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Die medizinischen Papyri

 1. Papyrus Ramesseum V

Fundort: unbekannt.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1900 v.Chr./Mittleres Reich.
Maße: 14 cm Höhe; 100 cm Länge (rekonstruierte Maße).

Zustand/Inhalt: Sowohl der Anfang dieses Papyrus als auch das Ende des Papyrus fehlen. Nur die Vorderseite des Papyrus ist beschrieben und enthält 20 medizinische Rezepte gegen Erkrankungen der Gefäße bzw. Muskelstränge. Der Text ist nicht, wie fast alle anderen Papyri, in Zeilen geschrieben, sondern in Kolumnen. Außerdem ist dies der einzige medizinische Papyrus, der in Kursivhieroglyphe statt Hieratisch geschrieben ist. Darüber hinaus sind die Hieroglyphen rückläufig geschrieben, d.h. sie sind dem Ende des Textes zugewandt und nicht dem Anfang.

Publikation: 
A.H. GARDINER, The Ramesseum Papyri, Oxford 1955, Tafel 15-17;
J.W.B. BARNS, Five Ramesseum Papyri, Oxford 1956, Tafel 21,23-25, S. 30-34;
G. LEFEBVRE, Observations sur le Papyrus Ramesseum 5, in: BIFAO 57, 1958, S. 117-121.


 2. Medizinischer Papyrus Kahun VI.1

Fundort: Kahun; 1889 von W.M.F. Petrie.
Standort: University College, London.
Datierung: ca. 1850 v.Chr.; Zeit Amenemhet III/12. Dynastie/Mittleres Reich.
Maße: 32 cm Höhe; ca. 100 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Auf den 3 Blättern der Vorderseite ist der Anfang, wenn auch beschädigt, vorhanden. Auch die Rückseite ist mit einer kleinen Abrechnung aus der Zeit Amenemhets III beschrieben. Es handelt sich um ein "Fachbuch der Gynäkologie": 17 Diagnosen über Frauenkrankheiten; 17 Geburtsprognosen, Rezepte um Empfängnis zu ermöglichen, Empfängnisverhütung u.ä.

Publikation: 
F.LL. GRIFFITH, Hieratic Papyri from Kahun and Gurob. London 1898 (2 Bände), S. 5-11, Tafel 5-6.


 3. Papyrus Ramesseum III und IV

Fundort: In einer Holzkiste auf dem Boden eines Schachtes unter den Magazinen des Ramesseums in Theben; von Quibell 1896.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1800 v.Chr./Mittleres Reich.
Maße (III:) 26 cm Höhe; 180 cm Länge (rekonstruierte Maße); (IV:) nur Fragmente.

Zustand/Inhalt: Fragmente einer Sammelhandschrift mit verschiedenen Rezepten und Zaubersprüchen vorwiegend für Frauen und Kinder sowie gegen Augenkrankheiten (nur Papyrus Ramesseum III). Die Texte sind nicht, wie fast alle anderen Papyri, in Zeilen geschrieben, sondern in Kolumnen. Auf der Rückseite des Papyrus wurde eine landwirtschaftliche Abrechnung niedergeschrieben. Nach J.W.B. BARNS gehören diese beiden Texte ursprünglich zu einer Papyrusrolle.

Publikation: 
A.H. GARDINER, The Ramesseum Papyri, Oxford 1955, Tafel 7-10, 10-1463-64;
J.W.B. BARNS, Five Ramesseum Papyri, Oxford 1956, S. 15-23, 24-29, Tafel 10-15, 16-20.


 4. Veterinär-Papyrus Kahun LV.2

Fundort: Kahun.
Standort: ?
Datierung: ca. 1800 v.Chr./Mittleres Reich.

Zustand/Inhalt: Der Papyrus enthält Reste eines Buches über Tierkrankheiten. Der Text ist nicht, wie fast alle anderen Papyri, in Zeilen geschrieben, sondern in Kolumnen.

