluter Monarch auf der Höhe seiner Zeit, die Erfindung auch für die Wasserspiele in seinem neu angelegten Lustgarten in Karlsaue nutzen. Da technische Entwicklungen auch immer ein zeitgeschichtliches Phänomen darstellen und sozusagen „in der Luft liegen“, ist es nicht verwunderlich, dass etwa zur gleichen Zeit Thomas Savery in London das erste Patent für eine Dampfdruckpumpe anmeldete. Allerdings sollte sich seine Entwicklung nicht durchsetzen.

In der Kurhessischen Eisenhütte Veckerhagen entwarf und baute Papin den ersten Dampfzylinder und entwickelte daraus schließlich eine eine Hochdruck-Dampfpumpe, die Wasser 24 Meter hoch fördern konnte. Die Konstruktion, die im Schlosspark Wilhelmshöhe zum Einsatz kam, war allerdings nur kurz in Betrieb, da die damals üblichen Rohre dem erzeugten Druck nicht standhalten konnten. 

Papins letzte Erfindung in Hessen sollte 1707 ein durch einen Dampfzylinder betriebenes Schaufelradboot sein, mit dem Papin nach London zurückkehren wollte. Doch die glücklose Expedition endete bereits in Hannoversch Münden, wo die örtliche Fischergilde das Boot im Streit um Passierrechte zerstörte. Geschlagen kehrte Papin nach Kassel zurück und reiste schließlich noch im selben Jahr – allerdings ohne seine Erfindung und auch ohne seine Familie – nach London weiter.

- Ellen Thun -


Zuletzt aktualisiert: 23.09.2008 · duewert

 
 
 
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