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Aktuelle Ausstellungen

Die Wirklichkeit des Mythos

Mythen der Yukpa aus Kolumbien und Venezuela - Eine Ausstellung

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geöffnet ab 13. April 2018
Deutschhausstr. 3, Raum A 009
35032 Marburg

Öffnungszeiten: Mo - Do 11-16 Uhr
An Feier- und Brückentagen bleibt die Ausstellung geschlossen.

„Die Geschichten sind wahre Tatsachen, die unsere Vorfahren gelebt haben. Dank der Geschichten, werden die Kinder unserer Kinder wissen, woher sie kommen, wer sie sind und wie man lebt.“ (Ely Avila Saavedra 2017)

Mythen regen inhaltlich wie begrifflich zu vielschichtigen Gedanken an und haben zu vielerlei wissenschaftlichen Konzepten und Theorien geführt. Doch wie sehen Mythen in der Praxis aus?

Die Ausstellung geht Mythen der südamerikanischen Yukpa nach. Vier Stationen zeigen unterschiedliche Lebensbereiche, in denen Mythen sichtbar werden. Die Besucher*innen können materielle Gegenstände und fotografische Momentaufnahmen betrachten und Erzählungen lauschen.

Zugleich gewährt die Ausstellung Einblicke in die Forschungspraxis der Marburger Anthropolog*innen am Fachgebiet Kultur- und Sozialanthropologie. Welche Antworten geben Wissenschaftler*innen und die Yukpa selbst auf die Frage nach der Wirklichkeit des Mythos? Und was meinen Sie?

Hier finden Sie das Begleitheft zur Ausstellung (PDF, 20.3 MB) welches Sie über die Seiten des Bibliothekarchivs ebenfalls aufrufen können.

Zu Gast bei den Sokorpa-Yukpa
Impressionen aus der Serranía del Perijá

Gastfreundschaft, Lächeln und neugierige Gesichter dies sind die ersten Erinnerungen, die mir zu meiner Kolumbienreise in den Kopf kommen. Im September 2016 hatte ich die Gelegenheit, Anne Goletz, Mitarbeiterin des Fachgebietes Kultur- und Sozialanthropologie, während ihres Forschungsaufenthalts bei den Sokorpa-Yukpa im Nordosten Kolumbiens zu besuchen.

Schon im Vorfeld war von Seiten der Sokorpa-Yukpa der Wunsch an uns herangetragen worden, dass sie mit mehr Öffentlichkeit auf ihre Lebenssituation und ihren Kampf um ihr Territorium hinweisen wollten. So war auch das Ziel der Reise festgesetzt: Es sollte eindrückliches Material für eine filmische Dokumentation entstehen.

Natürlich hatte ich versucht, mich so gut wie möglich auf die Dreharbeiten in den Sokorpa-Gemeinden vorzubereiten, bevor ich Deutschland verließ. Die offizielle Repräsentantin Esneda Saavedra Restrepo, Anne Goletz und ich hatten bereits einen roten Faden für den Dokumentarfilm über Skype strukturiert. Ich traf mich auch mit Ernst Halbmayer, Professor der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Marburg, der viele Jahre bei den Irapa-Yukpa in Venezuela geforscht hat und seit einigen Jahren in Kolumbien forscht.

Zu dem Zeitpunkt meiner Reise gab es aufgrund des umstrittenen Friedensprozesses mit der FARC-Guerilla einige Spannungen in der Region, über die ich mehr erfahren wollte. All diese Aktivitäten bereiteten mich jedoch nicht auf das vor, was wirklich auf mich wartete: Menschen, die mich auf eine sehr herzliche Art und Weise begrüßten - trotz der Tatsache, dass ich nur ein bisschen Spanisch und kein Yukpa sprach. Bald lachten wir gemeinsam über den großen, schweren Kerl (mich!), der sein Maultier leiden ließ und dessen Hängematte zusammen mit ihm von den Pfosten fiel. Dieses Bild sollte mich während der gesamten
Reise begleiten.