Publikation: 
F.LL., GRIFFITH, Hieratic Papyri from Kahun and Gurob, London 1898, S. 12-14, Tafel 7;
W. KOSACK, Ein altägyptisches Hausbuch der Tiermedizin, in: Armant 3, 1969, S. 172.


 5. Papyrus Edwin Smith

Fundort: Angeblich aus dem Grab eines Arztes in Theben-West; möglicherweise zusammen mit dem Papyrus Ebers gefunden worden.
Standort: The New York Academie of Medicine, New York.
Datierung: ca. 1550 v.Chr./Neues Reich bzw. 2. Zwischenzeit.
Maße: 32 cm Höhe; ca. 470 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Der Papyrus ist bis auf das beschädigte erste Blatt - es besteht nur aus Fragmenten - vollständig erhalten. Auf der Vorderseite sind 17 und auf der Rückseite 5 Blätter beschrieben worden. Die Vorderseite und die Rückseite bis zu Blatt 4, Zeile 8 sind von einer Hand geschrieben; der Rest der Rückseite stammt von einer weiteren, späteren Hand. Die Vorderseite bricht unvermittelt mitten im Satz ab. Derselbe Schreiber hat aber auf der Rückseite noch weitere medizinische Texte niedergeschrieben. Der Text des Papyrus wurde von der selben Hand nochmals überprüft und korrigiert.
Inhalt: Vorderseite: 48 Diagnosen des "Wundenbuches" (moderne Bezeichnung) (erster Schreiber); Fall 1: Die zerstörte Überschrift nannte eine Wunde am Kopf, die bis auf den Knochen geht; Fall 2: Diagnose für eine Wunde am Kopf; Fall 3: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kopf, die bis auf den Knochen geht; Fall 4: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kopf, die bis auf den Knochen geht, mit einem Spalt des Schädels; Fall 5: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kopf, mit einem Bruch des Schädels; Fall 6: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kopf, die bis auf den Knochen geht, mit Bloßlegung des Gehirns; Fall 7: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kopf, die bis auf den Knochen geht, mit einem Loch der tp3w des Schädels; Fall 8: Diagnose für einen Bruch am Schädel unter der Haut des Kopfes; Fall 9:Diagnose für eine Wunde an der Stirn, mit einem Bruch der Scherbe des Schädels (mit Angabe eines Zauberspruches); Fall 10: Diagnose für eine Wunde an der Spitze der Augenbraue; Fall 11: Diagnose für einen Bruch des Pfeilers der Nase; Fall 12: Diagnose für einen Bruch in der Kammer der Nase; Fall 13: Diagnose für einen Bruch in der Nase; Fall 14: Diagnose für eine Wunde in der Nase (im Nasenloch ?); Fall 15: Diagnose für ein Loch in der Wange; Fall 16: Diagnose für einen Spalt in der Wange; Fall 17: Diagnose für einen Bruch in der Wange; Fall 18: Diagnose für eine Wunde im Jochschläfenbein; Fall 19: Diagnose für ein Loch im Jochschläfenbein; Fall 20: