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Habilitationsprojekt Dr. Susanne Görke

Die palaischen und luwischen Festritualtexte aus Hattusa

Neben zahlreichen zentralanatolischen und hurritisch geprägten hethitischen Festritualen sind aus der hethitischen Hauptstadt Hattusa auch solche überliefert, die einem luwischen und palaischen Kulturkreis zugerechnet werden. Diese Zuordnung ergibt sich zumeist aus der Sprache der Rezitationen, die innerhalb der Texte überliefert sind. So weisen palaische Texte Rezitationen „auf palaisch“ auf; sie werden langläufig mit dem Lande Pala, nordwestlich der hethitischen Hauptstadt Hattusa gelegen, in Verbindung gebracht. Luwische Festrituale nennen die Ortschaften Istanuwa und Lallupiya, Landstriche, die sich südlich an das Land Pala anschließen.

Nach der in der Hethitologie geläufigen Nummerierung von Textgruppen in CTH-Nummern – dem „Catalogue des textes hittites“ von Emmanuel Laroche von 1970 folgend – werden folgende Textgruppen die textliche Grundlage der Arbeit bilden: die palaischen Textgruppen CTH 750-754, die Festrituale, einen Mythos und Fragmente mit rituellen Schilderungen enthalten. Daneben werden rein hethitisch sprachige Beschreibungen von Festen, in denen palaische Gottheiten genannt sind, in die Untersuchung einbezogen, darunter CTH 643 „Fragmente, nennend Gott Ziparwa“ sowie Abschnitte der großen hethitischen Feste AN.TAH.SUMSAR-Fest (CTH 610 mit Beschreibungen des 12. und 13. Tages) sowie nuntarriyasha-Fest (CTH 626 mit der Beschreibung des 8., 9. und 10 Tages). Zu den luwischen Texten zählen die Tafel von Lallupiya (CTH 771), die Festrituale von Istanuwa (CTH 772) sowie die Gesänge von Istanuwa (CTH 773). Des Weiteren dürften sich unter den luwischen Ritualfragmenten (CTH 770) noch zahlreiche befinden, die einem luwischen Festritual zugeordnet werden können.

Erste Untersuchungen zeigen, dass die palaischen Texte zum einen starke Verbindungen zu luwisch geprägten Texten aus Anatolien aufweisen. Beispielhaft sei darauf verwiesen, dass in CTH 752 Ritualhandlungen in der 1.Ps.Pl. geschildert werde, was sich sonst bislang nur in den arzawäischen Ritualen von Anniwiyanni und Paskuwatti sowie in dem luwischen von Kuwatalla und Silaluhhi findet. Das ebenfalls in CTH 752 geschilderte Löschen heißer Steine mit Wein findet sich in der hethitischen Ritualistik ansonsten nicht; entfernt vergleichbare Riten weisen die Rituale von Ambazzi und Tunnawi auf, die ebenfalls in die luwische Tradition weisen. Darüber hinaus finden sich aber auch rituelle Beschreibungen, die Parallelen in hattischen Texten finden. So sind Abschnitte von CTH 752, die ein Arrangement mit einem von Rindern gezogenen Wagen des Wettergottes schildern, mit Abschnitten des auf den Mythos „Der Mond, der vom Himmel fiel“ folgenden Rituals vergleichbar. Darüber hinaus lassen sich die Namen der palaischen Götter wie Zaparwa oder Katahzifuri hattisch erklären. Wichtig sind die palaischen Texte auch aufgrund der Tatsache, dass sie u.a. in althethitischen Niederschriften überliefert sind, und daher Licht auf die hethitische Textentwicklung werfen können.

Insgesamt wird die Untersuchung dieser bislang kaum betrachteten Textgruppen den Stellenwert wohl ursprünglich aus Nordzentralanatolien stammender Texte aufzeigen und damit einen wichtigen Beitrag zur Genese der hethitischen Religion besonders in der Herausbildung verschiedener Festtraditionen bereits in althethitischer Zeit liefern.