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Foto: Chris Schmetz


Auch in Bezug auf die von mir anzufertigenden Bilder und Filmsequenzen wurde ich sehr überrascht. Während Anne die Interviews übernahm und die Dreharbeiten organisierte, kümmerte ich mich um die technischen Aspekte und das künstlerische Erscheinungsbild des Filmmaterials. Das Fotografieren und Dokumentieren des Lebensalltags von Menschen ist oft eine große Herausforderung für einen Fotografen, da sich viele Menschen vor der Kamera unwohl fühlen. Normalerweise dauert es einige Zeit bis Fotografierte und Fotograf sich aufwärmen, nicht so aber bei den Sokorpa-Yukpa. Oft dauerte es vom ersten „Hallo!“ bis zum eigentlichen Dreh weniger als fünf Minuten. In den Pausen und nach den Dreharbeiten trafen wir auf großes Interesse an uns und unserer Arbeit. Ergebnis waren daher nicht nur ansprechende Filmsequenzen, sondern auch hilfreiche Ideen für das nächste Shooting und oft sehr vertrauliche Fotogelegenheiten.

Foto Yukpa
Foto: Chris Schmetz

Die für diese Ausstellung ausgewählten Bilder sind größtenteils genau in diesen Momenten entstanden. Sie greifen Aspekte auf, die in der aktuellen Mythenausstellung „Die Wirklichkeit des Mythos. Mythen der Yukpa aus Kolumbien und Venezuela“ hier am am Fachgebiet der Kultur- und Sozialanthropologie thematisiert werden: Landschaft, Rituale und zentrale materielle Gegenstände wie Pfeil, Pfeife und Kleidung. Hierdurch wird ein erweiterter Einblick in das Lebensumfeld der Sokorpa-Yukpa geboten. Die Landschaftsaufnahmen vermitteln Eindrücke von der geographischen Umgebung der Sokorpa-Yukpa, dem für sie so wichtigem Territorium. Portrait- und Gruppenaufnahmen ermöglichen es, sich einzelnen Personen zu nähern; die Kommentare zu den Bildern verleihen den Abgebildeten eine Stimme. So treten diese selbst mit den Betrachtenden in den Austausch. Die Kommentare stammen aus Kurzinterviews mit den Fotografierten, die Anne Goletz beim gemeinsamen Betrachten der Fotos in der Serranía del Perijá aufgezeichnet hat.

Wer mehr über die Fotobuch, das auf Grundlage dieser Bilder entstanden ist, schaut unter
www.behind-de-scenes.de/en/nanarh-yukpapi-we-are-yukpa/  | www.facebook.com/nanarhyukpapi/



„Which of my photographs is my favorite? - The one I’m going to take tomorrow.“
(Imogen Cunningham)

Seit 2006 betrachte ich die Welt durch den Sucher und arbeite als freiberuflicher Journalist und Fotograf. Stilistisch kann ich dabei auf ein Bachelor-Studium an der Fachhochschule Gelsenkirchen im Fachbereich Journalismus und Public Relations zurückgreifen. Kulturellen Thematiken und Zusammenhängen habe ich mich in einem Master-Studium im Fachgebiet Kultur- & Sozialanthropologie an der Philipps-Universität Marburg gewidmet. Dieses Wissen konnte ich durch Studien- und Arbeitsaufenthalte in der Karibik, Asien, Afrika und Fenno-Skandinavien vertiefen.

Abenteuerlust, Neugier und Spaß sind meine täglichen Triebfedern. Ich bin neugierig auf neue Länder, neue Menschen und neue Eindrücke. Mein Ziel ist es, Erlebnisse und Begegnungen lebendig und zugleich respektvoll festzuhalten. Mit meinen Bildern möchte ich Brücken schlagen. Denn oft sind scheinbare Unterschiede schlussendlich nur von geringer Bedeutung. Ein herzliches Lachen und gegenseitiges Interesse sind universell. Und anfänglich reserviertes Verhalten tarnt meist herzliche Gastfreundschaft. Bei meinen Fotos ist mir der Blick hinter die Kulissen wichtig. Dabei muss dieser Blick nicht notwendigerweise auf große Ereignisse fokussieren. Auch alltägliches ist spannend und vermeintlich hässliches hat auch schöne Seiten. Geduld, Kreativität, Offenheit und genaues Beobachten fördern unentdeckte Welten und Bedeutungen zutage. Ein Schritt abseits der ausgetretenen Pfade eröffnet ein anderes Verständnis
und neue Blickwinkel. Und wer weiß, vielleicht wartet genau dort das perfekte Bild von morgen?

Wer mich auf meinen Reisen begleiten mag, ist herzlich eingeladen:
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