Diagnose für eine Wunde im Jochschläfenbein, die bis auf den Knochen geht, mit einem Loch im Jochschläfenbein; Fall 21: Diagnose für einen Spalt im Jochschläfenbein; Fall 22: Diagnose für einen Bruch im Jochschläfenbein; Fall 23: Diagnose für eine Wunde am Ohr; Fall 24: Diagnose für einen Bruch im Unterkiefer; Fall 25: Diagnose für eine Verrenkung am Unterkiefer; Fall 26: Diagnose für eine Wunde in der Lippe; Fall 27: Diagnose für eine klaffende Wunde am Kinn; Fall 28: Diagnose für ein Wunde am Vorderhals; Fall 29: Diagnose für eine klaffende Wunde an einem Wirbel des Nackens; Fall 30: Diagnose für eine Bruchverletzung an einem Wirbel des Nackens; Fall 31: Diagnose für eine Verrenkung an einem Wirbel des Nackens; Fall 32: Diagnose für eine Verstauchung an einem Wirbel des Nackens; Fall 33: Diagnose für eine Quetschung an einem Wirbel des Nackens; Fall 34: Diagnose für eine Verrenkung an den Schlüsselbeinen; Fall 35: Diagnose für einen Bruch an den Schlüsselbeinen; Fall 36: Diagnose für einen Bruch im Oberarm; Fall 37: Diagnose für einen Bruch im Oberarm mit einer offenen Wunde darauf; Fall 38: Diagnose für einen Spalt im Oberarm; Fall 39: Diagnose für Abszesse (?) an der Brust; Fall 40: Diagnose für eine Wunde an der Brust (die bis auf den Knochen geht, mit einem Loch im Brustbein); Fall 41: Diagnose für eine schlimme Wunde an der Brust; Fall 42: Diagnose für eine Bruchverletzung an den Rippenknochen der Brust; Fall 43: Diagnose für eine Verrenkung der Rippenknochen der Brust; Fall 44: Diagnose für einen Bruch an den Rippenknochen der Brust (mit einer offenen Wunde auf ihr); Fall 45: Diagnose für Abszesse auf der Brust; Fall 46: Diagnose für Geschwülste (?) an der Brust; Fall 47: Diagnose für eine klaffende Wunde an der Achsel; Fall 48: Diagnose für eine Bruchverletzung eines Wirbels des Rückgrats. Bei dem Wundenbuch handelt es sich möglicherweise um ein Lehrbuch: Es ist methodisch aufgebaut, indem der Verfasser stets vom Kopf in logischer Abfolge der Körperteile abwärts geht und indem er sich von den einfachen zu den komplizierten Wunden und Brüchen bewegt. In der vorliegenden Form ist es auch zum Auswendiglernen geeignet, um den Wissenstand eines Arztes zu erweitern.
Rückseite: Verschiedene Rezepte (erster und zweiter Schreiber): 1. Eine Folge von 8 Sprüchen gegen eine j3dt (Pest ?) genannte Schädigung; 2. "Wenn du untersuchst eine Frau, die an ihrem Magen leidet, deren Menstruation nicht kommen kann"; 3. "Rezept, die Haut umzukehren"; 4. "Anderes, das Gesicht zu verschönern"; 5. "Buch vom Machen einen alten Mann zu einem jungen"; 6. "Wenn du betrachtest einen Mann, der an seinem After leidet".

Publikation: 
J.H. BREASTED, The Edwin Smith Surgical Papyrus, Chicago 1930 (2 Bände);
M. MEYERHOF, Über den Papyrus Edwin Smith. Das älteste Chirurgiebuch der Welt, in: Deutsche Zeitschrift für Chriurgie, Band 231, 1931, S. 645-690;
B. EBBELL, Die altägyptische Chirurgie, in: Skrifter utgitt av Det Norske Videnskaps-Akademie i Oslo, Hist.-Filos. Klasse, Nr. 2, 1939;
W. WESTENDORF, Papyrus Edwin Smith. Ein medizinisches Lehrbuch aus dem Alten Aegypten, Bern-Stuttgart 1966.


 6. Papyrus Ebers

Fundort: Angeblich aus dem Grab eines Arztes in Theben-West; möglicherweise zusammen mit dem Papyrus Edwin Smith gefunden worden.
Standort: Universitätsbibliothek, Leipzig.
Datierung: ca. 1550 v.Chr.; Zeit Amenhotep I/Anfang der 18.Dynastie/Neues Reich
Maße: 0,30 m Höhe; ca. 20 m Länge.

Zustand/Inhalt: Der Papyrus ist vollständig, also ohne irgendwelche Beschädigungen erhalten. Die Vorderseite besteht aus 100 Blättern und die Rückseite aus 8 Blättern und sind von der Hand eines Schreiber beschrieben worden; nur der Text auf dem ersten Blatt der Rückseite - ein Kalender in 13 kurzen Zeilen mit dem Sothisdatum aus dem Jahre 9 des Königs Amenhotep I - stammt von einer weiteren, späteren Hand.
Die einzelnen Blätter sind am oberen Rand der Papyrusrolle ägyptisch durchnummeriert, wobei allerdings die Zahlen 28 und 29 aus unbekannten Gründen übersprungen wurden. Ab Blatt 22 ändert sich die Breite des Textes, denn der Schreiber hatte bis dahin jede Überschrift und jede Droge der Rezepte auf eine neue Zeile geschrieben. Diese Beschreibungsart änderte der Schreiber ab Blatt 22 zugunsten einer Platz sparenden Schreibweise, in dem er von da an alles hintereinander weg schrieb, damit die Rolle nicht ungeheuerlich lang würde.
Der Papyrus weist 108 beschrieben Blätter auf. Die Zählung auf der Vorderseite reicht von 1 bis 102, wobei die Zahlen 28 und 29 bereits bei der Niederschrift ausgelassen wurden, woraus sich dann faktisch nur 100 Seiten ergeben. Auf der Rückseite werden 8 Seiten von 103 bis 110 gezählt. Der Text des Papyrus wurde von der selben Hand nochmals überprüft und korrigiert.
Es handelt sich bei diesem Papyrus um einer Sammelhandschrift von 879 medizinischen Texten, die durch Überschriften relativ gut sortiert sind, Nr. 1-3: Begleitsprüche beim Auflegen und Lösen eines Verbandes und beim Trinken von Heilmitteln; Nr. 4-103: Heilmittel bei Bauchkrankheiten; Nr. 104-120: Salbe bei Hautkrankheiten; Nr. 121-187: Rezepte gegen Schmerzstoffe und Erkrankungen der Verdauungswege; Nr. 188-220: Lehrtexte und Rezepte für Magenleiden; Nr. 221-260: Rezepte gegen die "dämonische" Krankheit, Kopfschmerzen; dazwischen Nr. 251 über die "Rizinuspflanze" ("Kennen dessen, was man mit der dgm-Pflanze machen kann, als etwas in alten Schriften Gefundenes, als etwas für die Menschen Nützliches"); Nr. 261-283: Heilmittel bei Harnstörungen; Nr. 284-300: heilmittel bei Eß- und Verdauungsstörungen; Nr. 301-304: Vereinzelte Rezepte; Nr. 305-335: Heilmittel gegen Husten und Asthma; Nr. 336-431: Heilmittel gegen Augenleiden ("Sammelbuch der Augen"); Nr. 432-436: Rezepte gegen Bißwunden; Nr. 437-450: Rezepte gegen Ausschlag am Kopf; Nr. 451-476: Rezepte für Haarbehandlung (Ergrauen, Haarausfall, Haarwuchs); Nr. 477-481: Heilmittel für die Leber; Nr. 482-542: Heilmittel für Brandwunden, Schläge, Wunden und deren folge; Nr. 543-602: Heilmittel für Blasen, Geschwüre, Schwellungen; Nr. 603-626: Heilmittel für Beine, Finger, Zehen; Nr. 627-696: Heilmittel für Behandlungen der Gefäße; Nr. 697-704: Heilmittel gegen Erkrankungen der Zunge; Nr. 705-707: Heilmittel gegen Krampf aufgrund Harnverhaltens; Nr. 708-738: Heilmittel für Körperoberfläche; Nr. 739-749: Zahnbehandlungen; Nr. 750-756: Heilmittel gegen Krankheiten, die von Dämonen ausgelöst werden; Nr. 757-760: Heilmittel für die Behandlung der rechten Körperhälfte (Leber); Nr. 761-781: Heilmittel für Nase, Ohren und Kopf; Nr. 782: Heilmittel gegen Kindergeschrei; Nr. 783-837: Gynäkologisches; Nr. 838-839: Prognosen über die Lebensfähigkeit Neugeborener; Nr. 840-853: Praktische Tips für den Hausgebrauch; Nr. 854-856: Abhandlung über Herz und Gefäßsysteme; Nr. 857-877: Lehrtexte gegen Geschwülste.

Publikation: 
G. EBERS, Papyros Ebers. Das Hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift, Leipzig 1875 (2 Bände);
W. WRESZINSKI, Der Papyrus Ebers: I. Teil, Umschrift, in: Medizin der alten Ägypter, Band III, Leipzig 1913;
P. GHALIOUNGUI, The Ebers Papyrus, Kairo 1987.


 7. Papyrus Hearst

Fundort: Der Papyrus ist in Siedlungsresten bei Deir el-Ballas von einem Ägypter beim Sebach-Graben in einem Gefäß gefunden worden. G.A. REISNER erwarb den Papyrus 1901.
Standort: Bancroft Library, Phoebe Hearst Museum of Anthropology, University of California at Berkeley.
Datierung: ca. 1550 v.Chr./Neues Reich (möglicherweise unter Thutmosis III/18. Dynastie).
Maße: 17 cm Höhe; ca. 350 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Der Anfang dieses Papyrus fehlt, wahrscheinlich sogar mehrere Blätter. Insgesamt sind 18 beschriftete Blätter erhalten. Der Schluß ist durch ein ausdrückliches "es ist fertig" durch den Schreiber kenntlich gemacht. Von dieser Papyrusrolle ist nur die Vorderseite beschrieben.
Der Papyrus Hearst besteht fast ausschließlich aus Rezepten (Gefäßbehandlungen, allgemeine Schmerzbehandlung, Abführmittel, Bauchschmerzen, Harnbeschwerden, Behandlung von Herz und Lunge, Bekämpfung von dämonischen Krankheiten, Behandlung von Knochenbrüchen und Bißwunden). Man kann 260 Einzeltexte zählen. Etwa ein Drittel der Texte des Papyrus Hearst finden sich zum Teil wörtlich im Papyrus Ebers wieder. Auch der restliche Teil deckt sich inhaltlich mit dem Papyrus Ebers. Allerdings bietet der Papyrus Hearst viele Ergänzungen und Berichtigungen zu einzelnen Rezepten, die bereits im Papyrus Ebers vorhanden sind.

Publikation: 
G.A. REISNER, The Hearst Medical Papyrus, Leipzig 1905;
W. WRESZINSKI, Der Londoner medizinische Papyrus (und der Papyrus Hearst), Leipzig 1912, in: Medizin der alten Ägypter, Band II, Leipzig 1912;
C.D. LEAKE, The old Egyptian medical Papyri, Kansas 1952, S. 47-97.


 8. Medizinischer Papyrus London, BM 10059

Fundort: unbekannt. Die Royal Institution of London hat 1860 diesen Papyrus dem British Museum geschenkt.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1350 v.Chr./18. Dynastie/ Neues Reich.
Maße: 17 cm Höhe; ca. 210 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Sowohl der Anfang dieses Papyrus als auch das Ende des Papyrus fehlen.
Der aus 19 beschriebenen Blättern bestehende Papyrus enthält nur wenige (25 von 61) echte Rezepte, vor allem gegen Brandwunden, und viele Zaubersprüche und ist daher auf die Grenze zwischen medizinischen und Zauberpapyri zu setzen. Sowohl die Vorderseite als auch die Rückseite des Papyrus sind beschrieben. Es handelt sich bei dem Papyrus um ein Palimpsest, allerdings ist der erste Text, obwohl er nur ungenügend abgewaschen worden ist, nahezu unlesbar ist.

Publikation: 
W. WRESZINSKI, Der Londoner medizinische Papyrus (und der Papyrus Hearst), Leipzig 1912, in: Medizin der alten Ägypter, Band II, Leipzig 1912, S. 137-218;
C. LEITZ, Magical and Medical Papyri of the New Kingdom, in: HPBM VIII, im Druck, voraussichtlich 1998/1999.


 9. Medizinischer Papyrus Berlin 3038

Fundort: PASSALACQUA hat diesen Papyrus zusammen mit weiteren in einem Gefäß bei Saqqara gefunden.
Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin. (In Berlin befindet sich unter der Nummer 3027 noch ein weiterer medizinischer Papyrus aus der 18. Dynastie.)
Datierung: ca. 1250 v.Chr./19. Dynastie/Neues Reich.
Maße: 20 cm Höhe; ca. 520 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Der Anfang dieses Papyrus fehlt, mindestens ein Blatt. Der Schluß hingegen ist erhalten, was durch ein ausdrückliches "es ist fertig" durch den Schreiber [p3 R'] hr wnmj=f - [Re] ist auf seiner Rechten kenntlich gemacht ist. (Die Ergänzung mit dem Gottesnamen Re ist nicht unbedingt zwingend; es könnten an dieser Stelle auch die Namen der Götter Horus, Month oder Seth gestanden haben.) Dies ist der einzige uns bekannt Schreiber eines medizinischen Papyrus. Die Vorderseite weist 21 beschriebene Blätter aus der Hand eines Schreibers auf und die Rückseite 3 aus der Hand eines weiteren Schreibers. Man kann 204 Einzeltexte zählen. Die Orthographie und die Sprache des Papyrus ist zum Teil sehr degeneriert, so daß es an einigen Stellen schon schwierig ist, nur Wörter zu lesen.
Auch dieser Papyrus ist wie der Papyrus Hearst eine inhaltliche Ergänzung zu entsprechenden Teilen des Papyrus Ebers. Außerhalb dieser Texte sind noch folgende Einzeltexte nennenswert: 1. Das zweite der beiden Bücher des Papyrus Ebers über die Gefäße, das hier ausführlicher ist als dort; 2. Diagnose für eine Erkrankung der Verdauungsorgane; 3. Eine Halb- und eine Volldiagnose mit Rezept für die im Körper "hin- und herfahrenden whdw-Schmerzen"; 4. Rezept gegen Übersättigung, Speisenüberfülle im Bauch; 5. Rezept für die Behandlung der hnsw-Krankheit; 6. Rezepte für die Herstellung von Räuchermitteln gegen verschiedene krankhafte Zustände; 7. Räucherrezept gegen einen Skorpionbiß; 8. Rezept gegen "Erhitzung" (Fieber ?); 9. Rezepte gegen stt (Rheuma ?); 10. Spruch, der beim Einnehmen eines Heilmittels rezitiert werden muß; 11. Ein Spruch mit unverständlichem Titel. Am Ende wird der Arzt Netjerhotep erwähnt; 12. Rezept gegen ein '3't-Leiden, das durch Schwitzen bekämpft wird; 13. (auf der Rückseite): Sehen, ob eine Frau gebären wird oder nicht; 14. (auf der Rückseite): Rezepte gegen Leiden am Ohr.

Publikation: 
H. BRUGSCH, Recueil de monuments égyptien, II. Band, Leipzig 1863, Tafel 85-107. Text S. 101-120;
W. WRESZINSKI, Der große medizinische Papyrus des Berliner Museums (Pap. Berl. 3038), in: Medizin der alten Ägypter, Band I, Leipzig 1909.


10. Papyrus Chester Beatty V, BM 10685

Fundort: Deir el-Medina, 1928. Familienarchiv des Schreibers Qen-her-chepeschef.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1250 v.Chr./19. Dynastie/Neues Reich.

Zustand/Inhalt: Der dritte Teil des Papyrus Chester Beatty V enthält das "Buch für die Beschwörung des halben Kopfes (Migräne ?)". Die Rezepte sind fast ausschließlich magischer Natur.

Publikation: 
A.H. GARDINER, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series Chester Beatty Gift, London 1935, S. 45-52, Tafel 23-29;
F. JONCKHEERE, La Médicine Egyptienne Nr. 2: Le papyrus médical Chester Beatty, Brüssel 1947.


11. Papyrus Chester Beatty VI, BM 10686

Fundort: Deir el-Medina, 1928. Familienarchiv des Schreibers Qen-her-chepeschef.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1250 v.Chr./19. Dynastie/Neues Reich.
Maße: 21 cm Höhe; ca. 135 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Sowohl der Anfang dieses Papyrus als auch das Ende des Papyrus fehlen. Auf der Vordersite haben sich 8 beschriebene Blätter und auf der Rückseite 2 erhalten. Die Vorderseite ist von einem zweiten Schreiber durchkorrigiert und mit Marginalien versehen worden.
Der Text der Vordersite beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit Erkrankungen des Afters. Die Rückseite enthält Besprechungen/Zaubertexte ("Buch des Vertreibens der nsj- und nsjt-Krankheit") und einige Rezepte. Insgesamt kann man 41 Einzeltexte zählen.

Publikation: 
A.H. GARDINER, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series Chester Beatty Gift., London 1935, Tafel 30-32A, Seite 53-54;
F. JONCKHEERE, La Médicine Egyptienne Nr. 2: Le papyrus médical Chester Beatty, Brüssel 1947.


12. Papyrus Chester Beatty VIII, BM 10688

Fundort: Deir el-Medina, 1928. Familienarchiv des Schreibers Qen-her-chepeschef.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1200 v.Chr./Ende der 19. bzw. Anfang der 20. Dynastie/Neues Reich.

Zustand/Inhalt: Innerhalb des magisch-religiösen Textes kommt einmal ein Rezept vor, wobei jedoch unklar bleibt, welches Leiden damit zu heilen ist.

Publikation: 
A.H. GARDINER, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series Chester Beatty Gift., London 1935, S. 66-77, Tafel 39-49;
F. JONCKHEERE, La Médicine Egyptienne Nr. 2: Le papyrus médical Chester Beatty, Brüssel 1947.


13. Papyrus Chester Beatty VII, BM 10687

Fundort: Deir el-Medina, 1928. Familienarchiv des Schreibers Qen-her-chepeschef.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1200 v.Chr./20. Dynastie/Neues Reich.

Zustand/Inhalt: Der Papyrus enthält auf der Vorderseite zahlreiche Sprüche gegen Skorpionsstiche und einmal sogar auch eine Anweisung zur Untersuchung eines Skorpionsstiches.

Publikation: 
A.H. GARDINER, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series Chester Beatty Gift., London 1935, S. 55-65, Tafel 33-38;
F. JONCKHEERE, La Médicine Egyptienne Nr. 2: Le papyrus médical Chester Beatty, Brüssel 1947.


14. Papyrus Chester Beatty XV, BM 10695

Fundort: Deir el-Medina, 1928. Familienarchiv des Schreibers Qen-her-chepeschef.
Standort: British Museum, London.
Datierung: ca. 1200 v.Chr./ 19./20. Dynastie/Neues Reich.

Zustand/Inhalt: Dieser Papyrus besteht nur aus einer Seite, die allerdings sehr gut erhalten ist. In den Zeilen 5-9 werden zwei Rezepte genannt, um den "Durst im Mund" zu stillen.

Publikation: 
A.H. GARDINER, Hieratic Papyri in the British Museum. Third Series Chester Beatty Gift., London 1935, S. 125-126, Tafel 70;
F. JONCKHEERE, La Médicine Egyptienne Nr. 2: Le papyrus médical Chester Beatty, Brüssel 1947.


15. Papyrus Carlsberg VIII

Fundort: unbekannt.
Standort: Ägyptologisches Institut der Universität von Kopenhagen.
Datierung: ca. 1200 v.Chr./19./20. Dynastie.
Maße: 20 cm Höhe, 40 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Es sind drei Blätter erhalten, die auf beiden Seiten von je einer anderen Hand beschrieben wurden.
Auf der Vorderseite sollen Behandlungen zu Augenkrankeiten stehen, die mit denen im Papyrus Ebers nahezu identisch sind. Die Rückseite bietet Reste von Geburtsprognosen.

Publikation: 
E. IVERSEN, Papyrus Carlsberg Nr. VIII with some remarks on the egyptien origin of some popular birth prognoses, in: Det Kgl. Danske Videnskabernes Selskab, histor.-filol. meddelelser XXVI, 5, Kopenhagen 1939.


16. Papyus Rubensohn

Fundort: Wahrscheinlich aus dem Archiv des Tempels von Elephantine; O. RUBENSOHN hat dort 1906-1908 für die Königlichen Museen zu Berlin ausgegraben.
Standort: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Berlin, Nr.P.10456.
Datierung: Ende der Perserzeit bis Anfang der Ptolemäerzeit (4.Jh.v.Chr.).
Maße: Es handelt sich um mehrer Bruchstücke, von denen das hier ausgewählte 24 cm hoch und 14 cm breit ist.

Zustand/Inhalt: Das Fragment enthält 20 Zeilen Text in mittelägyptischer Sprache. Von dem Papyrus ist nur die Vorderseite beschrieben.
Er enthält Rezepte und Lehrtexte zur Behandlung von Hustenbeschwerden. Gegenüber den Rezepten gegen Husten im Papyrus Ebers und im Papyrus Berlin stellen die Texte hier eine ausführlichere Zusammenstellung von Rezepten dar.
Die Besonderheit dieses Papyrus liegt in seinem nahezu rein wissenschaftlichen Anspruch, der ohne Zauberei und Aberglaube auskommt und somit ein Beleg dafür ist, daß auch dieser medizinische Strang in der Spätzeit existiert hat und nicht die Zauberei die Oberhand in der Medizin gewann.

Publikation: 
W.WESTENDORF, Papyrus Berlin 10456, in: Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Berliner Ägyptischen Museums, Mitteilungen aus der Ägyptischen Sammlung, Band VIII, Berlin 1975, S. 247-254.


17. Papyri Brooklyn 47.218.48 und 47.218.85

Fundort: unbekannt, aber S. SAUNERON vermutet, daß der Papyrus aus einem Archiv eines Tempel von Heliopolis stammt.
Standort: Brooklyn Museum, New York.
Datierung: 30. Dynastie oder früh-ptolemäisch.
Maße: 27 cm Höhe; max. 175 cm Länge.

Zustand/Inhalt: Anfang und Ende des Papyrus fehlen, aber der erhaltene Mittelteil ist gut erhalten und weist nur wenige Fehlstellen auf. Die beiden Nummern beziehen sich jeweils auf die oberen und die untere Hälfte des Papyrus, die in zwei Teile geteilt worden ist.
Der erste Teil des Textes des Papyrus handelt ausschließlich von der Beschreibung verschiedener Schlagen (insgesamt 38, davon erhalten 25) und ihren Bissen, der zweite Teil behandelt Heilmittel bzw. Rezepte gegen Schlangenbisse.

Publikation: 
S. SAUNERON, Un Traité Egyptien d'Ophiologie - Papyrus Brooklyn Museum N° 47.218.48 et 85, Kairo 1989.


18. Demotisches Kräuterbuch Carlsberg ("Demotic herbal"), Papyrus Carlsberg 230

Fundort: Tebtunis.
Standort: Ägyptologisches Institut der Universität Kopenhagen.
Datierung: Römerzeit (2. Jh.n.Chr. ?).
Maße: Die rekonstruierte Höhe des Papyrus beträgt 27 cm, bei einer geschätzten Länge von mindestens 150 cm.

Zustand/Inhalt: Von dem Papyrus sind 11 Fragmente erhalten, die ein umfangreiches und systematisch angelegtes Kräuterbuch enthalten. Die Pflanzen sind durchnummeriert, und jede Pflanze hat ihren eigenen Abschnitt. Die Abschnitte sind durch Freiräume voneinander abgesetzt.
Die einzelnen Pflanzen werden beschrieben, die Besonderheiten ihrer Erscheinungsform genannt und ihr Standort und ihr Verbreitungsgebiet aufgeführt. Darüber hinaus werden auch Vergleiche unter den Pflanzen angeführt und ihre medizinische Anwendung beschrieben.

Publikation: 
W. JOHN TAIT, P.Carlsberg 230, in: Paul John Frandsen (Hrsgb.), The Carlsberg Papyri 1: Demotic Texts from the Collection, Kopenhagen 1991, S. 47-92.


(erstellt von Petra Vomberg)

Zuletzt aktualisiert: 15.08.2008 · Orell Witthuhn

 
 
 
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